Brasiliens Kampf mit den Medien
Obszöne Gesten und geklaute Kameras

Mit seinen Gegnern auf dem Fußball-Platz hatte Brasilien bei der Weltmeisterschaft bisher wenig Probleme. Größere Mühe haben die Ballartisten aus Südamerika in Südkorea dagegen mit der "engen Manndeckung" des aus der Heimat angereisten Journalisten-Heeres. Zu einem Eklat wäre es beinahe gekommen, als Trainer Luiz Scolari bei einem Pressetermin in Ulsan den brasilianischen Fotografen einer internationalen Nachrichtenagentur übel beschimpfte und mit obszönen Handbewegungen beleidigte.

dpa ULSAN. Der 53-jährige Coach, der daheim in Brasilien schon einmal einem Journalisten in das verlängerte Rückgrat getreten trat, wollte einfach nicht in dem Bus abgebildet werden, der seine Mannschaft zum Trainingsplatz in der südkoreanischen Stadt bringen sollte. "Die Übersetzerin hatte sich an meine Seite gesetzt, und sie war sehr hübsch", erklärte er - halb im Ernst, halb ironisch- seine Reaktion.

Tags zuvor war nach Angaben brasilianischer Medien Stürmerstar Ronaldo unangenehm aufgefallen. Er nahm einem brasilianischen Zeitschriften-Journalisten bei der Mannschaftsfeier in einer Bar auf der Insel Jeju nach dem 4:0 über China einfach die Kamera weg. "Ich gebe sie dir im Hotel in Ulsan wieder", sagte das 25-jährige Torjäger mit dem Bubi-Gesicht. Da das nicht geschehen ist, kündigte der Journalist nun eine Klage wegen Diebstahls an. "Der Mann kann machen, was er will", meinte Ronaldo dazu.

Tatsächlich hat es die brasilianische Delegation schwer. Denn im Gegensatz zu früheren Weltmeisterschaften teilen die Stars um Ronaldo und Rivaldo ihr Hauptquartier im Hotel Hyundai in Ulsan mit den Journalisten - und auch mit vielen Fans. Mit so einer "Wohn- Gemeinschaft" hatte schon die deutsche Nationalmannschaft 1986 in Mexiko ihre Probleme gehabt.

Das Team des viermaligen Weltmeisters Brasilien wird von 560 Journalisten des Landes regelrecht "belagert". Mehr Medienvertreter haben nur die Chinesen zur WM geschickt - dafür zeigen die Brasilianer bei der Erfüllung ihrer Arbeitspflichten weit weniger Manieren. Der Nebenmann wird schon mal getreten und beschimpft. Und die Spieler werden auf Schritt und Tritt verfolgt. Interviews werden sogar im Aufzug und auf dem Weg zur Toilette geführt. Der TV-Sender "Globo" überträgt täglich mehrere Stunden live aus Südkorea - selbst das Training. "Die Beziehungen zwischen uns und dem Nationalteam sind immer schwer, aber die Lage spitzt sich jetzt in Südkorea nach einmonatigem Beisammensein zu", meint Antero Greco von der Zeitung "Estado de Sao Paulo". Kritik könnten die Spieler nicht vertragen.

"Die internationalen Medien loben uns, und zu Hause gibt es nur Kritik, warum nur?", fragt klagend Roberto Carlos von Real Madrid. Und der stets grimmig dreinblickende Scolari fügt hinzu: "Wenn die Journalisten aus Brasilien mit mir einzeln sprechen, gibt es Blumen und freundliche Gesichter, aber von hinten hauen sie voll rein." Nach dem 4:0-Sieg über China im zweiten WM-Spiel der Brasilianer hatte er auf kritische Fragen nach den vielen Fehlpässen gesagt: "Wir sind für euch die schlechtesten der Welt, selbst wenn wir hoch gewinnen."

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