Branchenverband VCI
"Talsohle in der Chemiekonjunktur überwunden"

Die deutsche Chemiekonjunktur hat nach Einschätzung des Branchenverbands VCI ihre Talsohle mittlerweile durchschritten. In der deutschen Chemiebranche mache sich zunehmend eine Aufbruchstimmung bereit, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag in seinem Bericht zur Chemie im ersten Quartal in Frankfurt mit.

Reuters FRANKFURT. Zwar werde die aktuelle Geschäftslage der Branche noch überwiegend pessimistisch eingeschätzt. "Die Erwartungen für die kommenden Monate schnellten aber seit Jahresbeginn kräftig nach oben", hieß es in dem VCI-Bericht. Dabei warnte der Branchenverband indes vor überzogenen Erwartungen. Bei allem Optimismus dürfe nicht übersehen werden, dass der erhoffte Aufschwung noch auf sehr wackligen Füßen stehe.

Für das Gesamtjahr 2002 geht der Verband von einem leichten Produktionsplus gegenüber dem Vorjahr aus. Zum Jahreswechsel hin habe die deutsche Chemieproduktion ihren Tiefstand erreicht, im weiteren Jahresverlauf werde sie wieder zulegen. Für ein deutliches Produktionsplus in diesem Jahr kommt der Aufschwung nach Einschätzung des VCI aber zu spät und mit einer zu geringen Dynamik. Erst 2003 werde es wieder einen kräftigen Produktionsanstieg geben. Der Chemieumsatz werde trotz positiver Entwicklungen in diesem Jahr niedriger liegen als im Vorjahr, auch die Erzeugerpreise dürften nach Einschätzung des Verbands unter denen des Jahres 2001 bleiben.

Hoffnungsvoller Jahresbeginn

Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat die deutsche Chemieindustrie nach VCI-Angaben ihre Produktion im Vergleich zum letzten Vierteljahr 2001 saisonbereinigt um drei Prozent gesteigert. Als vorleistungsgüterproduzierende Industrie könne die deutsche Chemie frühzeitig von einem weltwirtschaftlichen Aufschwung profitieren, hieß es. Daher wurde die Produktion in Deutschland nach Verbandsangaben im ersten Quartal im Vergleich zu einem äußerst schwachen vierten Quartal wieder ausgeweitet. Im Vergleich zum ersten Quartal 2001 habe sie allerdings stagniert.

Die Erzeugerpreise seien im Vergleich zum ersten Quartal 2001 zwar noch um knapp drei Prozent gesunken, der Erzeugerpreisrückgang der letzten Monate scheine aber vorerst gestoppt. Von April 2001 bis diesen Februar waren die Erzeugerpreise laut VCI kontinuierlich von Monat zu Monat gesunken. Im März lagen sie nun erstmals nach Verbandsangaben über dem Vorjahreswert. Die Gewinnmargen in der Branche seien indes im ersten Quartal wegen der niedrigen Erzeugerpreise weiter unter Druck geblieben. Dabei wies der VCI auch auf deutlich steigende Rohstoffkosten seit Januar dieses Jahres hin.

Nachfrage weiter schwach

In der deutschen chemischen Industrie wurden nach VCI-Angaben im ersten Quartal mit rund 33,2 Milliarden Euro rund sechs Prozent weniger umgesetzt als ein Jahr zuvor. Zwar sei das äußerst schwache vierte Quartal übertroffen worden. Die Nachfrage sei aber nach wie vor verhalten, was sich sowohl beim Auslands- als auch beim Inlandsumsatz gezeigt habe. Im Ausland wurden mit 17,4 Milliarden Euro rund fünf Prozent weniger umgesetzt als ein Jahr zuvor, wie der VCI weiter mitteilte. Im Inland sei mit einem Umsatz von 15,8 Milliarden Euro und einem Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2001 die Entwicklung noch schwächer geblieben.

Beschäftigtenzahl gesunken

Die Beschäftigtenzahl in der Branche sei im ersten Quartal im Jahresvergleich um 1,5 Prozent rückläufig gewesen. Der Rationalisierungsdruck in den Firmen habe sich verstärkt, hieß es. Noch im Vorjahr habe der Rückgang der Beschäftigten lediglich 0,7 Prozent betragen. Insgesamt waren im ersten Quartal nach VCI-Angaben durchschnittlich 461.200 Menschen in der Chemiebranche beschäftigt und damit 7000 weniger als ein Jahr zuvor.

Nach Einschätzung von Börsianern blieb der VCI mit seinem Ausblick wie auch die Chemie-Unternehmen noch wenig konkret. "Dieser Ausblick ist noch nicht sehr klar", sagte ein Börsianer. Das bestätige die zuletzt gezeigte Zurückhaltung der Chemie-Unternehmen und werde sich vermutlich nicht auf deren Aktienkurse auswirken.

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