Brisante Studie
Fondsfirmen sind Herdentiere

Investmentgesellschaften lassen sich bei Fondsangeboten vom Marketing leiten. Zum Schaden der Anleger. Gegen diesen Vorwurf einer Researchfirma wehrt sich die Fondsbranche.

FRANKFURT. Die meisten "modischen" Themen- und Branchenfonds werden dann aufgelegt, wenn es bereits zu spät ist: vor dem Abkippen in die Baisse. Das glaubt die GFA Gesellschaft für Fondsanalyse mbH in Bad Homburg nachweisen zu können. Laut GFA wurden 55 % der 109 zwischen Januar 1996 und März 2001 gegründeten Aktienfonds aus den Bereichen Technologie und Informationstechnologie in der Hausse für diese Wachstumstitel ins Leben gerufen - nämlich von Dezember 1999 bis Oktober 2000. Die Fondsgesellschaften sehen sich allerdings zu Unrecht angegriffen. Das zeigen erste Stellungnahmen aus der Branche.

Ohne Zweifel litten Anleger stark unter der scharfen Baisse der Wachstumsaktien, die im März vergangenen Jahres einsetzte. "Der größte Teil der neuen Gelder fliesst ja in den ersten Monaten nach der Produktauflage in die Fonds", ergänzt Ralf Kolbe von der GFA, einer Gemeinschaftsgründung der Vermögensverwaltungs- und Fondsresearchfirma Feri Trust und der Nachrichtenagentur vwd.

Diskussion um das Thema Beratung

Die Emission von Fonds orientiert sich seiner Meinung nach stark an Börsenzyklen, wobei die beobachtete "Gründungswelle" dem Markt in seiner Aufwärtsbewegung nachlaufe. Josef Wild will das nicht gelten lassen. Als Sprecher der Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig erklärt er: "Bei der Auflage der High-Tech-Fonds spielten weniger Timing-Fragen eine Rolle als einfach die Notwendigkeit der Komplettierung von Produktpaletten. Was den Anlageerfolg angeht, muss man außerdem auf Sicht von mehreren Jahren denken und nicht kurzfristig." Auch den GFA-Kommentar zu den Mittelzuflüssen stellt er zumindest in Frage: "Bei unseren Produkten erreichten die Zuflüsse in neue Technologieaktienfonds nur einen Bruchteil dessen, was unser neuer gemischter Fonds an Anlagegeldern auf sich zog."

Anleger kaufen zum ungünstigen Zeitpunkt

Die von Marketinggedanken getriebene Fondsbranche kann laut Kolbe eine der elementaren Aufgaben verantwortungsbewußter Vermögensverwalter nicht erfüllen: "Ihren Kunden die richtige Anlage zur richtigen Zeit zu empfehlen." Wahrscheinlich fördere sie sogar ein kontraproduktives Verhalten, weil Anleger durch die Werbeaktivitäten für die Fonds zum Kauf zum ungünstigen Zeitpunkt verleitet würden. Kolbe will aber nicht nur den Anlagefirmen den Schwarzen Peter zuschieben: "Die Aktiväten der Gesellschaften verstärken noch das meist ohnehin prozyklische Verhalter der Privatanleger, die in Euphoriephasen eher bereit sind, mit der Hoffnung auf eine schnelle Mark das Risiko zu vergessen."

Thomas Richter geht auf Distanz zur GFA-Studie. Der Sprecher der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS unterstreicht: "Wir liefern Fonds als Bausteine für die Vermögensanlage." Er erinnert demnach daran, dass Beratung von Endkunden keine Aufgabe der Fondsgesellschaften ist. Beratung findet in erster Linie in den Bankfilialen statt: Die meisten Investmentgesellschaften sind Töchter großer Banken oder Bankengruppen, in denen auch ein Großteil der Produkte verkauft wird.

Mitschuld an Spekulationsblasen

Die GFA meldet weitere Kritik an. Da die Fondsverwalter der High-Tech-Fonds einen Großteil der Kundegelder häufig in marktengen Börsensegmenten anlegen müssten, seien sie dazu gezwungen, spekulative Blasen mit neuen Geldern ihrer Anleger noch ein bisschen weiter aufzublähen. "Das ist ein wichtiger Faktor zur Erklärung des Herdentriebs institutioneller Investoren", meint Kolbe. Vertreter von Fondsgesellschaften wollen das so pauschal nicht akzeptieren. "Am engen Neuen Markt kann man das nicht ausschließen, aber bei großen internationalen Wachstumswerten fehlt es nicht an Liquidität", meint Richter. Der DWS-Mann fühlt sich übrigens von der Studie nicht angesprochen: "Wir haben unsere wichtigen Technologiefonds bereits in den Jahren 1983, 1994 und 1997 aufgelegt."

Auch beim DIT Deutscher Investment-Trust stösst die Studie auf Skepsis. Matthias Jansen, Sprecher der Dresdner-Bank-Fondsgesellschaft, bemerkt: "Wir setzen auf langfristig tragfähige Anlagekonzepte und haben beispielsweise unsere Fonds für Biotech- und Logistikwerte angeboten, als diese Sektoren von der Masse noch gar nicht als trendy eingestuft wurden."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%