Britische Armee diesmal an Angriffen nicht direkt beteiligt
USA fliegen zweite Angriffswelle gegen Afghanistan

Die Vereinigten Staaten haben am Montagabend eine zweite Angriffswelle gegen Afghanistan geflogen. Nach den Worten von US-Generalstabschef Richard Myers waren die Angriffe erneut vom Abwurf von Hilfsgütern für die afghanische Zivilbevölkerung begleitet.

afp WASHINGTON/ISLAMABAD. In Kabul waren kurz nach 20.30 Uhr Ortszeit (18.30 Uhr MESZ) mehrere Explosionen zu hören. An dem neuen Militäreinsatz waren britische Streitkräfte nach Angaben des Londoner Verteidigungsministeriums lediglich mit logistischer Unterstützung beteiligt. Unter dem Schutz von US-Luftangriffen beschoss die Nordallianz nach eigenen Angaben Taliban-Stellungen in der nordafghanischen Stadt Mazar-i-Sharif.


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Nach einer Serie von Explosionen fiel in Kabul der Strom aus. Einwohner der Hauptstadt hörten das Knattern von Luftabwehrgeschützen und das Dröhnen von Militärmaschinen. Danach kehrte in der Hauptstadt zunächst wieder Ruhe ein. Die der Taliban-Regierung nahe stehende Nachrichtenagentur AIP bestätigte Angriffe auf die Flughäfen der drei Städte Kabul, Kandahar und Dschalalabad. Die Taliban ordneten die Verdunkelung der Hauptstadt an. Die Bürger sollten zu Hause bleiben, hieß es in einer im staatlichen Rundfunk verlesenen Anweisung der Taliban.

Die US-Regierung rechtfertigte ihr Vorgehen als Akt der Selbstverteidigung und behielt sich laut UN-Diplomaten in einem Schreiben an den Weltsicherheitsrat weitere Angriffe auf "andere Staaten oder Organisationen" vor. US-Präsident George W. Bush sagte, die Militäraktion vom Sonntag sei "wie geplant" verlaufen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, bei der ersten Angriffswelle seien "große Fortschritte" bei der Zerstörung der afghanischen Luftabwehr erzielt worden. Aus Sorge vor drohenden terroristischen Gegenschlägen ließ US-Justizminister John Ashcroft die höchste Alarmstufe in den Vereinigten Staaten ausrufen.

Die Angriffe vom Sonntag zielten nach britischen Angaben auf rund 30 militärische Einrichtungen in Afghanistan, darunter Trainingslager mutmaßlicher Terroristen, Militärflughäfen sowie Luftabwehrstellungen. Angaben der Taliban, wonach zahlreiche Frauen und Kinder bei den Bombardierungen getötet wurden, wies Rumsfeld gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN als "schlichtweg nicht wahr" zurück. Den Taliban zufolge wurden mindestens 25 Menschen, meist Zivilisten, getötet.

Die Angriffe gegen "militärische und terroristische Ziele" sollten noch über Wochen anhalten, sagte der britische Außenminister Jack Straw. Rumsfeld sprach von einem jahrelangen Kampf gegen den Terrorismus. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon schloss den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Der französische Verteidigungsminister Alain Richard räumte indirekt ein, dass auch auch französische Spezialeinheiten zur Aufklärung in Afghanistan im Einsatz seien.

Taliban-Botschafter Abdul Salam Saif warnte die USA vor "schwer wiegenden Folgen". Der Militäreinsatz sei ein "Angriff auf die moslemische Welt", sagte er im pakistanischen Islamabad. "Wir werden die Amerikaner bekämpfen, wie wir die Russen bekämpft haben", drohte ein Sprecher der Miliz nach einer Dringlichkeitssitzung des "Kabinetts".

International stießen die Angriffe überwiegend auf Rückhalt. Die USA und Großbritannien könnten sich auf ihr vom UN-Sicherheitsrat legitimiertes Recht auf Selbstverteidigung berufen, erklärte UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die russische Regierung begann mit Waffenlieferungen an die afghanische Opposition. Indiens Regierungschef Atal Behari Vajpayee sprach mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf nach einem Fernsehbericht telefonisch über einen Ausbau der Zusammenarbeit in der Terrorbekämpfung. In verschiedenen Teilen Asiens und in arabischen Staaten kam es dagegen zu anti-amerikanischen Demonstrationen.

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