Briten von eigenen Panzern getötet
Lage in Basra völlig unklar

In der umkämpften südirakischen Hafenstadt Basra ist die Lage am Mittwoch nach Berichten über einen Aufstand der Bevölkerung gegen die irakische Führung zunächst weiter unklar geblieben.

Reuters CAMP AS SAJLIJA. Ein Sprecher der schiitischen Opposition in Teheran bestätigte am Mittwoch zwar einige Zwischenfälle, nicht aber den Ausbruch eines Aufstandes. Nach Einschätzung des britischen Premierministers Tony Blair hat es in der Millionenstadt vereinzelt Aufstände gegeben. Arabische Medien berichteten dagegen, in Basra sei alles ruhig. Die unklare Lage in Basra dämpfte an den Finanzmärkten die Hoffnung auf ein rasches Kriegsende.

Ein britischer Militärsprecher sagte am Hauptquartier der Truppen in Katar, die Lage in Basra sei nicht ganz klar. "Wir hatten eine Reihe verschiedener Berichte, denen zufolge es einen Aufstand der Bevölkerung gegeben hat. Aber wir warten ab, um ein klareres Bild darüber zu bekommen, was tatsächlich passiert ist." Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte dem Radiosender BBC: "Natürlich gab es Unruhen in der Bevölkerung, die sich gegen das Regime auflehnte".

In der Hafenstadt wohnen vornehmlich Schiiten, die sich nach dem Golfkrieg 1991 gegen die sunnitisch dominierte Regierung des irakischen Präsidenten Saddam Hussein aufgelehnt hatten. Da Unterstützung der USA und ihrer Verbündeten für die Aufständischen damals ausblieb, wurde die Revolte aber von Saddam niedergeschlagen.

Der Sprecher des Obersten Rates für die islamische Revolution in Irak (SCIRI) in Teheran, Abu Islam, bestätigte am Mittwoch, es habe einige Zwischenfälle in Basra gegeben. Auf die Frage, ob sich diese zu einem Aufstand entwickelt hätten, antwortete er: "Nein, es gibt keinen Aufstand." Später verlautete aus dem Rat: "Es hat vergangene Nacht einige Unruhen in verschiedenen Teilen Basras gegeben, aber die waren nicht weit verbreitet und keine Intifada (Aufstand). Die Leute haben Slogans gegen Saddam skandiert." Es sei nicht klar, ob die Proteste durch die Versorgungsengpässe bei Wasser- und Strom ausgelöst wurden. Einwohner Basras hätten berichtet, dass US-geführte Truppen den Sitz des Gouverneurs und Gebäude des Geheimdienstes angegriffen haben, hieß es ergänzend. Der SCIRI wird von der schiitischen Mehrheit in Irak unterstützt und verfügt über Kontakte im ganzen Land.

Blair sagte vor dem Parlament in London: "Die Berichte darüber, was in Basra geschehen ist, waren verwirrend. Wir glauben aber, dass es einige vereinzelte Unruhen gegeben hat." Die britischen und US-Truppen müssten zunächst sicher sein, dass sie stark genug seien, um jeglichen Aufstand gegen loyale Soldaten des irakischen Präsidenten Saddam Hussein zu verteidigen, sagte Blair weiter. "Wir müssen vorsichtig sein und wissen, dass Unterstützung da ist, die ihnen (den Aufständischen) helfen kann, bevor wir sie ermutigen, Dinge zu tun, die für sie den Tod bedeuten könnten", sagte Blair. Nach britischen Militärangaben hatten britische Einheiten am Dienstag rund um Basra Stellung bezogen und die Stadt den ganzen Tag lang angegriffen.

Ein Korrespondent des in Katar ansässigen Senders El Dschasira, sagte am Mittwoch dagegen, die Straßen von Basra seien sehr ruhig und es gebe keine Anzeichen von Gewalt oder Unruhen. "Alles, was wir hören können, sind entfernte Explosionen im Südosten, und wir gehen davon aus, dass dort Kämpfe andauern", sagte er in Basra. Der Sender ist eines von wenigen Medien, das noch einen eigenen Korrespondenten in der von britischen Invasionstruppen umstellten Stadt hat.

An den Finanzmärkten hatten die Berichte über die Unruhen am Dienstagabend die Aktienkurse kräftig steigen lassen, da damit Hoffnungen auf ein rasches Kriegsende neue Nahrung erhielten. Nachdem die Lage undurchsichtiger wurde, bröckelten die Kurse am Mittwoch wieder ab. Der Ölpreis zog entsprechend wieder an.

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