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Brasilianische Bauern protestieren gegen die schleppende Umsetzung der Agrarreform

Aus Protest gegen die schleppende Umsetzung der Agrarreform haben rund 600 landlose brasilianische Bauern am Dienstag versucht, ein Landgut von Staatspräsident Fernando Enrique Cardoso zu besetzen.

afp RIO DE JANEIRO. Nach Polizeiangaben hinderten Polizisten und Soldaten die Bauern am Zutritt auf das Gelände in Buritis im ostbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Einer der Anführer sagte, die Landlosen wollten das Gebiet um die Hacienda so lange belagern, bis die Regierung Gelder für die Aussaat freigebe. Auf der 1300 Hektar umfassenden Hacienda betreibt Cardoso Viehzucht und den Anbau von Soja. Der Gouverneur von Minas Gerais und frühere Staatschef Itamar Franco forderte Cardoso auf, den Soldaten innerhalb von zwölf Stunden den Abzug von seiner Hacienda zu befehlen.

Die Landlosen hatten am Montag mit ihren Protestaktionen begonnen und Ländereien in neun Bundesstaaten besetzt. Wie die Landlosenbewegung MST mitteilte, wollen die Bauern mit der Aktion auf eine schnelle Umsetzung der Agrarreform dringen. Den Angaben der Bauern zufolge profitierten in diesem Jahr erst 14.000 Familien von den Verstaatlichungen. Dabei sollten es bis zum Jahresende eigentlich 75.000 Familien sein. Das für die Agrarreform zuständige Ministerium bestritt dies. Bisher seien 51.000 Familien auf enteigneten Landgütern angesiedelt worden. Der für die Agrarreform zuständige Minister Raúl Jungmann drohte Landlosen, die sich an den Aktionen beteiligen, mit der Aussetzung ihrer Kredite.

Gouverneur Franco machte den Präsidenten direkt für mögliche Opfer gewaltsamer Auseinandersetzungen verantwortlich. Nach Einschätzung der Militärpolizei bestehe keine Notwendigkeit, die Farm von Soldaten schützen zu lassen.

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