Briegel im Aufsichtsrat
Dank Beck: Aufbruchstimmung beim FCK

Als souveräner Leiter der brisanten Mitgliederversammlung des Krisen geschüttelten 1. FC Kaiserslautern hat der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck die befürchtete Schlammschlacht verhindert und für Aufbruchstimmung gesorgt. Mit der Wahl des neuen Aufsichtsrats mit Ex-Nationalspieler Hans-Peter Briegel als Galionsfigur stellte der sportlich wie finanziell angeschlagene pfälzische Fußball-Bundesligist in der Nacht zum Mittwoch erste Weichen für eine hoffnungsvollere Zukunft.

HB/dpa KAISERSLAUTERN. "Das Sportliche muss auf mehrere Schultern verteilt werden. FCK- Stärken waren immer, mit wenig Mitteln das Optimale herauszuholen. Dafür werde ich kämpfen, so wie ich es früher auf dem Platz getan habe." Die populistischen Worte der populären "Walz von der Pfalz" fielen beim Wahlvolk in der sechseinhalbstündigen Sitzung auf fruchtbaren Boden. Mit dem Top-Wahlergebnis (1303 der 1701 gültigen Stimmen) wurde der 72malige Internationale ins Kontrollorgan berufen. Diesem gehört in Roger Lutz ein weiterer früherer FCK-Profi an.

Aus dem Kreis des Fußball-Duos, Finanzfachmann Walter Ruda von der Fachhochschule Kaiserslautern, Außenhandelskaufmann Dieter Buchholz, Rechtsanwalt Michael Koll sowie den im Amt verbliebenen Mitgliedern Bernhard Deubig und Walter Zuber wird an diesem Donnerstagabend auf der konstituierenden Sitzung der Aufsichtsrats-Vorsitzende gewählt. Danach soll der als "Retter" an den Betzenberg geholte bisherige Notvorstand René C. Jäggi zum Vorstands-Vorsitzenden berufen werden.

"Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat. Wir müssen jetzt nur noch nach vorn schauen und alle Kräfte bündeln. Denn es gibt noch viel zu tun", sagte der von den über 2000 Mitgliedern in der Barbarossa-Halle als Messias gefeierte Sanierungs-Spezialist aus Basel. Dank Becks geschickter und beschwichtigender Führung ("Wir müssen alle am gleichen Strang ziehen, um einen Neuanfang für den FCK zu machen") wurden alle Ansätze zu neuerlichen Grabenkämpfen im Keim erstickt und der wochenlange Selbstzerfleischungsprozess gestoppt.

Bei allem angestrengten Bemühen um Harmonie blieb die Abrechnung mit dem am Vorabend zurückgetretenen alten Aufsichtsrat und dem Ex- Vorstand mit Jürgen Friedrich und Gerhard Herzog aber nicht aus. Die Mitglieder verweigerten den Alt-Führungskräften mit überwältigender Mehrheit die Entlastung. Mit dem Misstrauensvotum wurde der Weg zu etwaigen Regressansprüchen für finanzielle Ungereimtheiten offen gehalten. Geprüft werden soll, inwieweit der frühere Aufsichtsrats- Vorsitzende Robert Wieschemann, Friedrich und Herzog für finanzielle Transaktionen zu Lasten des Vereins haftbar gemacht werden können.

Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig, der sich von seinen Aufsichtsrats-Kollegen permanent übergangen fühlte, erhob schwere Vorwürfe gegen Friedrich, dessen Entlassung er zwei Mal vergeblich gefordert habe. Friedrich habe dem Kontrollorgan mehrfach Vertragsinhalte bei den Transaktionen der Spieler Taribo West und Ciriaco Sforza verschwiegen. Im Fall West seien drei Mal 1,5 Mill. DM für dessen Persönlichkeitsrechte an eine Mailänder Firma überwiesen worden. Sforza war per Extraklausel nach seinem Karriere-Ende der Posten eines Sportdirektors zugesagt worden.

Deubig kritisierte auch, dass Friedrich vom FCK für 2003 noch 100 000 ? erhalte, obwohl sein Vertrag am 31. Dezember 2002 endet. Zudem enthüllte der bisher kommissarische Aufsichtsrats-Chef Hubert Keßler, das Trio habe Herzogs Vertrag am Aufsichtsrat vorbei bis 30. Juni 2004 verlängert. Geprüft werde die Aussicht einer Strafanzeige. Friedrich und Wieschemann wohnten der Versammlung bei, verzichteten aber auf Rechtfertigungsreden und verließen den Saal kommentarlos.

dpa sz yyhe tp 061347 Nov 02

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%