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Brillenkönig Günther Fielmann tritt nicht ab

Deutschlands Brillenkönig Günther Fielmann erreicht heute, 17. September, das gesetzliche Rentenalter, will aber noch längst nicht abtreten. Auf entsprechende Fragen pflegt Fielmann zu antworten, er fühle sich gut und habe eine wichtige Aufgabe.

dpa HAMBURG. Deutschlands Brillenkönig Günther Fielmann erreicht heute, 17. September, das gesetzliche Rentenalter, will aber noch längst nicht abtreten. Auf entsprechende Fragen pflegt Fielmann zu antworten, er fühle sich gut und habe eine wichtige Aufgabe.

Einen offiziellen Nachfolger gibt es nicht, die eigenen Kinder sind noch nicht erwachsen. So wird wohl Fielmann selbst die Expansion seiner Optik-Kette in Europa weiter vorantreiben und die Erfolgsgeschichte weiterschreiben, die vor mehr als 30 Jahren im niedersächsischen Cuxhaven begann.

Dort eröffnete Fielmann 1972 sein erstes Geschäft und legte sich vom ersten Tag an mit seinen Zunftkollegen an. "Die Preise der Optiker waren einheitlich hoch und die Kassenbrillen zeitlos hässlich", erinnert sich der Unternehmer. "Ich habe mir gesagt: Das kann man auch anders machen!" Fielmann knackte die kartellartigen Verfilzungen der Optikerbranche, stellte sich in bewussten Gegensatz zu den traditionellen Optikern und begnügte sich mit einem Bruchteil der satten Gewinne, die einstmals bis zu 300 % betrugen. Mit modischen Kassenbrillen zum Nulltarif rollte er den Markt auf und brachte den Wind des Wettbewerbs in satte Zunft.

Die Konkurrenz wütete, belegte ihn mit Hunderten von Klagen, warf ihm Dumping, Wettbewerbsverstöße oder Qualitätsmängel vor. Fielmann reagierte oft gereizt, keilte juristisch zurück, gab auf seine Brillen erst zwei, dann drei Jahre Garantie und kreierte Werbung, die Eingang in den Volksmund fand: "...und Papi hat keinen Pfennig dazubezahlt". In den turbulenten Jahren, als er sein Unternehmen aufbaute, blieb der Unternehmer aus dem Norden aber zäh, entschlossen und zielstrebig. Er unterbot auch bei Markenbrillen die Konkurrenten, schaltete den Zwischenhandel aus und stieg selbst in die Produktion von Brillen ein.

Der Erfolg war gigantisch. Mittlerweile verkauft Fielmann jede zweite Brille in Deutschland, sein börsennotiertes Unternehmen erreicht einen Milliardenumsatz und er beschäftigt mehr als 10 000 Arbeitnehmer. Den Namen Fielmann kennt in Deutschland fast jedes Kind. In den vergangenen Jahren hat Fielmann sein soziales und ökologisches Engagement verstärkt. Mittlerweile bewirtschaftet der gelernte Optiker vier Gutshöfe in Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern und vermarktet die Bio-Produkte unter dem Markennamen "Gut Lütjensee". "Ich bin ein echter Schleswig-Holsteiner, ein Junge vom Lande", sagt Fielmann, der aus Stafstedt bei Rendsburg kommt. "Ich habe schon als Kind immer von einem Gut geträumt." Das Hobby wirft mittlerweile Gewinn ab.

An seiner Person entzündete sich trotz des großen Unternehmenserfolgs immer auch Kritik. Zeitungsgeschichten über fliegende Schreibmaschinen und knallende Türen bestätigte der energische Unternehmer nicht. Er verweist lieber darauf, dass er schon frühzeitig seine Mitarbeiter am Gewinn beteiligte und sie sich in das erfolgreiche Unternehmen einkaufen konnten. "Wer Erfolg hat, darf keinen Beifall erwarten", sagt Fielmann. "Ich habe gelernt, Angriffe als Zuwendung zu empfinden."

Seinen Geburtstag feiert Fielmann nicht mit großem Empfang oder Fest, sondern im Familienkreis. Er heiratete 1988 und bekam mit seiner Frau einen Sohn und eine Tochter, die mittlerweile 15 und zehn Jahre alt sind. Von seiner Frau ist Fielmann seit einigen Jahren getrennt.

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