Brian Gilbertson ist designierter Chef von BHP Billiton
Brian Gilbertson: Der Herrscher über die Rohstoffe

Er hat schon viel erreicht. Brian Gilbertson schuf aus einem trägen, auf Südafrika konzentrierten Unternehmen den international tätigen Billiton-Konzern. Jetzt schmiedet der 58-jährige Physiker die weltweit zweitgrößte Rohstoff-Gruppe.

KAPSTADT Brian Gilbertson ist Uhren-Fan. Der Chef des britisch-südafrikanischen Bergbauunternehmens Billiton hat sich eine stattliche Sammlung an Wand- und Taschenuhren zugelegt. Er soll aber auch einige wertvolle Zeitmesser von Rolex besitzen. Die zeigt der Südafrikaner, der seinen Reichtum bisweilen offen zur Schau stellt, gerne in der Öffentlichkeit.

Der 58-Jährige hat auch im Geschäftsleben ein Gespür für das richtige Timing. Das hat Gilbertson bei der Fusion bewiesen, die er im Frühjahr einfädelte: den Zusammenschluss seines Unternehmens Billiton mit dem größeren australischen Rohstoffkonzern Broken Hill Propriated (BHP).

Das Fusionsprojekt taufte er auf den Codenamen "Brigitte Bardot". Die wohl geformte französische Schauspielerin, verrät Gilbertson, habe er in seiner Teenagerzeit als die perfekte Frau verehrt. "Mir war von Anfang an klar, dass die Kombination BHP und Billiton ähnlich perfekt passen würde", ist er überzeugt. Während Billiton sich auf Kohle, Aluminium und Nickel konzentriert, ist BHP stark in der Eisenerzgewinnung sowie im Stahl- und Ölgeschäft.

Der auf 28 Milliarden Dollar veranschlagte Merger stellt zweifelsohne die Krönung seiner Karriere dar. Gilbertson soll im nächsten Jahr an die Spitze des weltweit zweitgrößten Rohstoffkonzerns BHP Billiton aufsteigen.

Die Vorarbeit dazu leistete er bei seinem jetzigen Arbeitgeber. Mit Voraussicht und enormer Willenskraft krempelte Gilbertson, der früher einmal als Physiker in der Forschung arbeitete, Billiton in nur zehn Jahren völlig um. Aus dem nur auf Südafrika beschränkten, trägen Konglomerat formte er einen weltweit tätigen Konzern.

Früher als viele seiner Konkurrenten erkannte Gilbertson, dass südafrikanische Konzerne nur dann auf dem Weltmarkt eine Chance haben, wenn sie internationales Kapital nutzen können. Zur allgemeinen Überraschung brachte er die Regierung am Kap dazu, die Verlegung des Firmensitzes nach London zu genehmigen. Außerdem durfte der Rohstoffkonzern seine Aktien in der britischen Hauptstadt zur Hauptnotiz anmelden. Damit wurde Gilbertson 1997 zum Trendsetter für andere Unternehmen Südafrikas wie für den langjährigen Erzrivalen, den Edelmetall-Konzern Anglo American.

Auch beim fusionierten Konzern BHP Billiton gibt er den Ton an. Obwohl der Merger so angelegt ist, dass BHP den Rivalen Billiton übernimmt, werden Gilbertson und sein überwiegend südafrikanisches Managementteam den künftigen Kurs der neuen Gruppe bestimmen - und nicht BHP-Chef Paul Anderson. Dessen Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus.

In der patriotisch gesinnten australischen Presse stieß die Ernennung eines Ausländers zum designierten Chef des südafrikanisch-australischen Rohstoffkonzerns zunächst auf wenig Zustimmung. Fast unisono warf sie Anderson vor, er habe zu viel für Billiton bezahlt und dann auch noch den Südafrikanern das Management überlassen. Dabei hat Anderson Wort gehalten. Er hat den Konzern saniert und einen geeigneten Nachfolger für den Chefposten gefunden.

Gilbertson ist bei Billiton als jemand bekannt, der ein Unternehmen mit harter Hand führt. Trotzdem ist er bereit, Verantwortung zu delegieren und junge Manager zu fördern. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne treibt zwar das Wachstum mit Macht voran, aber er vermeidet es, sich finanziell zu verheben. Sein Rat ist auch als Direktor der südafrikanischen Zentralbank gefragt. Der Manager, mit einer gehörigen Portion Charme, hat sich trotz seines großen Egos Bodenhaftung und den Sinn für Humor bewahrt.

Seine Liebe zum Detail, die einem Schweizer Uhrmacher zur Ehre gereichen würde, dürfte ihm auch das Zusammenführen der beiden Firmenkulturen erleichtern. Schon jetzt verbringt er seine meiste Zeit in der neuen Konzernzentrale im australischen Melbourne. Deshalb kann er kaum noch das Privileg genießen, um das ihn viele beneiden: in Johannesburg mit dem eigenen Hubschrauber einzuschweben. Gilbertson besitzt den einzigen Hubschrauberlandeplatz in der City.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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