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Brasilien gewinnt «Copa America» und dankt Gott

Lima (dpa) - Der Fußball-Weltmeister feierte seine Auferstehung. Brasilien gewann die Südamerika-Meisterschaft in Peru in einem spektakulären Finale gegen den Erzrivalen Argentinien 4:2 im Elfmeterschießen, nachdem das Team schon geschlagen schien.

Lima (dpa) - Der Fußball-Weltmeister feierte seine Auferstehung. Brasilien gewann die Südamerika-Meisterschaft in Peru in einem spektakulären Finale gegen den Erzrivalen Argentinien 4:2 im Elfmeterschießen, nachdem das Team schon geschlagen schien.

Sekunden vor Abpfiff der regulären Spielzeit lag die «Selecao» 1:2 zurück und wurde regelrecht vorgeführt. Die «Gaucho»-Fans und-Spieler feierten schon den Titelgewinn. Und daheim meinte der frühere Weltstar Falcao im Fernsehen voreilig: «Unser Team ist tot. Der Titel der Argentinier ist verdient. Sie waren klar besser und torgefährlicher».

Doch dann hämmerte Turnier-Torschützenkönig Adriano vor 45 000 Zuschauern im Estadio Nacional in Lima einen Abpraller mit links ins Netz. Das 2:2 bedeutete Elfmeterschießen im ersten «Giganten»-Finale beider Teams in der 88-jährigen Turnier-Historie. «Da hatte Gott die Hand im Spiel, und ich muss ihm dafür danken», meinte der Stürmer von Inter Mailand dankend mit Blick gen Himmel.

Die Rivalität zwischen beiden Widersachern, die vor allem von den Medien gern angeheizt wird, wurde kurz vor Spielende deutlich, als gegenseitige Provokationen fast zu einer Schlägerei führten. Schieds- und Linienrichter sowie Polizisten konnten nur mit größter Mühe die Gemüter vor dem Elfmeterschießen beruhigen. Der sonst stets besonnen auftretende brasilianische Coach Carlos Alberto Parreira verbarg seine Schadenfreude nach dem Spiel nicht: «Die Argentinier wollten uns auf dem Feld mit Mätzchen demütigen. Wir haben ihnen gezeigt, dass man mit dem brasilianischen Fußball nicht ungestraft herumspielt». Nach dem Spiel jubelten TV-Moderatoren in Brasilien ähnlich wie Faustao: «Wir haben die argentinische Arroganz besiegt».

Christian Gonzalez hatte die über weite Strecken technisch besser und überlegen agierenden Argentinier (20./Foulelfmeter) in Führung gebracht. Luisao (45.) köpfte das 1:1. Nach der erneuten «Gaucho»-Führung durch César Delgado (87.) folgte Adrianos großer Auftritt. Argentinien wurde vor allem von Carlos Tevez angetrieben.

Mit dem fast kompletten «Copa»-Team fliegen die Argentinier nun zu den Olympischen Spielen. Der in Buenos Aires nach dem WM-Debakel von 2002 heftig kritisierte Coach Marcelo Bielsa muss wohl in Athen Gold holen, um im Amt bleiben zu können. Der zweimalige Weltmeister Argentinien blickt inzwischen auf elf Jahre ohne einen wichtigen Titel zurück. Zuletzt gewann man die «Copa» 1993. Bielsa verstand derweil die Welt nicht mehr: «Wir waren doch unendlich überlegen».

Brasilien, das bei der 41. «Copa» ohne die Superstars um Ronaldo, Ronaldinho, Kaka, Cafu und Roberto Carlos antrat, kann ruhiger in die Zukunft blicken. Neben Sturmtank Adriano, der in sechs Partien sieben Tore schoss, empfahlen sich in Peru zwei Bundesliga-Legionäre für Stammplätze: Leverkusens Verteidiger Juan und Außenläufer Gustavo Nery, Neuerwerbung von Meister Werder Bremen. «Beide haben sehr viel Persönlichkeit gezeigt», meinte Ex-Nationalspieler Casagrande lobend.

Wie im Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Uruguay avancierte erneut Torhüter Julio Cesar zum «Mann des Abends». Er parierte den ersten, vom Wolfsburger Andrés D'Alessandro getretenen Elfmeter. Da der zweite argentinische Schütze, Gabriel Heinze, über das Tor schoss und alle vier Brasilianer ins Netz trafen, war die Entscheidung eine klare Sache. Der entscheidende Elfmeterschuss zum siebten Copa-Titel der Brasilianer blieb Juan vorbehalten. Argentinien und der Copa-Dritte Uruguay bleiben jedoch mit je 14 Titeln Rekordsieger des seit 1916 ausgetragenen, ältesten Turniers der Welt.

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