Breite Streuung als Patentrezept
Risiken im Depot erkennen

Streuen, streuen, streuen - so lautet das Standardrezept, um Risiken bei der Geldanlage abzumildern. Doch die Umsetzung ist gar nicht so einfach.

fw DÜSSELDORF. Wer sich Rentenpapiere mit langen Laufzeiten, ein paar Technikaktien und einen Schwellenländerfonds ins Depot legt, hat auf den ersten Blick sein Risiko ganz gut gestreut. Oder doch nicht?

Stellen wir uns vor, die amerikanische Notenbank erhöht überraschend wieder die Zinsen - vielleicht, weil ihr die Inflation aus dem Ruder läuft. Dann wären die lang laufenden Rentenpapiere davon wahrscheinlich stark betroffen - entweder direkt, wenn es sich um Dollaranleihen handelt, oder indirekt, wenn die europäischen den amerikanischen Zinsen folgen. Denn bei einem erhöhten Zinsniveau gibt es neue, attraktivere Papiere, und die Kurse der alten sinken so weit, bis die Rendite sich wieder dem neuen Niveau angepasst hat. Dieser Effekt ist bei Titeln mit langer Restlaufzeit besonders groß; Papiere, die bald ablaufen, notieren hingegen automatisch in der Nähe des Einlösungskurses.

Die höheren Zinsen treffen aber auch am Aktienmarkt die Wachstumstitel besonders hart. Denn bei diesen Papieren bestimmen die künftigen Erträge, die erst in ein paar Jahren fließen, schon sehr stark den heutigen Kurs. Wer den Wert künftiger Erträge auf den heutigen Zeitpunkt umrechnet, muss aber einkalkulieren, wie sich das Geld in der Zwischenzeit verzinsen würde. Der Effekt: Je höher der Zins, desto weniger sind künftige Erträge heute wert, und desto weniger attraktiv sind gerade die Wachstumsaktien.

Breite Streuung als Patentrezept für jede Geldanlage

Der dritte Punkt im Eingangsbeispiel war ein Schwellenländerfonds. Bei Fonds besteht generell das Problem, dass viele Anleger nicht wissen, was eigentlich drinsteckt. Im Schwellenländerfonds könnte zum Beispiel ein hoher Anteil fernöstlicher Tech-Werte enthalten sein, die bei einer Zinserhöhung in den USA auf Talfahrt gehen, weil die Unternehmen von amerikanischen Kunden abhängig sind. Fazit: Alle drei Positionen im Eingangsbeispiel würden stark auf eine Zinserhöhung reagieren - die Mischung ist nicht ausgewogen. Eine möglichst breite Streuung gilt als Patentrezept für jede Geldanlage. Das Vermögen sollte so verteilt sein, dass möglichst nicht alle Teile gleichzeitig den Bach runtergehen, wenn es irgendwo an den Märkten einen Einbruch gibt. Aber auch umgekehrt wirkt die Streuung: Wer möglichst vielseitig investiert, hat bessere Chancen dabei zu sein, wenn irgendwo der nächste Boom startet. Wichtig ist, wie zum Beispiel Walter Sommer von der Vermögensberatung Grossbötzl, Schmitz & Partner in Düsseldorf betont, Wachstumswerte durch Aktien traditioneller Konzerne auszubalancieren. Das Problem ist aber oft, die Zusammenballung von Risiken überhaupt zu erkennen.

Ein weiteres Beispiel: Ein Anleger besitzt ein Paket Telekomaktien, hat sich einen europäischen Aktienfonds gekauft und legt sich, weil die Börsen so schlecht laufen, zusätzlich einen High-Yield-Fonds zu, der vorzugsweise in Rentenpapieren mit sehr hohen Zinsen investiert. Das hat auf den ersten Blick auch nicht viel miteinander zu tun. Vielleicht aber doch: zum Beispiel, wenn der Aktienfonds relativ techniklastig ist und daher hohe Anteile an Aktien wie Nokia und Ericsson enthält. Und der High-Yield-Fonds hat vielleicht Anleihen von Telekommunikationsunternehmen gekauft. Diese Konzerne haben, nachdem sie im vergangenen Sommer für Milliarden neue Mobilfunklizenzen (nach UMTS-Standard) erworben hatten, enormen Kapitalbedarf und nur noch eingeschränkte Kreditwürdigkeit, weswegen sie zum Teil sehr hoch verzinste Anleihen ausgeben.

Sollte sich nun herausstellen, dass das Thema UMTS eine Pleite wird, weil die Konsumenten gar kein Interesse haben, ihr Handy in ein Multimedia-Spielzeug zu verwandeln, was dann? Der Telekomkurs würde abstürzen, weil dieser Konzern Milliarden in UMTS investiert hat. Die Ausrüster wie Nokia und Ericsson setzen aber ebenfalls auf UMTS und könnten den Europafonds nach unten ziehen. Zusätzlich würden die Rentenanleger in so einer Situation einen Bogen um Telekomanleihen machen, was den High-Yield-Fonds unter Druck setzt.

Außer Zinsen und den Risiken spezieller Branchen oder Techniken gibt es noch weitere Punkte, auf die ein Anleger beim Sicherheitscheck seines Depots achten sollte. Zum Beispiel die Währung. Nicht nur Dollarpapiere und entsprechende Fonds hängen vom Dollar und der US-Konjunktur ab. Einige europäische Aktien ebenfalls - als Musterbeispiel gilt Porsche. Aber auch der niederländische Einzelhändler Ahold und manche asiatischen High-Tech-Unternehmen haben ein starkes US-Geschäft. Allerdings ist die Frage der Währungsabhängigkeit kompliziert. Manche Unternehmen, etwa der Airbus-Hersteller EADS, betreiben Kurssicherung. Andere, zum Beispiel aus der chemischen Industrie, kaufen viel auf Dollarbasis ein. Oder die Konzerne produzieren gleich in den USA - wie Daimler-Chrysler. In solchen Fällen wird der Wechselkurseffekt zumindest abgefedert.

Fazit: Es lohnt sich, von Zeit zu Zeit das Depot gründlich zu durchleuchten und gezielt nach Risiken zu suchen.

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