Brasilien bangt um WM-Rekord
Vier gegen Kahn

Vier gegen Oliver Kahn. Brasilien setzt im Finale der 17. Fußball-Weltmeisterschaft gegen Deutschland vor allem auf seine "vier Musketiere" Rivaldo, Ronaldo, Ronaldinho und Roberto Carlos. Das durch die Rückkehr des im Halbfinale gesperrten Ronaldinho wieder komplette Quartett von Top-Spielern soll dem in sechs WM-Spielen nur einmal bezwungenen deutschen Weltklasse-Keeper am Sonntag (13.00 Uhr) im Stadion von Yokohama kräftig einheizen und die "Selecao" zum fünften Titel führen.

dpa YOKOHAMA/JAPAN. "Deutschland hat nur Kahn, Brasilien aber gleich vier Weltklasse- Spieler, die von den Deutschen ausgeschaltet werden müssen. Deshalb ist für mich Brasilien auch favorisiert", prognostiziert Brasiliens ehemaliger WM-Coach Carlos Alberto Parreira, der die "Selecao" 1994 im Rose Bowl-Stadion von Pasadena im Elfmeterschießen (3:2) gegen Italien zum vierten Titel geführt hatte. Die Brasilianer wollen einen deutschen WM-Triumph schon deshalb verhindern, weil sie auch um das Prädikat des "Rekord-Weltmeisters" bangen. Denn von Pele bis Tostao, den Weltmeistern von 1970, sind die Südamerikaner davon überzeugt, dass den Deutschen im eigenen Land in vier Jahren den Titel niemand streitig machen wird.

Trainer Luiz Felipe Scolari beschäftigte sich drei Tage vor dem "Traumfinale" nicht mit derartiger Zukunftsmusik. Er denkt voller Vorfreude nur an das Endspiel, in dem er "das ganze brasilianische Volk glücklich machen" will. "Das wäre fantastisch, denn es würde zeigen, dass Brasilianer Schwierigkeiten überwinden können, nicht nur im Fußball", meinte Scolari am Donnerstagabend vor Journalisten. Aber auch die Deutschen könnten Schwierigkeiten gut meistern, wie ihre späte WM-Qualifikation bewiesen habe.

"Ich erwarte ein großes historisches Spiel, das völlig ausgeglichen ist. Die Chancen stehen 50:50", tippte Scolari, der großen Respekt vor den "traditionell starken Deutschen" hat. "Sie sind sehr gut organisiert, spielen kühl kalkulierend und sind vor allem gefährlich bei hohen Bällen", sagte Scolari, der sich von seinem Leverkusener Abwehrspieler Lucio wertvolle Tipps über die deutschen Spieler geben ließ.

Dass sich der brasilianische Verband (CBD) gegen die Nominierung des italienischen Final-Schiedsrichters Pierluigi Collina gesträubt habe, verwies Scolari in den Bereich der Fabel: "Er ist einer der besten Schiedsrichter der Welt. Der Verband ist zufrieden, ich bin zufrieden, und die Spieler sind es auch." Die Gerüchte waren wegen Collinas Bindung an den Ausrüster adidas aufgekommen - Brasilien hat dessen großen Konkurrenten Nike als Hauptsponsor.

Um sich auf das Finale konzentriert vorzubereiten, haben die am frühen Donnerstagmorgen per Bus aus Saitama angereisten Brasilianer in Yokohama eine Art "Festung" bezogen. In dem riesigen, futuristisch anmutenden Luxus-Hotel "Prince" mit 441 Zimmern, hoch oben auf einem bewaldeten Felshügel thronend, ging es weit ruhiger zu als in den bisherigen Quartieren der Südamerikaner. Die Spieler hatten sich entweder auf ihre feudalen Zimmer begeben oder entspannten sich im Pool.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%