Breite Unterstützung
Machmud Abbas will die Aussöhnung mit Israel

Neun lange Jahre hielt sich Mahmud Abbas im Hintergrund. Schlagzeilen machte der Stellvertreter von PLO-Chef Jassir Arafat nur einmal, als israelische Panzer sein Haus in Ramallah beschossen. Doch jetzt tritt der 1935 in Safed (heute Israel) geborene Politiker voll ins Rampenlicht: Er soll sein Volk als erster Ministerpräsident der Palästinenser in eine friedlichere Zukunft führen. Denn Präsident Arafat hat seit Beginn des blutigen Konflikts mit Israel vor 30 Monaten fast allen Kredit verspielt.

HB/dpa RAMALLAH. Abbas hat sich bei der fünf Wochen dauernden Regierungsbildung von Arafat nicht einschüchtern lassen. Doch in dem Machtkampf hatte der etwa 68-Jährige (sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt) es relativ leicht: Die ganze Welt sprach ihm Mut zu und machte Druck auf Arafat, den Abbas langsam aber sicher als Vertreter der Palästinenser ablösen soll. Nie zuvor haben die USA, Europa, Russland, aber auch Ägypten so einmütig auf einen Politiker gesetzt wie auf Abbas, der die Oslo- Verträge mit Israel aushandelte und sie 1993 unterschrieb. So, als halte er sich für die Zukunft bereit, hatte Abbas ein Ministeramt unter Arafat nach Gründung der Autonomiebehörde abgelehnt. Und er hielt mit Kritik nicht zurück, als der Aufstand der Palästinenser im Oktober 2000 zu einem blutigen Kleinkrieg mit Israel entartete.

Abbas, der 1948 mit seinen Eltern nach Damaskus floh, war Mitbegründer der PLO und der Fatah-Bewegung Arafats. Er gehörte von Anfang an zur Palästinenserführung im Exil. 1980 wurde "Abu Masen", wie er meist nach seinem ersten Sohn genannt wird, an die Spitze des PLO-Vorstands gewählt und gilt seither als Arafats Vize. Der stets elegant gekleidete Politiker, der einen Doktortitel der Universität Moskau im Fachbereich "israelische Politik" besitzt, gilt seit langem als Befürworter der Aussöhnung zwischen Israel und den Palästinensern.

Er genießt in der PLO hohes Ansehen, hat jedoch nicht den nötigen Rückhalt in der Fatah-Fraktion im Parlament. Dennoch war es die Fatah, die zuletzt darauf drängte, dass er und nicht eine "politische Marionette" zum Regierungschef ernannt wurde, wie Arafat dies plante. Er traf mehrfach mit israelischen Politikern zusammen, die Arafat boykottieren, und reiste auch zu Gesprächen nach Washington in Absprache mit Arafat.

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