Breitband-Technologien sind in Europa im Kommen
Nutzer teilen sich den Turbo ins Internet

DSL-Verbindungen haben sich in diesem Jahr auf breiter Front durchgesetzt. Statt über hochmoderne Glasfasernetze gehen immer mehr Menschen über alte Telefonkabel aus Kupfer ins High-Speed-Internet. Neue Zugangsgeräte erlauben, gleich mehrere Nutzer an eine einzige digitale Leitung zu koppeln.

DÜSSELDORF. Briefmarkengroße Videobildchen, die in Zeitlupe über den Monitor ruckeln, gehören für knapp drei Millionen Internet-Surfer in Deutschland der Vergangenheit an. Denn sie gehen per DSL-Technik ins Internet und können so Filme mit bis zu zwölffacher ISDN-Geschwindigkeit auf den eigenen PC laden. "In nur zwei Jahren ist ein DSL-Massenmarkt entstanden, und Deutschland wurde zu einer der führenden Breitbandnationen", freut sich Telekom-Vorstand Josef Brauner. Inzwischen gebe es in der Bundesrepublik sogar mehr DSL-Anschlüsse pro Einwohner als in den USA. Neben der Deutschen Telekom AG, die den Markt zu 98 % beherrscht, bieten rund 30 weitere Firmen wie QSC, Colt, Arcor, Easynet und regionale Citycarrier die Highspeed-Anschlüsse an.

DSL steht für "Digital Subscriber Line"- also digitale Anschlussleitung. Diese Technologie nutzt die Kupferdoppelader der normalen Telefonleitungen. Für die schnelle Datenkommunikation ist ein Verlegen neuer Kabel nicht nötig. Durch die Aufteilung der vorhandenen Bandbreite in unterschiedliche Kanäle, zum Beispiel für Sprache und Daten, und die Verwendung von bislang ungenutzten höheren Frequenzbereichen steigert die DSL-Technologie die Übertragungsrate im Kupferkabel auf bis zu 52 Mbit/s. In der Praxis werden jedoch meist geringere Raten benutzt, um Störungen in den Kabelsträngen gering zu halten.

Unter der Vielzahl unterschiedlicher DSL-Varianten, wie HDSL, IDSL, RADSL, CDSL oder SHDSL, sind am weitesten verbreitet ADSL und SDSL. Dabei steht A für "asymmetrisch" und S für "symmetrisch". Beim ADSL-Angebot der Telekom liegt die Übertragungsgeschwindigkeit für den so genannten Downstream - also vom Netz in Richtung Kunden - bei bis zu 768 Kilobit pro Sekunde. Für die umgekehrte Richtung - im Fachjargon Upstream genannt - beträgt die Datenrate dagegen höchstens 128 Kbit/s. Seit wenigen Wochen bietet die Telekom für Vielsurfer und kleinere Unternehmen aber auch den Service "T-DSL 1500" mit einem Downstream von bis zu 1 500 Kbit/s und einem Upstream von bis zu 196 kbit/s an.

Diesen Anschluss können sich nun auch problemlos mehrere Nutzer teilen. Gerätehersteller wie Netgear, Zyxel oder devolo bringen dazu Kombigeräte auf den Markt, die das ADSL-Modem, einen Router und den notwendigen Switch in einem Gehäuse vereinen. "Unser neuer ADSL-Modem-Router ist voll kompatibel zu T-DSL 1500 und ermöglicht den direkten Anschluss von bis zu vier PC an eine Leitung", sagt Heiko Harbers, Geschäftsführer der aus der insolventen Elsa AG hervorgegangenen devolo AG in Aachen. Die mit dem Gerät verbundenen Rechner seien untereinander zu einem internen Netzwerk gekoppelt. Harbers: "Das ermöglicht den schnellen Datenaustausch zwischen den PC, das Spielen von Multiplayer-Games oder den gemeinsamen Zugriff auf einen Drucker mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s." Damit sich über den ständig offenen DSL-Zugang keine Viren oder Hacker einschleichen, enthalten die MicroLink-Modems des Aachener Herstellers eine Firewall und einen Virenscanner.

Wichtig für das Funktionieren der DSL-Technik ist die Entfernung zwischen der Vermittlungsstelle und dem Nutzer. Je geringer die Entfernung zum Netzknoten ist, desto höhere Datenraten lassen sich transportieren. Bei Entfernungen von mehr als fünf Kilometern zwischen Anschluss und Vermittlungsstelle konnte bisher kein schneller Internet-Zugang geschaltet werden.

Das soll sich nun ändern: Bis zum Jahresende verspricht die Telekom weiteren vier Millionen Kunden in Deutschland zumindest einen abgespeckten DSL-Anschluss. "Durch feinere Messmethoden, neueste Erkenntnisse bei den realen Dämpfungswerten sowie die Reduzierung des Störabstandes im Kabel erzielen wir einen Reichweitengewinn von maximal knapp einem Kilometer", erläutert Telekom - Vorstand Josef Brauner. Allerdings kann das neue "T-DSL light" nur maximal bis zu 384 kbit/s im Downstream und bis zu 64 Kbit/s im Upstream ohne Fehler übertragen.

Nach einer Studie der Analysten von Frost & Sullivan steht der europäische Breitband-Markt "jetzt kurz vor der Explosion". Bis zum Jahr 2008 rechnen die Marktforscher mit insgesamt 28,1 Millionen Nutzern. "An vorderster Front wird sich dabei die DSL-Technologie etablieren", erwartet Donald Tait, Analyst bei Frost & Sullivan. Allerdings müssten die Netzbetreiber zunächst die Nachfrage mit neuen Diensten und Anwendungen ankurbeln. Denkbar seien da zusätzliche Audio- und Videoübertragungen oder Internet-Videokonferenzen.

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