Britische BOC für viele Banken Top-Aktie des Chemiesektors: Analysten setzen auf Hersteller von Gasen

Britische BOC für viele Banken Top-Aktie des Chemiesektors
Analysten setzen auf Hersteller von Gasen

Die Chemieindustrie wird als eine der ersten Branchen von einem konjunkturellen Aufschwung profitieren. Doch wann der ersehnte Zuwachs kommt, ist fraglich. Analysten empfehlen daher weiterhin nur konjunkturrobuste und solide Aktienwerte: Zu ihnen gehören Hersteller von Industriegasen und BASF.

DÜSSELDORF. BASF-Chef Jürgen Strube bemühte sich um eine realistische Einschätzung, als er bei der Bilanzvorlage in der vorigen Woche die Aussichten für die Chemiebranche prognostizierte: Selbst wenn der Militärschlag gegen Irak zeitlich und lokal begrenzte ablaufe, werde es weitere Verunsicherung auf den Rohstoff- und Energiemärkten und bei den Verbrauchern geben. Der Chemiebereich insgesamt werde in diesem Jahr wohl lediglich ein Produktionsplus von 2 % erreichen.

Ein eher nüchterner Ausblick. Doch so wie Strube haben die Manager fast sämtlicher europäischer Chemiefirmen die Hoffnung auf eine Erholung im ersten Halbjahr 2003 aufgegeben. Keine guten Signale also auch für die Aktienentwicklung in der überwiegend konjunktursensiblen Branche. Die Anleger feierten in der vorigen Woche zwar das gute Jahresergebnis von BASF mit kräftigen Kurszuwächsen bei europäischen Chemieaktien. Dazu trug auch bei, dass der Preis des wichtigsten Rohstoffs der Branche, dem Öl, um 12 % fiel. Doch Analysten bleiben vorsichtig ein und empfehlen nur robuste Werte - wie etwa die Anbieter von Industriegasen.

Die Bank Sal. Oppenheim traut Chemieaktien vorerst keine bessere Entwicklung als dem Gesamtmarkt zu und bewertet sie mit "Neutral". Die Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB) empfehlen sogar, den Sektor unterzugewichten. Beide Finanzhäuser wollen erst Signale eines nachhaltigen Aufschwungs sehen, bevor sie die Chemie hochstufen.

In der Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung haben Anleger bereits im vorigen Jahr die Kurse von BASF, Ciba, DSM & Co hochgebracht: Chemieaktien schnitten 2003 um 14 % besser ab als der Aktienindex DJ Stoxx der europäischen Standardwerte. Hintergrund ist, dass Chemiefirmen einen Aufschwung früh spüren und die Aktien dann ebenso schnell anziehen.

Doch die angenommene Erholung lässt bis heute auf sich warten. "Die Signale auf der Nachfrageseite sind immer noch sehr gemischt", schreibt die CSFB. Besserung versprechen sich die Firmen zumindest auf der Kostenseite: Wenn sie Öl weiter auf dem jetzt erreichten Preisniveau einkaufen, werden ihre Gewinnspannen nicht mehr so stark unter Druck stehen wie noch vor wenigen Tagen befürchtet.

Kommt ein anhaltender Aufschwung im zweiten Halbjahr 2003, dürften die Gewinne der Chemiefirmen - und damit möglicherweise auch ihre Aktienkurse - davon deutlich profitieren. Denn viele Anbieter haben durch Sparprogramme und Investitionsdrosselungen ihre Kostenbasis und Kapitalrenditen schon jetzt verbessert und sich damit eine gute Ausgangsposition geschaffen. Dies gilt etwa für die Schweizer Ciba AG, die deutsche Celanese AG oder eben BASF.

Bis zum Aufschwung in der Chemie empfehlen Analysten wie Ludger Mues von Sal. Oppenheim die Anlage in soliden Werten mit guter Dividenrendite und überschaubaren und stabilem Geschäft. Dazu zählt er etwa die BASF-Gruppe und den Industriegaseanbieter BOC. Der britische Konzern ist auch für die Commerzbank derzeit einer der viel versprechendsten Aktienwerte.

Das liegt zum einen an dem stabilen Geschäft der Industriegaseanbieter, in dem der französische Konzern Air Liquide Weltmarktführer ist. Gaselieferanten verfügen über langfristige Verträge mit ihren Kunden, die ihnen unabhängig von der gelieferten Menge eine Basiszahlung garantieren. Industriegase gelten als der Teil der Chemiebranche, der am ehesten konjunkturrobust ist. Für BOC geben 70 % der von der Finanzagentur Bloomberg erfassten Analysten eine Kaufempfehlung.

Von solchen Werten kann die Bayer AG zwar nur träumen. Doch nach dem Freispruch im ersten Verfahren um den früheren Cholesterinsenker Lipobay, haben Anleger wieder Vertrauen in die Aktie gefasst. Zeichnet sich bei den bevorstehenden weiteren Prozessen auf breiter Front eine Entlastung für Bayer ab, könnte die Aktie erneut deutlich zulegen. Wegen des immer noch vorhandenen Restrisikos halten sich die Bewertungen der Analysten zwischen "Kaufen" und "Neutral" aber immer noch die Waage.

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