Brasilianerin für immer gesperrt
WM: Auffälligkeiten bei elf EPO-Tests

Das Thema Doping könnte bei der Leichtathletik- Weltmeisterschaft in Edmonton eine neue Dimension bekommen. Von den rund 50 Kontrollen auf das Blutdopingmittel Erythropoeitin (EPO), die erstmals bei Trainingstest bei einer WM durchgeführt wurden, weisen zehn bis elf Auffälligkeiten auf.

dpa EDMONTON. Dies bestätigte der Weltverband IAAF am Dienstagabend (Ortszeit). «Wir haben bisher nur die Blutproben gemacht. Man kann nicht von einem Verdacht sprechen, dies wäre falsch», erklärte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai. Die Befunde seien aber so, dass Urinproben im Labor von Lausanne veranlasst wurden, «damit keiner vorbei kommt». Beim Aufspüren von EPO-Vergehen wird momentan noch eine Kombination aus Blut- und Urintest eingesetzt. Die Analyse der bei der WM genommen Proben wird etwa drei Tage dauern.

Unterdessen wurden zwei Läuferinnen in Edmonton gestoppt, die vor der WM positiv getestet worden waren. Als Wiederholungstäterin entlarvten die Kontrolleure die Brasilianerin Fabiane dos Santos, die nach dem Grand-Prix-Meeting am 6. Mai mit verbotenem Testosteron im Körper erwischt wurde. Da die 25-jährige 800-m-Läuferin bereits 1995 bei den brasilianischen Meisterschaften positiv kontrolliert wurde und bis 1997 gesperrt war, wird sie nun lebenslang von Wettkämpfen verbannt. Dos Santos zählte zu den Favoriten im 800-m-Titelkampf, der am Donnerstag mit den Vorläufen beginnt. Sie hat mit 1:57,16 Minuten die zweitschnellste Zeit in diesem Jahr gelaufen. «Es gibt also einen lieben Gott und Gerechtigkeit auf der Welt», kommentierte die Olympia-Zweite aus der Schweiz, Stephanie Graf, den Fall.

Ein Schock löste bei den WM-Organisatoren wenige Stunden zuvor die Nachricht aus, dass die kanadische Sprinterin und WM-Starterin Venolyn Clarke (34) vor den Titelkämpfen bei einer Trainingskontrolle ertappt wurde. Bei dem Test am 31. Juli in Calgary wurde in der A- Probe das anabole Steroid Stanolozol entdeckt, das einst auch ihr Landsmann Ben Johnson eingenommen hat. Er hatte bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul für den bisher größten Doping-Skandal gesorgt.

Bei der WM in Edmonton wurden nach IAAF-Angaben bis zum Dienstag 130 Wettkampf-Kontrollen durchgeführt. Weiter 49 Athleten sind zu Trainingstest gebeten worden; 39 davon waren Kontrollen auf das Blutdopingmittel EPO.

Kritik übte der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) Clemens Prokop an der Vorgehensweise der IAAF im Fall der russischen Läuferin Olga Jegorowa, die am 6. Juli beim Golden-League- Meeting in Paris bei einem EPO-Test in der A-Analyse positiv getestet wurde. Der Weltverband hatte jedoch eine zunächst ausgesprochene Suspendierung aufgehoben, da das Testverfahren der Franzosen noch nicht anerkannt war. «Die IAAF hat vorschnell aufgegeben», meinte der Kelheimer Amtsrichter. Schließlich gebe es die Regel, wonach alle Verfahrensverstöße, die sich nicht auf das Ergebnis der Analyse auswirken, unbedeutend seien. Die 29-jährige Athletin will an diesem Donnerstag beim 5000-m-Vorlauf in Edmonton an den Start gehen. Noch keine Entscheidung hat die Rumänin Gabriela Szabo nach ihrem WM-Sieg am Dienstag über 1500 m getroffen, ob sie wie angekündigt das Rennen über fünf Kilometer tatsächlich wegen Jegorowa boykottiert.

Keine Neuigkeiten hat die IAAF bislang vom Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, nach seinem Besuch beim amerikanischen Nationalen Olympischen Komitee (USOC) Anfang der Woche in Colorado Springs erhalten. Der Belgier wollte Aufklärung über den Fall eines US-Athleten verlangen, der trotz eines positiven Doping-Tests an den Olympischen Spielen in Sydney teilgenommen und offenbar sogar eine Medaille gewonnen hat. «Wir haben noch nichts gehört, die Amerikaner mauern wohl weiter», berichtete Prokop, der der Anti-Doping-Kommission der IAAF angehört.

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