Briten empfehlen ihren Aktionären das Angebot anzunehmen
Euronext gewinnt Übernahmepoker um Terminbörse Liffe

Die Dreiländerbörse Euronext hat sich beim Bieterwettkampf um die Londoner Terminbörse Liffe gegen die Deutsche Börse AG und die London Stock Exchange (LSE) durchgesetzt.

abo/fs/pot FRANKFURT. Die Liffe hat ihren Anteilseignern gestern die Annahme der Euronext-Offerte empfohlen, die sich auf insgesamt 555 Mill. £ (1,74 Mrd. DM) in bar beläuft. Dies sind 18,25 £ je Liffe-Aktie. Außerdem soll der gesamte Derivatehandel von Euronext künftig auf dem Liffe-System namens Connect abgewickelt werden. Liffe-CEO Hugh Freedberg soll zum Chef des Derivatemarktes der Dreiländerbörse aufsteigen.

Die französisch-holländisch-belgische Börse Euronext kann mit der Übernahme der Liffe ihr Derivategeschäft ausweiten. Schon jetzt ist die Dreiländerbörse die Nummer zwei im europäischen Termingeschäft nach der deutsch-schweizerischen Eurex. Zugleich vollzieht Euronext nun den prestigeträchtigen Einstieg in den britischen Markt. Entsprechend euphorisch fielen die Kommentare in Paris aus. "Wir sind sehr glücklich über diese Wahl", sagte Euronext-Vorstandschef Jean-François Théodore vor einer gemeinsam mit der Liffe anberaumten Pressekonferenz. Kritik an der Höhe des Kaufpreises, der die beim Euronext-Börsengang im Sommer erzielten Einnahmen deutlich übersteigt, will Théodore nicht gelten lassen. "Das ist ein guter Preis", meinte er.

Die Frage des Handelssystems spielte eine wichtige Rolle

Die Liffe hatte sich vor einigen Wochen selbst zum Verkauf angeboten. Interesse hatten neben Euronext auch die Deutsche Börse und die LSE gezeigt. Vergangene Woche hatten die drei Aspiranten ihre Vorstellungen dem Liffe-Board präsentiert. Das Liffe Management hatte betont, dass bei der Entscheidung die Frage des Handelssystems eine wichtige Rolle spiele. Die LSE hat eigenen Angaben zufolge sogar 19 £ pro Aktie und damit mehr als Euronext geboten. Allerdings wurden nur 12 £ in bar und der Rest in Aktien der LSE offeriert. Das Gebot der Deutschen Börse soll das niedrigste gewesen.

Ein herber Rückschlag ist die Liffe-Entscheidung vor allem für die LSE. Ihr hat Euronext mit der Liffe nicht nur ihr "natürliches" Übernahmeziel im eigenen Land vor der Nase weggeschnappt. Zudem kann die LSE damit bis auf weiteres als einzige der drei großen europäischen Aktienbörsen keinen eigenen Derivatehandel anbieten. Nach Einschätzung von Finanzkreisen dürfte die LSE jetzt jedoch versuchen, einen eigenen Terminmarkt für mit Aktien unterlegte Produkte aufzubauen. Dagegen kann die Deutsche Börse die Niederlage wegen ihrer 50 %-igen Beteiligung an der Eurex noch gut verkraften. Die Börse wollte die Entscheidung der Liffe gestern nicht kommentieren.

Nach dem britischen Takeover-Code muss Euronext ihr Angebot jetzt mindestens 21 Tage aufrecht erhalten. Angenommen ist es, wenn mehr als 50 % des stimmberechtigen Kapitals dafür stimmen. Alles andere als eine Annahme der Offerte wäre eine Riesenüberraschung. Nach Angaben von Euronext haben bereits 51 % der Anteilseigner der Liffe, den Verkauf ihrer Anteile zugesichert. Gut 48 % der Liffe-Aktien liegen bei Mitgliedern des Boards. Dazu gehören auch die beiden US-Wagniskapitalfinanzierer Battery und Blackstone.

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