Breite Front gegen Deutsche Bank wegen T-Aktie
Börsenaufsicht leitet Untersuchung ein

Telekom, Börsenexperten und Aktionärsschützer in seltener Einigkeit: Nachdem die Deutsche Bank am Montag eine Kaufempfehlung für die T-Aktie herausgegeben hatte und nur einen Tag später ein Paket von 44 Mill. T-Aktien im Kundenauftrag auf den Markt brachte, ist die Entrüstung groß.

ap FRANKFURT/BONN. "Ungeschicklichkeit, Instinktlosigkeit, Dummheit, Skandal" lauten die Vorwürfe. Die Telekom prüft die ganze Transaktion und sucht nach formalen Fehlern. Die hessische Börsenaufsicht hat Untersuchungen eingeleitet.

Ein Telekom-Sprecher warf dem größten deutschen Geldhaus am Freitag "Instinktlosigkeit" vor. Allerdings sagte er auch: "Mit irgendwelchen Aufgeregtheiten und Überreaktionen ist hier niemanden gedient. Man muss sachlich die Fakten zusammentragen und weiter schauen." Je nachdem, was dabei herauskomme, wolle man sich mit der Deutschen Bank zusammen setzen.

Die für die Frankfurter Wertpapierbörse zuständige Aufsichtsbehörde im hessischen Wirtschaftsministerium teilte mit, sie habe Untersuchungen `im Zusammenhang mit Verkäufen von Telekom-Aktien durch die Deutsche Bank AG" eingeleitet. Es lägen noch keine konkreten Ergebnisse vor, die Untersuchungen dauerten an, hieß es.

Börsenexperte Professor Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen-Nürnberg hält das Verhalten der Deutschen Bank für ungeschickt - auch mit Blick auf den Gesamtmarkt. "Die Börse steht auf so schwachen Füssen, da muss man sensibel sein." Das eigentliche Problem sei, dass am Montag überhaupt der Bericht der Research-Abteilung herausgegeben worden sei.

Dabei komme der so genannten Compliance-Abteilung eine wichtige Aufgabe zu. Diese Abteilung prüft in Finanzdienstleistungsunternehmen, ob das Handeln der einzelnen Bereiche mit den geltenden Regeln übereinstimmt und soll auch Interessenskonflikte vermeiden. Gerke: `Hier wandern die Fäden zusammen, und hier hätte der Bericht nicht herausgegeben werden sollen. Das ist eine ethische Frage."

Der Chef des Deutschen Aktieninstitutes, Rüdiger von Rosen, sagte der Deutschen Welle zum Thema Compliance-Abteilung, es müsste in den einzelnen Instituten weitere Regelungen geben. Damit "solche Ereignisse nicht zeitgleich zusammentreffen", sollten bestimmte Fragen noch einmal durch die verantwortliche Compliance-Abteilung abgestimmt und übergeordnet koordiniert werden.

Schlag aus dem größten deutschen Bankhaus

Von Rosen bezeichnete jedoch die Empfehlung für die T-Aktie von Seiten der Deutschen Bank als "durchaus statthaft". Er betonte: "Schließlich hat es sich nicht um eine Kaufempfehlung gehandelt, sondern um eine Beurteilung, nach der sich die fundamentalen Grunddaten der Deutschen Telekom nicht geändert haben." Die lange Zeit geforderte Trennung zwischen den Research- und Handelsabteilungen habe funktioniert.

Das sieht Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK) anders. Die jüngsten Vorgänge um die T-Aktie müsse man "als Skandal empfinden". Niemand in Deutschland glaube, dass die so genannten Chinesischen Mauern - die bildlich für die Informationsbarrieren zwischen den Abteilungen in Wertpapierhandelsunternehmen stehen sollen - wirklich funktionierten.

"Das Problem ist, die Deutsche Bank kann sagen: Das ist das Ergebnis der strengen Trennung, es hat funktioniert. Aber wer will das nachweisen und nachprüfen. Die Regeln sehen diese Trennung vor. Aber kein Mensch glaubt das", sagt die Aktionärsschützerin.

Der jüngste Wirbel um die T-Aktie ist für Keitel auch deshalb von besonderer Bedeutung, "weil es nicht um irgendeine Aktie geht". Mit dem ersten Börsengang der Telekom begann in Deutschland das Aktienfieber zu grassieren. Aber nach einigen Höhenflügen war mancher Anleger mit dem Papier zuletzt alles andere als glücklich. Keitel: "Das Unternehmen selbst hat das Vertrauen der Anleger schon erschüttert. Dann muss man sehen, dass die Börse insgesamt sowieso leidet - und dann noch der Schlag aus dem größten deutschen Bankhaus."

Börsenfachmann Gerke forderte nun sogar deutliche Reaktionen. Er sagte der Deutschen Welle: "Die Banken müssen bestraft werden, wenn sie Interessenkonflikte in der Compliance-Abteilung nicht lösen können." Schadenersatzforderungen von Kleinanlegern stehe skeptisch gegenüber. "Man muss als Anleger quasi nachweisen, dass die Deutsche Bank absichtlich hier jemanden schädigen wollte. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich glaube vielmehr, dass das Dummheit war."

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