Breuer schmiedet nach Niederlagen neue Zukunftspläne mit und ohne Partner
Deutsche Bank stärkt Marktführerschaft mit Rekordergebnis

ddp FRANKFURT. Gut gelaunt trat der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, am Donnerstag vor die Presse. Vorbei schien der Ärger über die geplatzte Fusion mit der Dresdner Bank und über die Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Beinah-Pleite des Philipp-Holzmann-Konzerns. Immerhin geht es bei Holzmann um einen Streitwert von 400 Mill. Mark, den die belgische Finanzholding Geveart wegen entstandener Kursverluste eingeklagt hat. "Der Fall ist für uns ganz aussichtsreich", sagte Breuer gelassen - mehr nicht. Breuer strebt nach Größerem. Er will mit der Tochtergesellschaft Deutsche Bank 24 (DB 24) "auch in Europa zur führenden Bank für Privatkunden" werden. Kooperationen im Filialgeschäft schließt er nicht aus, aber nur mit den richtigen Partnern. "Es kann nicht sein, dass wir Trittbrettfahrer ernähren, die sich auf unseren Erfolg draufsetzen", sagte er selbstbewusst. Potenzielle Partner müssten schon einen "strategischen Mehrwert" mitbringen, und das möglichst auf der Einnahmenseite. Eine Reduzierung von Kosten sei dabei auch erstrebenswert, aber als "alleiniges Motiv nicht ausreichend". Deshalb schloss Breuer eine Partnerschaft mit der zweiten abgeblitzten Braut der Dresdner Bank, der Commerzbank, aus. "Wir führen keine Gespräche." Vollfusionen sind für Breuer kein Thema mehr. Sie seien eventuell "nicht das Richtige" gestand er ein, auch wenn er etwas wehmütig auf die jüngste Vergangenheit blickte. Die geplante Fusion mit der Dresdner Bank "wäre am Ende ein gutes Konzept gewesen". Man sei wohl "besser beraten", wenn man "Teilbereiche" zusammenführe. Gespräche mit der Versicherung Allianz würden weiter geführt. Diese hatte bei der geplatzten Fusion mit der Dresdner Bank Interesse am Filialnetz der Deutschen Bank geäußert. "Wir sind nicht auf der Suche, hören aber zu", fasste Breuer die Diskussion um mögliche Partner zusammen. Seine "kühnsten Erwartungen" übertraf das Halbjahresergebnis der Tochter DB 24. Aber darin einen Zusammenhang mit der gescheiterten Fusion zu sehen, hielt er dann doch für "etwas zu weit hergeholt". Alle Verkaufsgerüchte über DB 24 wischte Breuer vom Tisch. Zwar denke die Deutsche Bank über eine Entkonsolidierung von Teilen der DB 24 nach, den unternehmerischen Einfluss wolle man aber behalten. Klar, denn schließlich erzielte der Bereich Privat- und Geschäftskunden im ersten Halbjahr einen Ergebniszuwachs von 199 %, woran die DB 24 einen nicht unerheblichen Anteil hatte. Das Konzept ist so "erfolgreich", dass es jetzt auf Europa ausgedehnt wird. Der Abbau von Industriebeteiligungen sei schon lange eine Strategie der Deutschen Bank, und nicht erst im Zusammenhang mit der Steuerreform 2002. 14,2 Mrd. Euro Stille Reserven hat die Bank. Diese seien aber für den Kapitalmarkt "auf einen Schlag gar nicht zu verdauen", zumal die Deutsche Bank nicht allein sei. "Intelligente Wege" müssten gefunden werden, damit die Kursentwicklung nicht in die "falsche Richtung laufe". Die Diskussion werde zu sehr "simplifiziert". Es sei nicht davon auszugehen, dass plötzlich 2002 sämtliche Industriebeteiligungen verkauft würden. Manchmal ergebe sich eine günstige Verkaufsgelegenheit, aber eine Investitionsmöglichkeit erst Monate später oder umgekehrt. Zwar ergebe sich durch die Steuerreform eine "größere Handlungsfreiheit" für den Vorstand. Aber am Ende stehe man in der Verantwortung, einen "Mehrwert" für den Aktionär zu schaffen. Einen "beträchtlichen Betrag", rund zwei Mrd. Euro, nahm der Finanzriese jüngst durch den Verkauf von Anteilen an der Allianz ein. Die restliche Beteiligung von 4,1 % stehe "zur Disposition". Man sei sich mit der Allianz einig, die gegenseitigen Kapitalbeteiligungen abzubauen. Obwohl er mit dem Kursverlauf der DaimlerChrysler-Aktie "nicht zufrieden" ist, will Breuer die Stellung der Deutschen Bank als Großaktionär vorerst nicht aufgeben. Das sei in Vorstands-Gesprächen zu entscheiden. Die Deutsche Bank habe ein Interesse daran, dass Daimler über ein "vernünftiges Aktionariat" verfüge - und dieses Ziel sehe er dann gefährdet.

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