Brief an Aktionäre
Daimler vor Milliardenverlust

Der Kurs der Daimler-Chrysler - Aktie ist am Montag in Erwartung eines Milliardenverlusts der Konzerntochter Chrysler deutlich unter Druck geraten. Der Konzern hatte zuvor für Montagnachmittag einen Brief an seine Aktionäre angekündigt, in dem auch Geschäftszahlen enthalten sein sollten.

Reuters FRANKFURT. Einem Zeitungsbericht zufolge wird die US-Sparte im vierten Quartal einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro ausweisen. Daimler-Chrysler selbst nannte zunächst keine Details dazu. Die Aktien der Daimler-Chrysler gaben darauf hin zunächst bis auf 46,80 Euro nach und lagen am Mittag mit 47,60 Euro noch um 0,9 % unter dem Schlusskurs vom Freitag. Der Deutsche Aktienindex (Dax) lag zur gleichen Zeit 2,1 % im Plus.

Trotz des Kursrückgangs lag die Daimler-Chrysler-Aktie noch über ihrem Rekordtief von 44,01 Euro vom 30. November. Seit dem Frühjahr 1999 hat das Papier wegen der Ertragsprobleme im US-Geschäft allerdings mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Daimler-Chrysler Intraday-Chart

Ein Konzernsprecher sagte am Montag, sein Unternehmen werde am Nachmittag einen Aktionärsbrief veröffentlichen, in dem auch einige Geschäftszahlen enthalten seien. Daher könne er zu einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über einen angeblich wachsenden Verlust von Chrysler im vierten Quartal keine Stellung nehmen.

Die Zeitung hatte unter Berufung auf Frankfurter Finanzkreise weiter berichtet, durch den höheren Verlust von Chrysler im Schlussquartal werde die US-Sparte in diesem Jahr in der Summe nur einen geringen operativen Gewinn von etwa 500 Mill. Euro ausweisen. Im Jahr zuvor hatte Chrysler 5,2 Mrd. Euro verdient. Im gesamten Daimler-Chrysler-Konzern werde sich durch die Probleme im US-Geschäft der operative Gewinn ohne Einmaleffekte in diesem Jahr auf 5,0 bis 5,5 (Vorjahr 10,3) Mrd. Euro in etwa halbieren. In dem Brief werde Firmenchef Jürgen Schrempp ankündigen, dass das kommende Jahr für den Konzern noch schwieriger werde. Gleichzeitig wolle Schrempp bei den Aktionären um Vertrauen werben.

Händler und Analysten sagten, viele negative Erwartungen seien bereits im derzeitigen Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie enthalten. "Wie erwartet, sieht die Situation schlimmer aus als zuvor angenommen", sagte Auto-Analystin Pia-Christina Schulze vom Bankhaus Merck Finck. Die Frage sei, wie lange diese Entwicklung anhalte.



Chrysler leidet unter verschärftem Preiswettbewerb

Die Chrysler-Sparte leidet durch Kosten für mehrere Modellwechsel und hohe Rabatte für auslaufende Modelle besonders stark unter dem sich stetig verschärfenden Preiswettbewerb auf dem US-Markt. Im dritten Quartal hatte die US-Tochter einen Verlust von 579 Mill. Euro erwirtschaftet, sollte ursprünglich im Schlussquartal jedoch wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Mitte November hatte Konzernchef Schrempp dann die Führung bei Chrysler auswechseln lassen.

Der neue Chrysler-Chef Dieter Zetsche soll nun bis Februar ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung der US-Sparte vorlegen. Branchenbeobachter rechnen mit einem erheblichen Stellenabbau und der Schließung eines oder sogar mehrerer Chrysler-Werke in den USA. Im Rahmen der Ernennung Zetsches hatte Daimler-Chrysler angekündigt, dass die Ergebnisse von Chrysler schlechter als zuvor vorhergesagt ausfallen würden, und dies werde sich auch auf das Konzernergebnis auswirken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%