Breite Mehrheit unterstützt Pläne der Bundesregierung
Manager befürworten Korruptionsregister

Deutschlands Top-Manager unterstützen mit breiter Mehrheit Pläne der Bundesregierung, im Kampf gegen Bestechung ein bundesweites Korruptionsregister einzuführen.

DÜSSELDORF. Nach einer repräsentativen Befragung im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors sprechen sich 76 % der Wirtschaftsentscheider für ein solches Vorhaben aus. Nachteilige Folgen befürchten die wenigsten. Selbst von den Gegnern des Registers (21 %) sehen nur rund die Hälfte eine Gefahr für den Standort Deutschland.

Die Pläne der Regierung stehen in Zusammenhang mit der Kölner Spendenaffäre, bei der auch zahlreiche Bestechungsfälle ans Tageslicht gekommen sind. Als Konsequenz will Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) nun ein Register für "unzuverlässige Unternehmen" einrichten, also für solche Firmen, die etwa im Zusammenhang mit Korruption auffällig geworden sind. Die Firmen sollen voraussichtlich für einen Zeitraum von drei Jahren keine öffentlichen Aufträge mehr erhalten. Vorbild für die bundesweite "schwarze Liste" ist das Register des NRW-Finanzministeriums. Hier werden seit 1999 Daten von Unternehmen gespeichert, derzeit stehen 15 Unternehmen auf dem Index.

Die aus der Befragung jetzt erkennbare breite Zustimmung der Manager geht offenbar auf ein wachsendes Problembewusstsein zurück. Denn das Ausmaß der Korruption in Deutschland bewertet eine Mehrheit von 65 % mittlerweile genauso hoch wie in anderen Staaten (siehe Grafik). Bemerkenswert ist, dass dies vor allem Großunternehmen so sehen (74 %). Gerade international operierende Konzerne hatten in der Vergangenheit stets darüber geklagt, dass insbesondere im Ausland Aufträge nur noch mit Schmiergeldern hereinzuholen sind.

Eigeninteressen dürften bei der deutlichen Zustimmung aber auch eine Rolle spielen. Denn über das Korruptionsregister lassen sich auf Dauer schwarze Schafe vom deutschen Markt verdrängen. Für die Wirtschaft hätte das die positive Wirkung, dass damit das Vertrauen in den Standort Deutschland und die dort ansässigen Unternehmen gestärkt würde. Vor allem die junge Führungsspitze unter 40 Jahren drängt auf eine Regelung (84 %). Nur 11 % von ihnen halten nichts von einem Bestechungsindex.

Die Bundesregierung kann damit auf einen breiten Konsens für ihre Pläne zählen, da auch Experten das Korruptionsregister befürworten. Erst kürzlich war es der auf Wirtschaftsstrafsachen spezialisierte Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, der eine länderübergreifende Bestechungsliste forderte, auch die Anti-Korruptionsinitiative Transparency International (TI) plädiert für ein solches Vorhaben.

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