Brief an Aktionäre geplant
Chrysler droht angeblich 2,8 Mrd. DM Verlust im vierten Quartal

Der Daimler-Chrysler-Konzern wird nach einem Zeitungsbericht im vierten Quartal in den USA einen Verlust nach US-Rechnungslegung von etwa 1,4 Mrd. Euro (2,8 Mrd. DM) machen.

Reuters BERLIN. Der Daimler-Chrysler-Konzern wird nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im vierten Quartal in den USA einen Verlust nach US-Rechnungslegung von etwa 1,4 Mrd. Euro (2,8 Mrd. DM) machen. Im Gesamtjahr dürfte die angeschlagene Chrysler-Sparte einen operativen Gewinn von 500 Mill. Euro nach 5,2 Mrd. Euro im Vorjahr machen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Frankfurter Finanzkreise am Sonntag vorab.

Die Daimler-Chrysler AG wird ihre Aktionäre über die derzeitige Lage informieren und nach einem Zeitungsbericht dabei am Montag wegen der Probleme bei Chrysler eine Halbierung des Konzernbetriebsgewinns ankündigen. Ein Konzernsprecher sagte am Sonntag in Stuttgart, Firmenchef Jürgen Schrempp habe einen Brief an die Aktionäre verfasst. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete vorab, darin lege Schrempp dar, dass der operative Gewinn ohne Einmaleffekte in diesem Jahr auf 5,0 bis 5,5 Milliarden Euro nach 10,3 Milliarden Euro im Vorjahr sinken werde. Die US-Sparte Chrysler werde im vierten Quartal voraussichtlich einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro erzielen. Der Brief an die Aktionäre solle am Montag verschickt werden.

Schrempp wirbt um Vertrauen

Der Daimler-Chrysler-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu den in dem Zeitungsbericht genannten Ergebniszahlen ab, bestätigte aber, dass die Aktionäre ein Schreiben erhalten sollten. In dem Brief wird Schrempp nach dem FAZ-Bericht auch um das Vertrauen der Aktionäre werben. Gleichzeitig werde Daimler-Chrysler ankündigen, dass das kommende Jahr für den Konzern noch schwieriger sein werde.

Die Chrysler-Sparte leidet durch Kosten für mehrere Modellwechsel und Rabatte für auslaufende Modellreihen besonders stark unter dem immer schärferen Wettbewerb auf dem US-Markt. Im dritten Quartal hatte die Sparte einen Verlust von 579 Millionen Euro ausgewiesen. Mitte November hatte Daimler-Chrysler-Chef Schrempp daraufhin die Führung von Chrysler ausgewechselt. Zum neuen Chrysler-Chef wurde damals der bisherige Nutzfahrzeug-Vorstand Dieter Zetsche ernannt, der nun bis Februar ein Konzept zur grundlegenden Neuausrichtung von Chrysler vorlegen soll. Der alten Chrysler-Führung wird nach früheren Angaben aus Firmenkreisen vorgeworfen, stets zu optimistische Geschäftsprognosen gemacht und zu spät gegengesteuert zu haben.

Erste Werke kurzfristig stillgelegt

In ersten Maßnahmen hatte die neue Chrysler-Führung in mehreren Schritten einige Werke kurzzeitig stillgelegt, um den hohen Bestand an bereits gefertigten Fahrzeugen zu reduzieren und so auch den Zwang zu Preisnachlässen zu verringern. Zudem hat Chrysler angekündigt, in Zusammenarbeit mit den Zulieferern binnen zweier Jahre die Materialkosten um rund 15 Prozent senken zu wollen, was eine jährliche Einsparung von dann sechs Milliarden Dollar bedeuten würde. Darüber hinaus zieht Daimler-Chrysler zur Kosteneinsparung eine enge Kooperation von Chrysler mit dem japanischen Autohersteller Mitsubishi Motors in Betracht, an dem Daimler-Chrysler mit 34 Prozent beteiligt ist.

Nach ursprünglichen Plänen des Stuttgarter Konzerns hätte Chrysler nach dem Verlust im dritten Quartal im Schlussquartal des Jahres bereits wieder schwarze Zahlen schreiben sollen. Im Rahmen dieser Prognose hatte Daimler-Chrysler einen Rückgang des operativen Gewinns des Gesamtkonzerns ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten auf etwa sieben Milliarden Euro in diesem Jahr angekündigt. Bei der Ernennung Zetsches vor rund vier Wochen hatte Daimler-Chrysler dann aber angekündigt, die Ergebnisse von Chrysler würden unter der vorherigen Prognose liegen, was sich auch auf das Konzernergebnis auswirken werde.

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