Brasilianer leiben Bier aus eigener Produktion
Ambev weist Heineken in die Schranken

Vor drei Jahren fusionierten die beiden größten brasilianischen Brauereien Brahma und Antartica zur American Beverages (Ambev). Inzwischen ist der fünftgrößte Brauer der Welt weiter gewachsen: Da dem Konzern in Brasilien nach dem Kartellrecht nicht mehr als der derzeitige 70 % Marktanteil erlaubt ist, hat sich Ambev jenseits der Grenzen umgesehen.

SAO PAULO. Vor einem Jahr kaufte Ambev 36 % der Anteile an der argentinischen Brauereigruppe Quinsa (Quilmes Industrial S.A.). In sechs Jahren kann Ambev Quilmes vollständig übernehmen. Mit der Fusion ist der brasilianische Konzern in allen wichtigen Märkten Südamerikas vertreten.

Ambev-Quilmes ist Marktführer im südlichen Teil des Kontinents und besitzt eine eigene Brauerei in Venezuela. Ambev dominiert Brasilien, den mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt in Lateinamerika und nach den USA, China und Deutschland der viertwichtigste Biermarkt der Welt. Nun will Ambev auch Zentralamerika erobern: In Guatemala bauen die Brasilianer zusammen mit Pepsico eine weitere Brauerei mit einer Kapazität von 1 Mill. Hektoliter und wollen von dort den Markt Zentralamerikas und der Karibik aufrollen.

Ambev ist der größte und fast der einzige Braukonzern in Südamerika, dem es bisher gelungen ist, über die Landesgrenzen hinaus eine regionale Präsenz aufzubauen. Auf kleinerem Niveau konnte die kolumbianische Bavaria-Gruppe in Peru beim Monopolisten Backus & Johnston Fuß fassen und die Mehrheit übernehmen. Der kolumbianische Konzern dominiert neben seinem Heimatmarkt auch weitere Biermärkte in Ecuador und Panama und will nun über Peru auch nach Bolivien expandieren.

Während die beiden südamerikanischen Brauereien über ihre Grenzen hinaus wachsen, haben die internationalen Brauereikonzerne das Nachsehen. Das gilt sowohl für Anheuser-Busch als auch Heineken, denen der Einstieg in Südamerika nicht richtig gelingt: Bei Quilmes in Argentinien hatte der holländische Konzern das Nachsehen und wurde von Ambev aus seiner 15 %-Beteiligung herausgekegelt. Auch vom brasilianischen Konkurrenten Kaiser blieb Heineken nur eine Minderheitsbeteiligung (20 %) beim kanadischen Konzern Molson übrig, der sich die Nummer Zwei in Brasilien sicherte.

Anheuser-Busch dagegen verlor nach der Ambev-Fusion seinen Verteiler in Brasilien. Beim Übernahmekampf um die chilenische Companía Cervecerías Unidas (CCU), die 90 % Marktanteil im Andenland besitzt, kommen sich inzwischen Heineken und Anheuser-Busch in die Quere. Eigentlich wollten sie gemeinsam den Biermarkt Lateinamerikas in Angriff nehmen, wie es der jetzige Heineken-Chef Thony Ruys noch 2001 erklärte. Die Holländer haben nach dem Joint-Venture (Brau Holding International) mit der Schörghuber-Gruppe, deren 50 %-Anteil an dem chilenischen Braukonzern übernommen und damit dem Konkurrenten Anheuser-Busch, der ebenfalls 20 % an CCU hielt, die Grundlage für die weitere Expansion genommen.

"Unser Eindruck ist, dass Anheuser-Busch sein Potenzial für eine Expansion in Südamerika verloren hat und beim Fusionsprozess in der Region keine Rolle mehr spielen wird", sagte Cristián Moreno, Analyst von Santander Investment in Santiago. Aber auch Heinekens Strategie, durch Minderheits-Beteiligungen die eigene Marke lokal zu produzieren, muss sich erst noch beweisen. Denn anders als sonst weltweit, spielen Importbiere und-marken in Südamerika kaum eine Rolle. "Lokale Marken dominieren hier die Märkte", sagt José Manuel Juanatey, Generalsekretär des lateinamerikanischen Bierbrauerverbands Alaface.

Trotz der Expansion in Lateinamerika vernachlässigt Ambev jedoch seinen Heimatmarkt nicht, wo der Konzern mit Kapazitäten für 100 Mill. Hektoliter Bier und Softdrinks, 95 % seines Umsatzes macht: Letztes Jahr konnte der Konzern trotz wirtschaftlicher Stagnation seinen Gewinn in Brasilien massiv (plus 40 %) steigern. Nur Banken verdienen mehr in Brasilien. Die Analysten sind begeistert: "Das Schöne an Ambev ist, dass die jetzt schon weltweit am profitabelsten arbeiten", freut sich Carlos Laboy, Bierexperte von Bear Stearns. Dabei hätten sie noch nicht mal begonnen, in ihrer Zuliefererkette aufzuräumen oder im Premiumsegment zu wachsen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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