Branchenverband warnt vor übereiltem Kapazitätsabbau
Klima in der Reisebranche besser als in der Gesamtwirtschaft

Die deutsche Reisebranche gibt sich trotz der aktuellen Verunsicherung über die künftige wirtschaftliche Entwicklung optimistisch. Für das 31. Oktober zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2000/2001 rechnet der Branchenverband trotz teils drastischer Buchungsrückgänge nach den Anschlägen in den USA insgesamt noch mit einem deutlichen Umsatzplus.

rtr LEIPZIG. "Dies verdanken wird allerdings dem Umstand, dass das Gros der touristischen Ernte bereits vor den Anschlägen vom 11. September eingefahren war", sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverbandes (DRV), am Freitag in Leipzig. Das Geschäftsklima in der Reisebranche sei aber weiterhin deutlich besser als in der Gesamtwirtschaft. Es gebe ausreichend Grund zu Optimismus.

Der DRV-Präsident warnte die Reisekonzerne vor übereiltem Abbau von Kapazitäten und rief zur Besonnenheit auf. "Aus dem Markt genommene Kapazitäten gewährleisten keineswegs, dass Maschinen und Betten am Ende voll sind", sagte Laepple zum Auftakt der Jahrestagung des Verbandes. Europas zweitgrößter Touristikkonzern Thomas Cook hatte in der vergangenen Woche aufgrund eines erwarteten Umsatzrückgangs von bis zu 15 % im nächsten Jahr den Abbau Flugkapazitäten, die Schließung von 100 Reisebüros und den Wegfall von mehr als 2 600 Stellen verkündet. Dagegen sieht der Marktführer Preussag bisher kaum Anlass für ein Sparprogramm. Laepple kritisierte indirekt die unterschiedlichen Signale der großen Konzerne: "Als Branche sitzen wir in einem Boot. Um erfolgreich zu sein, müssen wir alle in dieselbe Richtung rudern."

Die aktuelle Debatte über die Zukunft der Touristik sei überaus schädlich. "Wer lauthals über Stornierungen, ausbleibende Buchungen, Kurzarbeit oder gar Entlassungen jammert, verunsichert unsere gemeinsame Kundschaft nur noch mehr. Jetzt sind Besonnenheit, Flexibilität und ein noch stärkeres Eingehen auf Kundenwünsche gefragt", sagte Laepple.

Staat soll für finanziellen Ausgleich sorgen

Dennoch räumte der Branchenpräsident ein, dass sich die Situation nach den Anschlägen für die seit Jahren von ungebremsten Wachstum gekennzeichneten Reisebranche verändert habe. Durch die mehrtägige Sperre des US-Luftraums nach den Anschlägen hätten Fluggesellschaften und Reiseveranstalter Einbußen verzeichnet. Hier müsse - wie in anderen europäischen Ländern bereits beschlossen - auch in Deutschland der Staat für einen finanziellen Ausgleich sorgen. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen für die 80 000 Beschäftigten passe deshalb die bisherige Forderung der Gewerkschaft Verdi nach 4,8 % mehr Lohn und Gehalt nicht mehr in die Landschaft, sagte Laepple, der vor wenigen Tagen bereits eine Nullrunde vorgeschlagen hatte.

Einer repräsentativen Umfrage des DRV unter deutschen Reisebüros zu Folge beurteilen gut 42 % ihre Lage auch nach den Anschlägen immer noch als gut, nur knapp 15 % als schlecht. Die sei deutlich besser als dass vom ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima in der gewerblichen Wirtschaft, das einen deutlich negativeren Wert ausweise, sagte Laepple. Zugleich sehen mehr als zwei Drittel der befragten Reisebüros die Verunsicherung der Verbraucher nach den Anschlägen als die größte Gefahr für ihre wirtschaftliche Situation an.

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