Brandanschlag - Über 130 Tote in Südkorea: Geisteskranker löst Inferno in U-Bahn aus

Brandanschlag - Über 130 Tote in Südkorea
Geisteskranker löst Inferno in U-Bahn aus

Ein vermutlich Geisteskranker hat am Dienstag während des Berufsverkehrs einen verheerenden Brandanschlag auf eine U-Bahn in Südkorea verübt. Mehr als 120 Menschen ums Leben. Viele Passagiere wurden noch Stunden später vermisst, so dass die Angaben zur Zahl der Toten noch sehr schwankten.

Reuters TAEGU. Nach Angaben von Augenzeugen hatte ein 56-jähriger Mann, der früher schon in psychiatrischer Behandlung gewesen war, in einer U-Bahn-Station eine entflammbare Flüssigkeit in einer Milchtüte angezündet und in einen Wagen geschleudert. Ein zweiter Zug fuhr fast zeitgleich mit dem Anschlag in die mit Rauchschwaden gefüllte Station ein. Die beiden Züge hatten bis zu 400 Menschen an Bord. Der mutmaßliche Attentäter wurde festgenommen.

Zum Unfallzeitpunkt herrschte noch reger morgendlicher Berufsverkehr. Daher war auch Stunden nach dem Anschlag nicht klar, wie viele Menschen ums Leben kamen. Der Feuerwehrchef von Taegu sagte, mehr als 70 unidentifizierte verkohlte Leichen lägen in den ausgebrannten Waggons. Krankenhausvertreter sprachen von 49 Toten. Die Identifizierung der Leichen war auf Grund der Verbrennungen nur sehr schwer möglich.

Mitglieder von Rettungsmannschaften und Augenzeugen sprachen von einem Inferno in der Station Joongangro. Die Menschen hätten kaum eine Chance gehabt den schnell um sich greifenden Flammen zu entkommen. Ein Mann, dessen Frau in den Wagen eingeschlossen war, sagte im Fernsehen, seine Frau habe ihn über Handy angerufen. "Hilf mir", habe sie geschrien. "Es gibt ein Feuer in der U-Bahn, die Tür ist verschlossen". Auch andere Angehörige berichteten von verzweifelten Telefonanrufen. "Meine Tochter hat mich zweimal um 09.57 Uhr angerufen und geweint, "Mutter, überall ist Rauch, aber die Türen gehen nicht auf'", berichtete eine Frau. Ein Feuerwehrmann sagte: "Man kann die Leute (in den Zügen) nicht erkennen. Alles ist schwarz und grau." Einer der Helfer sagte, wenn man in einem geschlossenen Raum eine entflammbare Flüssigkeit wie etwa Benzin anzünde, sei das fast wie eine Explosion. Die Waggons verbrannten fast vollständig.

Die Hitze war so groß, dass Teile der insgesamt zwölf Waggons schmolzen.

Die Stadt Taegu, die drittgrößte Südkoreas und einer der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr, liegt im Südosten des Landes und hat nur eine U-Bahn-Linie. Eine zweite Linie befindet sich in Bau. Bei einer Gasexplosion 1995 waren in der U-Bahn über 100 Menschen getötet und 100 verletzt worden.

Noch Stunden nach dem Anschlag drangen dichte Rauchwolken aus den Lüftungsschächten der U-Bahn. Rettungskräfte in orange-farbenen Schutzanzügen und Atemgeräten bargen Tote und Verletzte. In den Krankenhäusern der Stadt wurden viele Verletzte mit Rauchvergiftungen behandelt. Telefongesellschaften halfen den Menschen, mit Hilfe von Mobilfunksignalen ihre Angehörigen ausfindig zu machen, von denen sie nicht wussten, ob sie am Morgen in den betroffenen Zügen waren.

Südkoreas scheidender Präsident Kim Dae Jung sandte Beileidsschreiben an die Angehörigen. Bundesaußenminister Joschka Fischer übermittelte seinem südkoreanischem Kollegen Choi Sung Hong die Anteilnahme Deutschlands. "Mit großer Betroffenheit verfolgen wir in Deutschland die furchtbaren Nachrichten von dem Brandanschlag auf eine U-Bahn in der Stadt Daegu, der so viele Todesopfer gefordert hat. Wir fühlen mit der koreanischen Bevölkerung in ihrem Schock und ihrer Trauer", heißt es in dem Schreiben Fischers.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%