Briten und Norweger tauchen zur "Kursk"
U-Boot-Besatzung wahrscheinlich tot

Mit einem letzten Funken Hoffnung sind westliche Retter am Sonntag zu den von Moskau bereits totgeglaubten 118 Seeleuten im Atom-U-Boot "Kursk" hinabgetaucht. Tieftaucher aus Norwegen und Großbritannien versuchten, die Rettungsluke des in 100 Meter Tiefe in der Barentssee liegenden Wracks zu öffnen. Sie konnten den schweren Metalldeckel aber zunächst nicht heben, berichtete der russische Fernsehsender RTR von der Unglücksstelle.

dpa MOSKAU/OSLO. Die russische Regierung hatte bereits am Samstag kurz vor dem Eintreffen der westlichen Helfer erklärt, wahrscheinlich seien alle Seeleute in der "Kursk" tot. Das Boot, mit 18 000 Tonnen Verdrängung eines der größten der russischen Flotte, war am 12. August aus noch nicht geklärter Ursache gesunken. Alle russischen Bergungsversuche der vergangenen Woche waren gescheitert.

Die Aktion verfolge weiter das Ziel, Leben zu retten, sagte der stellvertretende Sprecher des norwegischen Nordflottenkommandos in Bodö, Erland Rones. Nach Darstellung russischer Experten dürften die Sauerstoffreserven in den einzelnen Sektionen des Bootes längst aufgebraucht sein. Auf den Tod der gesamten Besatzung lasse auch das Fehlen von Klopfzeichen seit dem vergangenen Montag schließen. Russische Behörden vermuteten, dass nur in drei oder vier Sektionen am Heck noch Luft sein könnte.

Vom Versorgungsschiff "Seaway Eagle" wurden die Taucher abwechselnd in Dreier-Gruppen in einer Tauchglocke zu dem Wrack hinab gelassen. Auf Grund ihrer Erkenntnisse sollte über den Einsatz des britischen Mini-U-Bootes "LR5" entschieden werden. Die Retter aus dem Ausland waren erst am Samstag eingetroffen, nachdem Moskau ihr Hilfsangebot mit Verzögerung akzeptiert hatte. Präsident Wladimir Putin, der am Wochenende nach heftiger öffentlicher Kritik aus dem Urlaub zurückgekehrt war, sagte im Kreml in Moskau: "Wir werden bis zur letzten Minute alles tun, um diejenigen zu retten, die noch zu retten sind."

Keine Luftblasen

Weil aus der Ausstiegkammer der "Kursk" beim Anheben der Luke keine Luftblasen aufstiegen, vermuteten die Taucher nach RTR-Angaben, dass dort einer oder mehrere tote Seeleute sein könnten. Sie hätten vermutlich die Schleusenkammer mit Wasser gefüllt, um auszusteigen und an die Oberfläche aufzutauchen. Die russischen und ausländischen Experten berieten am Nachmittag über das Risiko für die Taucher, mit den klobigen, tiefseetauglichen Anzügen in die engen Durchgänge des zerstörten U-Bootes einzusteigen.

Die russische Regierung betrachtet als wahrscheinlichste Ursache des Unglücks die Kollision mit einem anderen U-Boot. "Wir nehmen an, dass es ein schwimmendes Unterwasserobjekt mit einer Verdrängung von mindestens 8 000 Tonnen oder noch mehr war", sagte Vizeregierungschef Ilja Klebanow im Fernsehen. Die schweren Schäden am Bug der "Kursk" könnte jedoch auch die Explosion einer Mine verursacht haben, gab er zu. "Diese Annahme steht für uns aber derzeit an zweiter Stelle."

Mit Bug in Meeresboden gerammt

Nach Einschätzung einer von Klebanow geleiteten Sonderkommission erlitt die "Kursk" zunächst ein etwa einen Quadratmeter großes Leck am Bug. Wegen der eindringenden Wassermassen sei das Boot vornüber mit dem Bug in den Meeresboden gerammt. Beim Aufprall seien mehrere Torpedos explodiert. Das Leck zwischen den beiden vorderen Sektionen des Bootes habe einwärts gebogene Ränder, berichtete RTR. Dies weise auf äußere Einwirkung hin.

Seit dem Unglück am Samstag vergangener Woche halten sich in Russland Spekulationen über eine mögliche Kollision der "Kursk" mit einem ausländischen U-Boot. Nach Marine-Angaben haben drei fremde U-Boote im Unglücksgebiet in der Barentssee das russische Manöver beobachtet. Die USA und Großbritannien haben eine Verwicklung ihrer Boote in das Unglück dementiert.

Die Arbeitsbedingungen für die zwölf Taucher bezeichnete der norwegische Sprecher bei einer Sichtweite von 15 Metern und relativ geringer Strömung als gut. Erste Fernsehbilder vom Boot zeigten einen Riss im Metallring um die Rettungsluke. Deswegen hatten russische Rettungskapseln von Anfang an keine Chance, an die "Kursk" anzudocken.

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