Briten sind in besonders schwieriger Lage
Kommentar: British Telecom reiht Fehler an Fehler

Die Aufteilung von British Telecom (BT) ist kein Befreiungsschlag, auch wenn der neue starke Mann bei BT, Chairman Christopher Bland, sie so darzustellen versucht. Was Bland gestern ankündigte, ist eine Abwicklungsstrategie unter dem Motto "Retten, was noch zu retten ist".

Am Ende bleiben zwei Unternehmen übrig: Der europäische Mobilfunkanbieter BT Wireless, der strategisch sichtbar schlechter positioniert ist als die Konkurrenten Vodafone, France Télécom und Deutsche Telekom. Der Rest heißt Future-BT, und dieser Name muss den Beschäftigten wie Hohn in den Ohren klingen. Denn eine Zukunft, an die Mitarbeiter Hoffnungen knüpfen könnten, hat dieses Unternehmen nicht. Alles, was auch nur irgendeinen Wert besitzt - das Festnetzgeschäft mit Unternehmenskunden und die Gelben Seiten -, wird verscherbelt.

Am Ende wird Future-BT aussehen wie die alte Post-Telefongesellschaft vor der Privatisierung im Jahr 1984. Sie wird eine noch immer monopolistisch geprägte Festnetztelefongesellschaft für britische Privatkunden sein.

Gleichzeitig wirkt das unrühmliche Ende der einst stolzesten Telekom Europas wie ein Menetekel für die anderen ehemaligen Telefonmonopole. Es waren die hohen Schulden, die die Zerschlagung von BT erzwangen. Noch gründlicher als bisher werden jetzt die großen Investoren an den Finanzmärkten die Schuldengebirge von KPN und Sonera, von französischer, deutscher und spanischer Telekom vermessen. Bei den Niederländern und Finnen fragt sich ohnehin jeder Experte schon jetzt: Wie lange halten sie noch durch?

Anders als vor einem Jahr steht heute niemand für Übernahmen bereit. Die Fusionitis, die in der Folge der Vodafone-Mannesmann-Schlacht die Telekombranche bewegte, ist vorbei: Wer will sich schon zu den eigenen Schulden die eines anderen aufbürden? Zerschlagungsszenarien werden daher nach BT für KPN und Sonera ebenfalls wahrscheinlich. Beide sind seit einem halben Jahr zum Verkauf ausgeschrieben. Beide haben sich mit den hohen UMTS-Lizenzkosten und der gleichzeitigen Ausweitung ihres Geschäfts auf Europa übernommen.

Für die größeren Gesellschaften France Télécom, Deutsche Telekom und Telefónica zeichnet das britische Beispiel jedoch nicht zwangsläufig den weiteren Weg vor. BThat sich ja nicht erst mit Teilnahme an den teuren UMTS-Auktionen in eine aussichtslose Lage manövriert. Seit Jahren hat die Führungsspitze, bestehend aus Iain Vallance und Peter Bonfield, einen Managementfehler an den vorhergehenden gereiht. Wieso nur Vallance gehen musste und Bonfield noch bleibt, ist Experten daher ein Rätsel.

Dabei schien BT zunächst das beste Blatt im großen Poker der Telekom-Unternehmen um die europäische Vormachtstellung zu haben. 1998, als in vielen EU-Ländern der Telekommarkt für den Wettbewerb frei gegeben wurde, gab es nur eine europäische Telefongesellschaft, die als unbesiegbar galt: British Telecom. Bereits seit 1984 mit Konkurrenz im Heimatmarkt konfrontiert, hielt jeder Experte BT für wettbewerbsgestählt. Hilfe, die Briten kommen, fürchtete damals auch Telekom-Chef Ron Sommer. Der Kern des Scheiterns dürfte aber genau darin liegen, dass auch die BT-Manager an die Legende glaubten und fortan halbherzig vor sich hin wurschtelten.

BT schuf sich früh ein Netz internationaler Minderheitsbeteiligungen in fast allen EU-Ländern - und vergaß, rechtzeitig die Kontrollmehrheiten zu erwerben. BT entwickelte alle möglichen High-Tech-Gerätschaften - und vergaß die Digitalisierung und den Breitbandausbau des Telefonnetzes im Heimatmarkt. BTstartete früh in den Mobilfunk - und machte es Konkurrenten leicht, die Qualität zu überbieten. BT gründete mit AT&T das Großkunden-Joint-Venture Concert, als die ähnliche Allianz Global One die Konsequenzen aus ihrem Scheitern bereits gezogen hatte. BT gliederte sich erst in Sparten, als alle anderen längst bewiesen hatten, wie man es besser machen kann.

Es ist richtig: Unter den hohen UMTS-Lizenzkosten ächzen auch Deutsche Telekom, France Télécom und Telefónica. Doch so viele und so schwerwiegende Managementfehler wie British Telecom haben sie alle nicht begangen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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