Bratwurst europaweit unter Schutz
Das Original kommt nur aus Thüringen

Die Thüringer haben es nun schwarz auf weiß aus Brüssel: Ihre Rostbratwurst ist die echte. Spezialitäten aus dem kleinen Freistaat, der seine Tradition als Wurstland hoch hält, wurden nach mehreren Anläufen von der Europäischen Kommission in das Register der geschützten regionalen Herkunftszeichen aufgenommen, verkündete Agrarminister Volker Sklenar (CDU) am Donnerstag in Erfurt.

HB/dpa ERFURT. Thüringer Brat-, aber auch Rot- und Leberwurst gehören nun zu den etwa 400 europaweit geschützten geographischen Ursprungsbezeichnungen und dürfen nicht nachgemacht werden. Sie stehen damit in einer Reihe mit Klassikern wie Champagner, Parma-Schinken oder Parmesan-Käse. "Wir sind stolz" sagte Rainer Wagner vom Herkunftsverband Thüringer und Eichsfelder Wurst. Er hatte den Wurst-Schutz mit Unterstützung des Agrarministeriums 1998 initiiert und für die juristischen Scharmützel Anwälte engagiert.

Naserümpfend hatten Thüringer Fleischer in den vergangenen Jahren mit angesehen, welch merkwürdige "Bratlinge" außerhalb des Freistaats auf Rosten oder sogar in Pfannen schmorten. Das wird sich ändern - zumindest dürfen sie nicht mehr unter dem Etikett "Thüringer" angepriesen werden. Denn wenn es um die Wurst geht, verstehen die Thüringer keinen Spaß.

Fünf Jahre dauerte die Rangelei um den Schutz des Thüringer Originals. Denn es gab Widerstand: 20 Einsprüche allein von Wettbewerbern aus Deutschland gingen bei der EU-Kommission ein, weitere aus Österreich. Selbst der Bochumer Fleischwarenhersteller Zimbo, der nach eigenen Angaben seit 1991 im thüringischen Suhl Wurst nach Originalrezept herstellt, wollte sich nicht damit abfinden, dass in der echten Bratwurst mindestens 51 Prozent Fleisch von Thüringer Schweinen stecken soll.

Anfang 2003 teilte die Kommission mit, die Einsprüche aus Deutschland seien unzulässig. "Schließlich gibt es in Deuschland schon seit 1995 eine Eintragung der Wurstbezeichnung als Marke beim Patentamt München. Damit war das Verfahren national gelaufen", erläutert Horst Schubert, im Agrarministerium für Absatzförderung zuständig, den Hintergrund. Die ausländischen Einsprüche seien zurückgezogen worden. Damit war der Weg frei.

Neben dem Thüringer Stolz stecken hinter dem Wurst-Schutz aber auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Von dem Schutzschild der EU profitieren Schweinemäster, aber vor allem die vielen Thüringer Wursthersteller, die ihren Absatz jetzt ankurbeln wollen. Allein der Innungsverband des Thüringer Fleischerhandwerks, der zu den 26 Mitgliedern des Herkunftsverbandes gehört, vertritt 400 Betriebe. Um den Nachschub für die Wurst ist Wagner, der einen größeren Verarbeitungsbetrieb in Arnstadt leitet, nicht bange. Rund 1,5 Millionen Schweine lassen im Freistaat jährlich ihr Leben.

Zugeknöpft zeigten sich Minister und Verbandschef nur beim Rezept für die "Thüringer Bratwurst": "Schweinefleisch, Majoran, zum Teil Kümmel und eine Knoblauchnuance", meinte Wagner. Die EU hat zumindest einige Kriterien definiert: Die Bratwurst aus Thüringen muss 15 bis 20 Zentimeter lang sein, im Naturdarm stecken und bis zu 150 Gramm wiegen.

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