Breuer wird zunächst Aufsichtsratschef bei der Börse AG bleiben
Deutsche verkauft Börsen-Aktien

Für die Börsen AG erhöhen sich damit nach Meinung von Analysten mittelfristig die Chancen auf einen Aufstieg in den Dax

po/pot FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank setzt ihre Strategie der Beteiligungsverkäufe konsequent um. Die Frankfurter Großbank hat sich von ihrer 9,3prozentigen Beteiligung an der Deutsche Börse AG getrennt. Das Aktienpaket wurde am Mittwoch abend und Donnerstag vormittag bei institutionellen Investoren platziert. Schwerpunkt der Platzierung war Großbritannien. Darüber hinaus wurden Pakete in den USA, Europa und Deutschland veräußerst, sagt die Deutsche Bank.

Der Verkaufspreis lag bei 34,50 Euro pro Aktie, was einem Abschlag von 1 % gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag entspricht. Insgesamt hat die Deutsche Bank durch den Verkauf rund 360 Mill. Euro eingenommen, den größten Teil davon ergebniswirksam, heißt es. Nach Angaben der Bank war die Nachfrage nach den Aktien um ein Mehrfaches höher als das Angebot. Dieses rege Interesse an den Börsen-Aktien kontrastiert mit der geringen Wertschätzung, die derzeit andere Finanzdienstleister wie Banken und Versicherungen am Aktienmarkt erfahren.

Mit dieser Transaktion macht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann deutlich, dass alle Beteiligungen auf dem Prüfstand stehen. In die Ära Ackermann fiel bereits der Verkauf des 4,3 %-Paketes am weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück für rund 1,6 Mrd. Euro. Davon blieb ein hoher dreistelliger Millionenbetrag in den Büchern der Bank. Im ersten Quartal verkaufte die Bank ferner 0,5 % an der Allianz. Das restliche Beteiligungsportfolio der Deutschen Bank ist durch die Börsenflaute zusammengeschmolzen. Analysten von MM Warburg bezifferten den Wert vergangene Woche noch auf 2,1 Mrd. Euro.

Auf die Rolle von Rolf-E. Breuer als Aufsichtsratschef der Börse hat die Transaktion nach Angaben der Deutschen Bank vorläufig keine Auswirkung. Breuer, zugleich Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, sei bei der Börse "im Amt und beabsichtigt auch seinen Verpflichtungen nachzukommen", so ein Sprecher. Abzuwarten bleibt aber, wie die neuen Anteilseigner auf der nächsten Hauptversammlung der Börse im Mai 2003 abstimmen. Es ist anzunehmen, dass diese dann selbst einen Sitz im Aufsichtsrat wahrnehmen wollen.

Als Abkehr von der Frankfurter Börse und damit auch dem Finanzplatz Frankfurt will Ackermann die Trennung von dem Aktienpaket nicht verstanden wissen. "Auch wenn die Deutsche Bank künftig kein Aktionär der Deutschen Börse mehr ist, so bleiben wir doch ein wichtiger Kunde der Börse und werden unsere traditionell guten und vielfältigen Geschäftsbeziehungen fortführen", lässt sich der Vorstandssprecher zitieren.

Die Börse selbst bewertet den Verkauf des Pakets positiv. "Das macht die Aktie attraktiver", sagt ein Sprecher. Vor allem steigen jetzt die Chancen auf einen Aufstieg in den Dax. Mit einem Marktwert von rund 4 Mrd. Euro ist die Börse heute einer der größten Werte im MDax. Mit dem Verkauf des Deutsche-Bank-Pakets erhöht sich der Streubesitz, der bei der Aufnahme in den Dax ein wichtige Rolle spielt, auf über 94 %. "Damit haben sich die Chancen auf einen Aufstieg in den Dax verbessert", sagte Heiko Frantzen, Analyst von Sal Oppenheim. Neben der Börse gilt aber auch Beiersdorf als heißer Dax-Anwärter. Die Aktie der Börse legte gestern Abend um fast 6 % auf 36,85 Euro zu.

Die Deutsche Bank ist nicht der erste Altaktionär, der seit der Erstemission der Börse AG im Februar 2001 seine Anteile verkauft. Zuvor hatten bereits diverse Maklerfirmen und Banken Aktien abgegeben. Größter Einzelaktionär ist nach Angaben der Börse nunmehr die Gruppe Allianz/Dresdner Bank. Mit 5,9 % ist das Duo auch der einzige Aktionär mit einem Anteil von mehr als 5 %.

Quelle: Handelsblatt

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