Brillenkönig betreibt seit Jahren eigenen Bioladen – Bauern sollen beteiligt werden
Optiker Fielmann tüftelt an Ladenkette für ökologische Feinkost

Noch in diesem Jahr will Günther Fielmann mit dem Aufbau einer Feinkostkette für ökologisch produzierte Lebensmittel beginnen. Zehn bis 20 Läden hält er in norddeutschen Großstädten für machbar. An der Vertriebsgesellschaft Hof Lütjensee GmbH sollen sich auch Landwirte und Produzenten beteiligen können.

HAMBURG. Von Hause aus ist Günther Fielmann bekanntlich Optiker - und dabei sehr erfolgreich. Doch Rinderwahnsinn BSE, Maul- und Klauen-Seuche und Schweinemast-Skandale haben bei Fielmann die Überzeugung reifen lassen, dass die Zeit da ist, um eine Kette anspruchsvoller Feinkostgeschäfte für ökologische Lebensmittel zu gründen. Der Startschuss für das erste Geschäft in einer norddeutschen Großstadt soll noch in diesem Jahr fallen.

Grundsätzlich hält Fielmann eine Kette von 10 bis 20 Geschäften in Norddeutschland für machbar, sagte er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt auf seinem Gut Schierensee. Die Läden sollten "eine ordentliche Rendite" erwirtschaften. Sie könnten als Franchisemodell oder von Geschäftsführern geleitet werden, die am Gewinn beteiligt sind, überlegt der deutsche Brillenkönig. Fielmann tendiert zum Geschäftsführermodell, schon aus den Erfahrungen mit der eigenen Optikfilialkette, der größten in Europa. 1999 erwirtschaftete die Fielmann-Gruppe mit 459 Niederlassungen einen Außenumsatz von 1,27 Mrd. DM und verkaufte 4,7 Mill. Brillen.

Die Marke der Bioläden steht bereits fest. In der Hof Lütjensee GmbH hat sich Fielmann schon seit Jahren eine Vertriebsgesellschaft geschaffen. An dieser Gesellschaft sollen sich Öko-Bauern, die die Läden beliefern wie auch Hersteller ökologischer Lebensmittel beteiligen können, um die Wertschöpfungskette aus einem Guss zu formen und den Großhandel auszuschalten. Genau wie bei den Optikläden. Fielmann: "Wir werden auf jeden Fall günstiger anbieten als Kollegen."

Zugleich weiß der Unternehmer auch, dass er ein lückenloses Kontroll- und Qualitätsmanagement für die Feinkostkette braucht. "Fehler hätten sofort negative Auswirkungen auf mein Brillengeschäft. "

10 Jahre Erfahrung

Erfahrungen mit ökologischer Landwirtschaft und dem Vertrieb von Öko-Lebensmitteln sammelt Fielmann bereits seit zehn Jahren. Auf seinem Öko-Hof in Lütjensee führt er unter einen Hofladen als Pilotprojekt. Kunden kommen auch aus dem 30 Kilometer entfernten Hamburg. Auf knapp 90 qm Verkaufsfläche setzte Fielmann im vergangenen Jahr mit 2 800 geprüften Produkten rund 2 Mill. DM um. Dass der Laden noch nicht die Kosten deckt, erklärt Fielmann mit der für die Ladengröße zu hohen Zahl von Mitarbeitern.

Die Lehre aus diesen Erfahrungen ist, dass auf dem Lande liegende Hofläden sich schwerer rechnen und der Verkauf in den Ballungszentren angesiedelt werden muss - mit entsprechend größeren Verkaufsflächen. Derzeit wird in Lütjensee unter der Adresse www.hof-luetjensee.de der Online-Verkauf mit Versand getestet - mit guten Erfolg, so ein Fielmann-Sprecher.

Dabei kann sich der Ökoladen, der der Bioland-Gruppe angeschlossen ist, derzeit nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Seit der BSE-Krise in Deutschland sind die Umsätze um mehr als 50 % gestiegen. Während bundesweit der Rindfleischverkauf in zweistelligen Raten schrumpft, legt er in Lütjensee zu. Und dies, obgleich die Preise um 30 bis 40 % über denen der herkömmlicher Lebensmittel liegen.

type="person" value="Fielmann, Günther">Fielmann fordert von Künast Taten

Dass die Preisunterschiede keine Willkür sondern produktionsbedingt sind, kann Fielmann belegen. Der Eigner von 2 000 Hektar Anbaufläche auf vier Gütern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lässt über die Erträge Buch führen und legt diese - anders als die meisten Öko-Höfe - offen.

Während in der konventionellen Landwirtschaft beim Getreideanbau einschließlich der Subvention pro Hektar zwischen 700 und 1 000 DM erlöst werden, sind dies beim Öko-Anbau nur rund 500 DM. Der Grund: der Verzicht auf Düngemittel und Pestizide senkt die Ernteerträge drastisch. Hinzu kommt, dass die Öko-Höfe jährlich rund 20 % ihrer Flächen zur Erholung stilllegen. Während konventionell pro Hektar im Durchschnitt 85 Doppelzentner Weizen geerntet werden, waren dies auf Fielmanns Öko-Hof in Mecklenburg nur 37,5 Doppelzentner. Die höheren Preise für Öko-Getreide gleichen den Mindermengen-Nachteil nicht aus. Auch die Tierhaltung ist flächenintensiv und die Aufzucht dauert dementsprechend länger.

Den Ansatz von Landwirtschaftsministerin Renate Künast, den Anteil der Öko-Landwirtschaft bis 2005 von 2,5 auf 10 % zu steigern. begrüßt Fielmann. Doch fordert er entsprechende Taten. Dazu gehört, dass den umsteigewilligen Landwirten eine Garantie gegeben werden müsse, dass ihre Einkommen nicht unter das bisherige Niveau absinken. Sonst gebe es keinen Anreiz zur Umstellung.

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