Britisch-asiatisches Geldhaus HSBC stellt Bewertungssystem radikal um
Banken verschärfen Regeln für Analysten

Die massive Kritik an den Anlageurteilen vieler Banken zeigt Wirkung. Die DG Bank will künftig deutlicher auf mögliche Interessenkonflikte hinweisen. So soll zum Beispiel auf Studien klar vermerkt sein, ob die Bank den Börsengang des analysierten Unternehmens begleitet hat.

tmo DÜSSELDORF. Diese Information ist für Anleger wichtig, weil Banken eigene Börsenkandidaten nur selten kritisch beurteilen. Bislang landen solche Angaben oft im Kleingedruckten, bei manchen kleinen Instituten fehlen sie völlig. Bei der Deutschen Bank hieß es, die eigenen Richtlinien würden laufend optimiert.

Der Druck auf deutsche Institute wächst, nachdem die britisch-asiatische Bank HSBC gestern neue Analystenregeln einführte. Auch Merrill Lynch, Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley haben ihre Richtlinien bereits verschärft.

HSBC, zu der die deutsche Tochter HSBC Trinkaus & Burkhardt gehört, verlangt von Analysten, dass sie künftig ebenso viele negative wie positive Empfehlungen abgeben. Die meisten anderen Banken haben nur wenige pessimistische Urteile. So lauteten gestern 45,2 % aller Urteile zu Dax-Werten "kaufen", 40,2 % waren neutral und nur 14,5 % negativ. Viele Anleger kritisieren diese Positiv- Verzerrung.

HSBC will Anlageurteil "halten" abschaffen

HSBC will zudem einen Fonds einrichten, der nach den eigenen Analysten-Empfehlungen investiert. Die Ergebnisse werden veröffentlicht. Andere Banken stellen die Entwicklung ihrer Top-Tipps nur Kunden zur Verfügung. Der Leiter des Aktienresearch der DG Bank, Lothar Weniger, begrüßt diese HSBC-Idee: "Ich könnte mir vorstellen, solch einen Fonds aufzulegen und unsere Analysten daran zu beteiligen", sagte er.

Das neue HSBC-Bewertungssystem bezieht sich auf Aktien innerhalb einer Branche. So müssen Analysten entscheiden, ob sie etwa unter den Autoherstellern Daimler Chrysler - oder Peugeot bevorzugen. Es darf nicht mehr die Mehrheit aller Aktien positiv bewertet werden. Weiter will HSBC das Anlageurteil "halten" abschaffen. "Unsere Analysten sind hoch bezahlte Profis, da erwarte ich eine klare Meinung", sagte der Leiter des HSBC-Aktienresearch, Mark Brown.

Der Fondsmanager Jürgen Kirsch bewertet die Pläne positiv: "Das Urteil ,halten? bedeutet oft, dass der Analyst eine klare Aussage scheut", sagt er. Allerdings bleibe das Grundproblem bestehen: Analysten von Großbanken müssten stets Rücksicht nehmen auf die Geschäftsinteressen ihrer Kunden. "Daran ändert sich überhaupt nichts", sagt Kirsch.

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