Archiv
Brasilianer kämpferisch vor „Treffen unter Freunden“

„Gegen Deutschland geht es immer um Alles - so wie beim Finale 2002 in Japan.“ Torjäger Ronaldo konnte sich im Berliner Olympiastadion ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.

dpa BERLIN. "Gegen Deutschland geht es immer um Alles - so wie beim Finale 2002 in Japan." Torjäger Ronaldo konnte sich im Berliner Olympiastadion ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.

Vor dem Fußball-Freundschaftsspiel gegen Deutschland gab sich der Superstar vor rund 100 Journalisten kämpferisch. Der frisch verliebte Ausnahme-Kicker von Real Madrid bekam von Trainer Carlos Alberto Parreira nach dem 3:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Bolivien einen Sonderurlaub - und feierte in Rio de Janeiro schnell Verlobung mit TV-Moderatorin Daniela Cicarelli. "Er hat uns die Ringe gezeigt, das ist eine zusätzliche Motivation für das Spiel gegen Deutschland", erklärte der Brasilien-Coach nach dem Abschlusstraining in Berlin.

Parreira kündigte an, bei der WM-Final-"Revanche" mit allen Stars zu beginnen, die ihm zur Verfügung stehen. "Ronaldo und Adriano passen sehr gut zusammen. Wir wollen die Deutschen einschüchtern", sagte der Trainer. Von Müdigkeit war bei Top-Angreifer Ronaldo, der erst am Tag vor dem Spiel in Berlin gelandet war, nichts zu spüren. "Ein Spiel gegen Brasilien kann bei einer Mannschaft wie Deutschland die Kampflust wecken", meinte der 27-Jährige, der in bisher 81 Länderspielen 57 Tore erzielt hat.

Auch Trainer Carlos Alberto Parreira konnte sich vor dem ersten Training der Brasilianer im rundum renovierten Stadion eine Stichelei in Richtung Kahn & Co. nicht verkneifen. "Bei einer solchen Begegnung steht immer das Prestige auf dem Spiel - wie zuletzt vor zwei Jahren", erinnerte er an das 2:0 durch zwei Ronaldo-Tore entschiedene WM-Endspiel 2002. Doch dann stimmte der Coach versöhnliche Töne an; er will das ausverkaufte Duell nur als "Treffen unter Freunden" verstanden wissen. Herzlich begrüßte er 27 Stunden vor dem Anpfiff seinen Kollegen Jürgen Klinsmann, mit dem ihn eine Freundschaft verbindet.

"Mit acht WM-Titeln für beide Mannschaften ist schon fast alles gesagt", wies Parreira auf den Stellenwert der Partie hin. Besondere Bewunderung zollte Parreira dem deutschen Torhüter Oliver Kahn: "Er hat eine starke Persönlichkeit. Das gefällt mir. Brasilien wird aber dafür sorgen, dass sein Tor diesmal nicht sauber bleibt."

Roberto Carlos hat die jüngste Entwicklung im DFB-Team nach dem Rücktritt von Rudi Völler aufmerksam verfolgt. "Deutschland hat sein Spielsystem geändert unter dem neuen Trainer Klinsmann. Darauf müssen wir uns konzentrieren", sagte der 106-malige Nationalspieler, der von rund 500 Landsleuten beim Training lautstark gefeiert wurde. Die Brasilianer sind mit mächtigem Rückwind nach Berlin geflogen, mit dem Erfolg gegen Bolivien steht der fünfmalige Weltmeister wieder an die Spitze der WM-Südamerika-Gruppe.

"Ich war noch nervöser, als vor der WM 2004", gab Ronaldo nach der Verlobungsfeier zu. Das neue Paar will sich am 2. Januar 2005 das Ja-Wort geben. "Ich schwebe auf Wolke sieben", gestand Ronaldo und gab seinen Gefühlen freien Lauf.

In der Heimat werden die "pentacampeoes" zur Zeit von einer Welle der Sympathie getragen. Dazu hat nicht nur der Sieg über den Erzrivalen Argentinien auf dem Weg zur WM 2006 verholfen. Auch das "Friedensspiel", das die Nationalelf im Regierungsauftrag im karibischen Krisenstaat Haiti absolvierte, wurde von den Landsleuten begeistert verfolgt. "Es ist unser Dream Team", schrieb die Zeitung "Jornal do Brasil" stolz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%