Branchenverband will anlegerfreundliche Verhaltensregeln durchsetzen
Immobilienfonds bieten bald mehr Transparenz

Der Verband Geschlossener Immobilienfonds will durch einen einheitlichen Prospektaufbau Angebotsvergleiche erleichtern. Mitgliedern, die auf dem Weg zu mehr Anlegerschutz nicht folgen, droht der Verbandsausschluss.

DÜSSELDORF. Der Verband Geschlossener Immobilienfonds (VGI) steht kurz vor der Verabschiedung seiner Prospekt-Mindeststandards, die den Vergleich von Angeboten erleichtern sollen (s. Kasten). Mitte März erfolgt die Abstimmung mit dem Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) - das IdW selbst hat die Richtlinie "S4", einen Leitfaden für Wirtschaftsprüfer zur Prüfung von Anlageprospekten geschlossener Fonds, herausgegeben.

Der VGI-Branchenstandard orientiert sich an der IdW-Richtlinie. Beide haben das Ziel, Angaben in Beteiligungsprospekten zu vereinheitlichen, so dass Fondszeichner Angebote leichter vergleichen können. Gesetzescharakter haben beide Standards nicht. Ihre Einhaltung schließt weder Betrug noch die Insolvenz des Fonds aus, mindert aber das Risiko eines Reinfalls für den Fondszeichner.

"Wer sich nicht an die VGI-Standards hält, den schließen wir aus", sagt VGI-Geschäftsführer Carsten Lucht. Die Einhaltung werde durch den VGI-Geschäftsführer auf der Grundlage von Prospekt-Prüfungsgutachten überwacht, ergänzt Claus Hermuth, stellvertretender Vorsitzender des VGI und Vorstand des Anbieters DCM AG in München.

Ein Mitglied ist dem Ausschluss möglicherweise zuvorgekommen: die Fundus Fonds-Verwaltungen GmbH in Köln. Fundus werde der Neugründung des VGI außerhalb des Dachverbandes Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. (BFW) nicht beitreten, sagt Fundus-Sprecher Peter Clever. Man sehe in der Trennung des VGI vom BFW eine Schwächung der Interessenvertretung der Immobilienwirtschaft. Der VGI braucht die Selbstständigkeit als eingetragener Verein, um unabhängig vom BFW zu Expertenanhörungen im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren eingeladen zu werden.

Ein Blick auf die Standards lässt andere Gründe für den Quasi-Austritt von Fundus vermuten. Denn der VGI kann die Fundus-Auffassung von Leistungsbilanzen wohl kaum tolerieren. Leistungsbilanzen sagen aus, wie erfolgreich in der Vergangenheit aufgelegte Anlageprodukte eines Initiators sind. Sie sind ein zentrales Element des Branchenstandards.

Fundus will nur die Ergebnisse der "Premiumimmobilien"-Fonds, wozu etwa das "Hotel Adlon" gehört, zeigen, weil man nur noch in diesem Segment tätig ist. Die Leistungsbilanz soll für die Allgemeinheit nicht zugänglich sein, sondern nur Investoren vorgelegt werden. In den VGI-Standards steht aber klar, dass ein Fondsinitiator "eine aussagekräftige und vollständige Leistungsbilanz" über frühere Anlageprodukte abgeben muss. In eine vollständige Leistungsbilanz gehören auch die Ostdeutschland-Fonds. Deren Ergebnisse zeigt kein Anbieter gerne, weil die Mieteinnahmen und damit die Ausschüttungen häufig weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind.

"Wir halten uns bei der Prospektierung an den IDW Standard S4", beteuert Clever. Er verlangt nur für "vergleichbare Kapitalanlagen in einer repräsentativen Phase der jüngeren Vergangenheit" eine Leistungsbilanz. Eine schwammige Formulierung, die es Fundus leichter macht, sie einzuhalten.

Jagdfelds Kölner Kollege Herbert Ebertz, als geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Ebertz & Partner oHG auch im VGI, will dagegen beim Branchenstandard mitziehen. Oft für seine aus Analystensicht unvollständigen Prospekte und Angaben zur Vergangenheit gescholten, kündigt er an: "Wir werden eine modifizierte Leistungsbilanz erstellen." Von langen Zahlenkolonnen hält Ebertz nichts. Andererseits sieht er die Darstellung von Misserfolgen in Ostdeutschland pragmatisch: "Wenn die Ausschüttung gekürzt wurde, muss man halt gegebenenfalls reinschreiben: ?Einkaufcenter-Mieter insolvent?."

Ob die VGI-Vorgaben wirklich zum Vorteil der Anleger Branchenstandard werden, ist aus einem weiteren Grund fraglich. Die Fondsanbieter im VGI repräsentieren nämlich nur knapp ein Fünftel der Branche, wenn man zum Vergleich die jüngste Statistik des Analysten Stefan Loipfinger heranzieht.

Große Finanzvertriebe könnten zu heimlichen Verbündeten der Anleger werden. Götz Wenker, Sprecher der Deutschland-Geschäftsführung bei der AWD Holding, sagt: "Ein Produkt, das nicht mindestens dem VGI-Standard entspricht, wird in unser Produktportefeuille nicht aufgenommen." Und Reinhard Schutte, Vorstandsvorsitzender der Bonnfinanz, die wie AWD VGI-Mitglied ist, kündigt an: "Wir werden den VGI-Standard zum Maßstab unserer Produktprüfung machen. Wer ihn nicht einhält, dessen Angebote haben nur äußerst geringe Chancen, von uns verkauft zu werden."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%