Breuers Abschiedsrede
Deutsche Bank in der Opfer-Rolle

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2002 gegenüber den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres das Vorsteuerergebnis nach US-GAAP von 0,9 auf 1,3 Milliarden Euro erhöhen. In seiner Abschiedsrede als Vorstandssprecher wies Rolf-E. Breuer, der am Ende der Hauptversammlung Hilmar Kopper als Aufsichtsratschef ablösen wird, auf die um 14 Prozent auf 6 Milliarden Euro gesunkenen zinsunabhängigen Aufwendungen hin.

DÜSSELDORF. Breuer wertete dies als Erfolg des neuen Kostensparprogramms. Allerdings gingen auch die Erträge nach Risikovorsorge zurück (-7% auf 7,9 Mrd. Euro). Die Dividende beträgt unverändert 1,30 Euro je Aktie. Breuer zeigte sich mit dem Ergebnis nicht zufrieden, die Bank habe sich in einem schlechten Umfeld aber "respektabel geschlagen".

Gegenüber seinen Wettbewerbern habe das Institut im Investmentbanking sogar Marktanteile hinzugewonnen. 2002 werde zwar ebenfalls ein schwieriges Jahr. Breuer sah aber das Ende der weltweiten konjunkturellen Talsohle erreicht. Als Ziel des Hauses definierte Breuer in den Kerngeschäftsfeldern Corporate Banking & Securities, Cash Management & Trade Finance (CIB) sowie Private und Business Clients, Asset Wealth Management und Asset Management (PCAM) "zu den drei führenden Anbietern im Markt zu gehören". Werde dieses Ziel in einem Kernbereich "in einem überschaubaren Zeitraum" nicht erreicht, dann werde man sich vom entsprechenden Teilbereich trennen, kündigte Breuer an.

Als Hauptproblem sah Breuer die hohen Kosten. "Sie sind der wesentliche Grund für mangelnde Profitabilität." Tatsächlich ist die Deutsche Bank gemessen am Return of Investment und der Aufwand-Ertrags-Relation gegenüber den wichtigsten Instituten wie die Citigroup noch nicht wettbewerbsfähig. Den kräftigen Ergebnisrückgang im vergangenen Jahr führte Breuer vornehmlich höheren Abschreibungsbedarf aus Kreditengagements zurück. Dabei leistete sich Breuer mit der Aussage, die Bank sei "auch Opfer des einen oder anderen prominenten Einzelfalls" einen versteckten Seitenhieb auf Leo Kirch. Der Ex-Medienmogul hatte vor einigen Wochen Strafanzeige gegen Breuer erstattet, weil dieser gegenüber einem Fernsehsender im Februar die Kreditwürdigkeit der Kirch-Media in Frage gestellt hatte und den beschleunigten Absturz des Medienkonzerns mit ausgelöst hatte.

Die Schwächen äußern sich in der geringen Marktkapitalisierung, wie der neue Aufsichtsratschef deutlich machte. Breuer, der den Aufsichtsrat gegenüber dem Vorstand der Bank stärken will, deutete auch an, dass sein Haus in den kommenden Monaten keine Übernahme aktiv plant. "Der Blick richtet sich in den kommenden 18 Monaten bewusst nicht nach Außen, sondern nach Innen," betonte er. Bereits auf der Bilanz-Pressekonferenz Ende Januar hatte Breuer die Erhöhung der Marktkapitulation als wichtiges Ziel formuliert. Josef Ackermann, der mit dem heutigen Tag die Sprecherfunktion im Vorstand und den Vorsitz (Chairman) in dem noch wichtigeren neuen Führungsgremiums "Group Executive Committee", hatte im Herbst 2001 gar vor einer möglichen feindlichen Übernahme durch einen Konkurrenten gewarnt, was Breuer mittlerweile aber als "unwahrscheinlich" relativierte.

Im vergangenen Jahr hatte Ackermann wegen einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit Gespräche mit der britischen Retailbank Lloyds TSB geführt, die aber abgebrochen wurden. In Finanzkreisen heißt es, für die Deutsche Bank habe die Gefahr bestanden, wegen der deutlich geringeren Marktkapitalisierung, in die Rolle des Juniorpartners gedrängt zu werden. Vor einigen Wochen hatte Ackermann daher die Verdopplung der Kapitalisierung innerhalb von rund 12 Monaten durcheine höhere Profitabilität zu erreichen.

Breuer hob noch einmal die deutschen Wurzeln des Instituts: "Wir sind davon überzeugt, dass unsere deutschen Wurzeln und unser Standort in der größten Volkswirtschaft Europas ein deutlicher Wettbewerbsvorteil." Mit der Stabsübernahme des Schweizers Ackermann war Anfang des Jahres die Befürchtung aufgekommen, die Deutsche Bank plane den Standortwechsel nach London. Dem widersprach Breuer auch heute. Tatsache ist jedoch, dass Ackermann sein Hauptbüro in London unterhält und die Einrichtung des Group Executive Committee den Vorstand faktisch weitgehend entmachtet. In diesem haben die Angelsachsen die Mehrheit. Vor diesem Hintergrund erwarten nicht wenige Frankfurter Banker, dass die Diskussion um einen Umzug in die britische Hauptstadt zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufkommen werde.

Der scheidende Vorstandssprecher ist auch Gerüchten entgegengetreten, wonach das Institut auf die Schaffung einer Deutschen Anlagenbau AG hinwirke. Es gebe keine entsprechenden Pläne, sagte Breuer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%