Branchenweit Gewinnrückgänge – Konzerne werden skeptischer
Europas Chemiebranche spürt starken Gegenwind

Der Optimismus der Chemieindustrie vom Jahresanfang ist schwächer geworden, nachdem im ersten Quartal die Gewinne zum Teil recht stark zurückgegangen sind. Nach Einschätzung von Analysten zeigt sich, dass viele Konzerne erst im kommenden Jahr mit einem deutlichen Aufschwung rechnen.

DÜSSELDORF. Nach dem schwachen Start ins neue Jahr sind viele europäische Chemieunternehmen pessimistischer gegenüber der weiteren Entwicklung der Branchenkonjunktur geworden und haben ihre Ergebnisprognosen zum Teil reduziert. Dieser Trend zeigte sich in den vergangenen Tagen bei der Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal. Zwar wurde ein Gewinnrückgang allgemein erwartet - allein, weil im Vergleichszeitraum des Vorjahres die Chemiekonjunktur brummte. Doch hat die momentane Flaute in den USA und das schwächere Wachstum in Europa manche Unternehmen offenbar härter getroffen als erwartet.

Noch zu Jahresbeginn überwog in den Chefetagen der Chemie die Überzeugung, dass die Branche nach einem schwächeren ersten Halbjahr durch ein Erstarken der US-Wirtschaft wieder deutliches Wachstum erzielen werde. Jetzt sind die Firmen vorsichtiger: Die Leverkusener Bayer AG revidierte ihre Prognose vom März, dass der Konzern in diesem Jahr ein zweistelliges Wachstum des Gewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) erreichen werde und spricht nun von einstelligem Wachstum.

Der niederländische Konkurrent Akzo Nobel N.V. glaubt nach dem Rückgang im ersten Quartal nicht mehr, dass die geplante Steigerung des Nettogewinns im Gesamtjahr gelingt. Das Management von BASF, dem größten europäischen Chemiekonzern, hält die Prognosen zwar aufrecht, doch heißt es in Unternehmenskreisen, dass die Konjunkturlage in den USA nun skeptischer betrachtet werde als zuvor.

Unternehmen setzen auf bessere Chemiekonjunktur

"Die meisten Chemieunternehmen gehen davon aus, dass die Branchenkonjunktur erst 2002 merklich besser wird und nicht schon im zweiten Halbjahr", sagt Michael Vara, Analyst bei der Commerzbank. Christian Faitz, Analyst bei der Bank Julius Bär, rechnet damit, dass im zweiten Quartal zwar der Tiefpunkt der Chemiekonjunktur erreicht werden könnte. Doch ist er skeptisch, ob das zweite Halbjahr das erhoffte Wachstum bringt: "Die Zeichen in der US-Konjunktur zeigen noch nicht nach oben." Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Gewinnerwartungen für BASF und Bayer für dieses Jahr gesenkt, zugleich aber die Schätzungen für nächstes Jahr erhöht.

Im ersten Quartal spürten die Chemiekonzerne durchweg starken Gegenwind in den USA und mussten zum Teil heftige Gewinneinbußen hinnehmen. Durch Preiserhöhungen konnten die meisten Unternehmen zwar noch Umsatzzuwächse erzielen, doch die verkauften Mengen an Chemikalien stagnierten. Nach Berechnungen der Commerzbank wuchs das Produktionsvolumen in Europas Chemiebranche im ersten Quartal um durchschnittlich 0,3 %. Vor allem die Nachfrage aus wichtigen Abnehmerindustrien wie Automobil war rückläufig.

Entlastung durch sinkende Riohstoffkosten

Auf der Kostenseite können die Chemieunternehmen in den kommenden Monaten mit Entlastungen durch eine weitere Erhöhung der Verkaufspreise bei konstanten oder sinkenden Rohstoff-Einkaufspreisen rechnen, glauben Analysten und Unternehmen unisono. Grund ist die Stabilisierung des Ölpreises. Im ersten Quartal zeigte sich nicht nur bei Bayer und BASF, dass die Renditen in der Spezialchemie unter dem hohen Ölpreis litten. Aus Rohöl werden Vorprodukte etwa für Kunststoffe hergestellt.

Auf sinkende Rohstoffkosten hoffen auch US-Chemiekonzerne wie Du Pont und Dow Chemical, die nicht nur von der heimischen Konjunkturschwäche wesentlich stärker als die Europäer betroffen sind, sondern auch von dem anhaltend hohen Erdgaspreis in den Vereinigten Staaten. Bei Dow Chemical hat Kostensenkung oberste Priorität: Der Konzern will 4 500 Jobs streichen, um nach der Übernahme des Konkurrenten Union Carbide eine bessere Rendite zu präsentieren.

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