Brandbekämpfung oft zu gefährlich
„Colorado ist ein Pulverfass“

Die Anspannung unter den erschöpften Mitarbeitern der Brand-Einsatzzentrale "Castle Rock", kaum 15 Meilen von der schwersten Feuersbrunst in Colorado entfernt, hat sich ein wenig gelegt. Erstmals seit Ausbruch des Feuerinfernos vor rund einer Woche herrschen kühlere Temperaturen und abgeschwächte Winde.

dpa DENVER. Deshalb kann Sergeant Attila Denes seit Donnerstag etwas aufatmen: "Das hängt ganz vom Wetter ab", sagt er.

Hunderte von Helfern konnten an die Brandfront abkommandiert werden, um dort Feuerschneisen zu schlagen, Unterholz auszudünnen und Gegenfeuer zu zünden. Vor wenigen Tagen, als die Flammen vollkommen außer Kontrolle waren, war das noch zu gefährlich. Doch trotz des Hoffnungsschimmers ist die Prognose für Colorado schlecht. Das Feuer sei erst zu fünf Prozent unter Kontrolle und eine Eindämmung könne noch Monate dauern, sagt Denes.

"Colorado ist ein Pulverfass", meint sein Kollege Joe Calwell von der Nationalen Zentrale für Brandbekämpfung. Nach einer mehrjährigen Dürre sei die Vegetation so ausgetrocknet, dass die Pflanzen und Bäume beim Übergreifen der Funken fast explodierten. Außerdem seien Gebüsch und Unterholz so dicht, dass die Feuer "Brennstoff ohne Ende" hätten.

Die Wälder in weiten Teilen der USA werden nach einer seit einiger Zeit geltenden Richtlinie der Regierung sich selbst überlassen, Feuer aber immer sofort gelöscht. Neuerdings geht der Trend in eine regelmäßige Ausdünnung des Bestandes und in das Zünden kontrollierter Brände. Für viele Gebiete kommt das aber zu spät. Dem Feuer den Krieg zu erklären, sei gar nicht so einfach, meint Calwell. In den vergangenen Tagen konnten die Löschflugzeuge wegen dichtem Rauch und heftigen Winden oftmals nicht eingesetzt werden. Bei großen Feuern entsteht eine eigene Wind-Dynamik mit extrem starken Böen.

"Wir wollen das Leben unserer Leute nicht aufs Spiel setzen", verteidigt Calwell den vorsichtigen Einsatz von Bodenhelfern in den Gefahrenzonen. In den ersten Tagen habe die Feuerwehr die Brandbekämpfer von der schnell heranrückenden Feuerfront abgezogen. Nach dem Tod von 14 Feuerwehrleuten in Colorado im Sommer 1994 wurden die Sicherheitsauflagen verschärft. Die Mannschaft hatte in einem unzugänglichen Waldgebiet bei Glenwood Springs ein Feuer bekämpft, als die Winde plötzlich umschlugen und die Flammen den Fluchtweg abschnitten. Der Einsatzzentrale wurde damals angelastet, die gefährliche Situation nicht frühzeitig erkannt zu haben.

Am Freitag waren mehr als 1500 Feuerwehleute im Einsatz, viele aus anderen Teilen der USA. Tausende mehr könnten bei einer Verschlimmerung der Lage angefordert werden. Die Kosten für den Kampf gegen die Flammen wurde schon nach fünf Tagen mit 28 Millionen Dollar (29,7 Millionen Euro) beziffert. "Unsere Mittel sind begrenzt", warnt Sergeant Denes, "doch die logistischen Probleme der Löscharbeiten sind grenzenlos."

Der am Donnerstag veröffentlichte Dürre-Bericht der US-Behörde für Meeres- und Klimaschutz (NOAA) macht wenig Hoffnung auf eine Entschärfung der Lage. Bis zum September sollen westliche Staaten wie Colorado, Kalifornien und New Mexico weiterhin bei großer Sommerhitze schwitzen. Joe Calwell macht sich auf eine lange Feuersaison gefasst. "Dieses Feuer ist so groß und so heiß, dass die letzten glimmenden "Hot Spots" im Boden erst bei Wintereinbruch vom Schnee gelöscht werden."

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