Brennmaterial auf Leasing-Basis
Russland bietet Stromkonzernen Atom-Endlager an

Im Gegenzug werden die Unternehmen dazu aufgefordert, künftig Mischoxyd-Brennelemente aus abgerüstetem Waffenplutonium der Russen zur Stromproduktion einzusetzen.

Reuters BERLIN. Russland will den deutschen Stromkonzernen auf Basis eines Tauschgeschäfts ein Endlager für ihren Atommüll anbieten. Eine Sprecherin der RWE-Power bestätigte am Samstag den Eingang eines entsprechenden Schreibens des russischen Atomministeriums Minatom. In dem Brief vom 30. Mai werde das Unternehmen im Gegenzug aufgefordert, künftig Mischoxyd-Brennelemente (Mox) aus abgerüstetem Waffenplutonium der Russen zur Stromproduktion einzusetzen. Diese sollten nach Gebrauch wieder zurückgenommen und endgelagert werden. Minatom habe zudem vorgeschlagen, das Brennmaterial auf Leasing-Basis zur Verfügung zu stellen.

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" sind gleich lautende Briefe auch an die Vorstandschefs der der Eon-Energy und der EnBW AG gegangen. Diese waren jedoch nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Nach dem Bericht erwägt Russlands Präsident Wladimir Putin, den Vorschlag auf dem nächsten Weltwirtschaftsforum im Januar in Davos vorzustellen. Hintergrund der Entwicklung könnte ein Abkommen zwischen den USA und Russland sein, in dem sich beide Staaten auf die Beseitigung von je 34 Tonnen waffenfähigem Plutonium geeinigt hatten.

Die RWE-Sprecherin sagte, das Unternehmen sehe bei der gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland und Europa keine Gelegenheit zu handeln. Ein solches Geschäft setze zunächst eine entsprechende politische Willensbildung voraus: "Wir als Unternehmen stehen als letzte in der Entscheidungskette." Daneben sei es fraglich, ob man die russischen Mox-Brennelemente überhaupt in deutschen Atomkraftwerken eingesetzen könne.

Unter Putins Regie werde derzeit eine internationale Arbeitsgruppe unter dem Namen "Task Force Nukleare Abrüstung" gebildet, hieß es in dem Zeitungsbericht weiter. Daran sollen neben Experten aus den führenden Industrienationen und Russland (G-8) auch Vertreter von nicht-staatlichen Organisationen und Unternehmen teilnehmen. Während Firmen aus Großbritannien, Frankreich, Schweden und der Schweiz bereits zugesagt hätten, sei von den deutschen Stromversorgern noch keine Antwort gekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%