Breuer und Ackermann legen Bekenntnis zum Finanzplatz Deutschland ab: Deutsche Bank erzielt kaum noch Gewinn

Breuer und Ackermann legen Bekenntnis zum Finanzplatz Deutschland ab
Deutsche Bank erzielt kaum noch Gewinn

Börsenflaute und Rezession haben der Deutschen Bank im vergangenen Jahr nach den Worten von Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer überraschend einen "dramatischen Gewinneinbruch" beschert.

po FRANKFURT/M. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2001, mit denen sich Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf.-E. Breuer in Kürze aus dem Vorstand verabschiedet, sind alles andere als ein Glanzstück. Wie Breuer gestern mitteilte, ging das Ergebnis vor Ertragsteuern und durch die Umstellung auf die US-Bilanzierungsmethoden um knapp 74 % auf 1,8 Mrd. Euro zurück. Der Jahresüberschuss reduzierte sich sogar auf 167 Mill. Euro. Der Grund liegt laut Breuer in einem "dramatischen Ertragsrückgang", einer verdoppelten Risikovorsorge sowie Restrukturierungsaufwendungen.

Im vierten Quartal schrieb die Deutsche Bank sogar rote Zahlen. Wie aus den Unterlagen für die gestrige Analystenkonferenz hervorging, lag der Verlust vor Steuern bei 800 Mill. Euro. Damit steht die Deutsche Bank nicht alleine da: Die US-Investment-Bank JP Morgan Chase kam im vierten Quartal 2001 auf einen Verlust von 332 Mill. US-Dollar. Die Citygroup meldete indes einen Quartalsgewinn von 3,88 Mrd. Dollar - mit diesen beiden US-Banken misst sich der Frankfurter Branchenprimus im Wettbewerb.

Die Zahlen der Deutschen Bank sind durch Sonderfaktoren beeinflusst, die aus der erstmaligen Anwendung der amerikanischen Bilanzierungsregeln US-Gaap resultieren. Das Ergebnis 2001 wird unter anderem verzerrt von der unterschiedlichen Behandlung der Versicherungsaktivitäten, Abschreibungen auf Private-Equity-Investments sowie "widrige Ereignisse bei Beteiligungen wie Mannesmann Arcor und Gerling", so Breuer.

Die Verdoppelung der Risikovorsorge auf rund 1 Mrd. Euro resultiert vor allem aus den Pleiten des US-Konzerns Enron und der Fluggesellschaft Swiss Air sowie der Krise in Argentinien. Als erfreulich stellte der Deutsche-Bank-Chef dar, dass die Kosten auf dem Niveau des Vorjahres verharrten.

Während das Vorsteuerergebnis in dem von Breuer verantworteten Bereich Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM) um 88 % auf 240 Mill. Euro fiel, verzeichnete die von seinem designierten Nachfolger Josef Ackermann betreute Sparte Firmenkundengeschäft und Investment-Banking (CIB) einen Rückgang um 35 % auf 2,703 Mrd. Euro.

Trotz des Gewinneinbruchs will Breuer an den Rendite-Zielen festhalten, die bereits in der Vergangenheit galten. Die Eigenkapitalrendite soll 2003 wieder auf 15 % nach Steuern steigen. Das ist sehr ehrgeizig, denn 2001 erreichte die Bank nur 3,26 %, nach 12,25 % im Vorjahr.

Hinsichtlich der Spekulationen der letzten Tage, die Deutsche Bank plane eine weitere Geschäftsverlagerung nach London und New York, stellte Breuer klar: "Dies war und ist keine Frage, die der Vorstand ernsthaft diskutiert. Auch in Zukunft gibt es keinerlei Grund, dass diese Frage diskutiert wird." Ackermann, der den Sprecherposten im Mai übernimmt, bekräftigte das Bekenntnis zum Finanzplatz Frankfurt. Breuer meinte, "das klassische Bankgeschäft mit deutschen Privat- und Firmenkunden steht nicht zur Disposition".

Breuer stellte auch die neue Führungsstruktur vor, die die Zahl der Vorstandsmitglieder reduziert und das operative Geschäft auf ein "Exekutiv-Komitee" verlagert. Dieses Modell sei entgegen Berichten der letzten Tage mit deutschem Recht vereinbar und führe keineswegs eine "CEO-ähnliche" Chefposition ein, sagte er.

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