Britische Baring macht sich für Kostentransparenz stark
Spezialfonds leiden unter verdeckten Gebühren

Heimische Geldverwalter arbeiten scheinbar preisgünstig. Nach Meinung von Kritikern bezahlen institutionelle Anleger häufig bis zum Vierfachen der angegebenen Managementgebühr. Ausländische Konkurrenten dürften beim Vergleich der Gesamtbelastungen oft billiger sein, schätzen Experten.

FRANKFURT/M. Manchmal zahlen institutionelle Anleger zuviel, ohne es zu wissen. Grund: Die typischen deutschen Gebührenstrukturen in der Vermögensverwaltung (Asset-Management) sind intransparent; die tatsächlichen Belastungen übersteigen die ausgewiesene Managementgebühr oft deutlich. Anders als in angelsächsischen Ländern üblich, sind dem Spezialfonds bzw. dem betreuten Vermögen belastete Umsatzprovisionen und indirekte Brokerkosten kaum ersichtlich.

Umsatzprovision einer der Knackpunkte

In Zukunft dürften die Themen "verdeckte Gebühren" und "kundenorientierte Brokerauswahl" allerdings stärker in den Blickpunkt rücken. So sehen es zumindest einige ausländische Investmenthäuser, die Gelder für deutsche Institutionelle betreuen bzw. für die Großanleger beratend arbeiten. Axel Maier, bei Baring Asset Management in Frankfurt zuständig für diese Klientel: "Beim Vergleich der Management- bzw. Beratungsgebühren sind ausländische Anbieter häufig doppelt so teuer wie deutsche Konkurrenten, beim Vergleich der gesamten Kosten sind sie aber oft um die Hälfte billiger."

Wegen der eigentlich zu geringen Einnahmen aus der Managementgebühr erschließe die Bankenmutter des Vermögensverwalters zusätzliche und verdeckte Ertragsquellen. Der Vertreter des britischen Traditionshauses ergänzt: "In einem Extremfall wurden einem Anleger 2,4 % Gesamtgebühren im Jahr belastet; er konnte das mit unserer Hilfe auf rund 0,8 % reduzieren, vor allem durch die Auswahl kostengünstigerer Broker und die Senkung der Umsatzprovisionen beim Wertpapierhandel durch einen Depotbankwechsel."

Andere Finanzexperten bewerten die Situation ähnlich. Dirk Popielas, bei Goldman Sachs in Frankfurt zuständig für strategische Anlagefragen, erklärt: "Insgesamt dürften die Ausländer tendenziell etwas billiger sein." Wie sehr die angegebenen Managementgebühren auseinander klaffen, hat er jüngst durch Nachfragen bei institutionellen Anlegern, Depotbanken und Investmentgesellschaften ermittelt (Handelsblatt vom 16.5.): "Für ein europäisches Standardwerteportefeuille werden 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr an Managementgebühr verlangt, wenn es die Möglichkeiten zu Zusatzeinnahmen gibt; im anderen Fall sind es bis zu 0,7 %."

Anleger profitiert von billigen Brokern

Jürgen Olbermann von Feri Institutional Management vertritt die gleiche Meinung. Der Geschäftsführer beim größten deutschen Consultant, der institutionelle Anleger bei der Auswahl ihrer Asset-Manager berät, schränkt jedoch ein: "Wenigstens hat sich die Situation in Deutschland im Vergleich zu früheren Jahren schon gebessert."

Maier erklärt das Gebührenproblem mit unterschiedlichen Traditionen in Deutschland und den angelsächsischen Ländern. Der deutsche Institutionelle lasse sein Geld in einem Spezialfonds verwalten, der von einer Kapitalanlagegesellschaft (KAG) aufgelegt werde. Diese KAG sei einer Bankengruppe zugehörig, die auch die Depotbank stelle und außerdem die nötigen Transaktionen im Fonds über die konzerneigenen Broker abwickle.

"Die von der KAG erhobene jährliche Managementgebühr, eine Entlohnung für die Geldverwaltung, wird zwar angegeben, macht aber oft nur ein Viertel der gesamten regelmäßigen Kosten in einem Durchschnittsportfolio aus", erklärt Maier. Einer der Knackpunkte sei die Umsatzprovision, die der Depotbank zufalle. "Diese Gebühr für den Wertpapierhandel ist häufig als Prozentsatz auf das Handelsvolumen bezogen; einige große Häuser orientieren sich jedoch schon in Richtung angelsächsischer Gepflogenheiten und verlangen einen oft geringeren Fixbetrag für eine einzelne Transaktion", kommentiert Maier.

Aber nicht nur bei der KAG und der Depotbank fielen Gebühren an, auch der Broker bitte durch Stellen der Spanne von Kauf- und Verkaufskursen zur Kasse. "Je breiter sie ist, um so höher die Einnahmen für die Bankengruppe, aber um so höher die Kosten für den Anleger; ohne Kontrollen kann der Institutionelle leicht zu viel zahlen", meint Maier.

Den potenziellen Interessenkonflikt durch Zugehörigkeit von KAG, Broker und Depotbank zur gleichen Bankengruppe löse das angelsächsische Modell. Hier seien Anlagegesellschaft, Depotbank und Berater unabhängig voneinander. Der Institutionelle treffe mit Anlagegesellschaft und Depotbank separate Vereinbarungen; der Berater unterstütze den Asset-Manager und wähle auch die Broker aus. Das Modell setze sich erst allmählich in Deutschland durch: "Ohne Verflechtungen gibt es keine Interessenkonflikte mehr; jeder wird separat entlohnt, das sorgt für Kostentransparenz."

Auf die Brokerauswahl lege Baring großen Wert. Im Blickpunkt stünden beispielsweise eine wettbewerbsfähige Preisstellung, Gewährleistung der Liquidität und die Verfügbarkeit der Händler. Baring betreibe eine systematische und halbjährliche Brokerüberprüfung. Über die Brokeraktivitäten würden umfangreiche Statistiken geführt: "Bei jeder Anlageüberlegung fragen wir bei mindestens drei Brokern die Geld/Brief-Spanne für diese spezielle Transaktion nach, um die kostengünstigste Adresse herauszufinden; halbjährlich ermitteln wir den Anteil der tatsächlichen Transaktionen an der Summe aller Anfragen."



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