Breuer strebt Marktführerschaft in Europa an
Deutsche Bank bleibt auf Partnersuche

Die vor einer Woche von der Deutschen Bank angekündigte Übernahme des US-Vermögensverwalters Scudder soll bis Anfang 2002 über die Bühne gehen. Im Laufe des nächsten Jahres soll Scudder so restrukturiert werden, dass bereits 2003 Gewinne fließen. Als Vorbild gilt die Integration von Bankers Trust.

FRANKFURT/M. Mit der Übernahme des amerikanischen Vermögensverwalters Scudder, die vor einer Woche bekannt gegeben wurde, ist die Expansion der Deutschen Bank "noch lange nicht beendet". Das erklärte Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Die "aggressive Partnersuche" gehe weiter.

Ziel sei es weiterhin, in Europa die Marktführerschaft zu gewinnen. Dazu gehöre eine strategische Verstärkung des Privatkundengeschäfts in verschiedenen Ländern. Dies sei über organisches Wachstum nicht zu erreichen. Breuer: "Ziel Nummer eins ist Frankreich." Dort habe man bereits Erfolge im Bereich Corporate Finance und Investment-Banking erzielt. In Spanien, Italien, Belgien und Polen sieht sich die Bank bereits gut positioniert.

Mit der Scudder-Übernahme sei es gelungen, mehrere Ziel auf einen Schlag zu erreichen. Der Charme des Deals bestehe nicht allein darin, endlich in den USA über einen "hoch interessanten Vermögensverwalter" zu verfügen, der ein breites Vertriebsnetz habe und aktives Portfoliomanagement betreibe. Die Platzierungskraft der Deutschen Bank habe sich in den USA schlagartig verbessert.

Ein wesentliches Argument für das Scudder-Geschäft sei der Tausch mit dem Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial Services (ZFS) gewesen. Für Scudder erhielt ZFS Versicherungsbeteiligungen der Deutschen Bank, allen voran den Deutschen Herold und Bonndata. Darüber hinaus vereinbarten Deutsche Bank und ZFS eine mindestens zehn Jahre laufende Vertriebskooperation, die zum Beispiel zur Folge hat, dass die Deutsche Bank 24 wie bisher exklusiv die Policen des Deutschen Herolds vertreibt.

Breuer: "Kaufinteressenten für den Deutschen Herold gab es in der Vergangenheit eine ganze Menge. ZFS war der einzige Bewerber, der uns einen strategischen Mehrwert brachte."

Der noch ein gutes halbes Jahr amtierende Chef der Deutschen Bank, der bei der Hauptversammlung im Frühjahr 2002 seinem Nachfolger Josef Ackermann Platz machen wird, räumte ein, dass Scudder noch "umgedreht" werden müsse. Es seien ähnlich wie vor einigen Jahren nach der Übernahme von Bankers Trust, Restrukturierungsarbeiten und eine zügige Integration zu leisten.

Scudder habe innerhalb der Zurich-Gruppe zwei Probleme gehabt, die es jetzt nicht mehr gebe: Die traditionsreiche Gesellschaft sei nicht integrierbar gewesen, weil das Management mit 20 % beteiligt gewesen sei und eine eigenständige Strategie verfolgt habe. Diese Beteiligung bestehe heute nicht mehr. Bei Zurich habe zudem die für den Erfolg entscheidende Zusammenarbeit zwischen Investment-Banking und der Vermögensverwaltung (Asset Management) nicht funktioniert. Das werde jetzt anders. Vorbild der Neuausrichtung bei Scudder sei die rasche Integration von Bankers Trust.

Bei dem Attentat auf das World Trade Center (WTC) in New York hat die Deutsche Bank nach den Worten Breuers "unglaubliches Glück" gehabt. Zwei der 400 Mitarbeiter im WTC seien ums Leben gekommen. Das in unmittelbarer Nähe gelegene Gebäude von Bankers Trust sei stark beschädigt worden und für mindestens ein Jahr unbenutzbar. Rund 4600 Arbeitsplätze seien durch die Katastrophe verloren gegangen, aber 5000 seien bereits an anderer Stelle neu geschaffen worden.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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