Britische Gelbe-Seiten-Gruppe will Milliarden-Listing bekannt geben
Yell plant Paukenschlag mit Börsengang

Der britische Gelbe-Seiten-Verlag Yell plc will an die Börse gehen. Voraussichtlich schon in den nächsten Tagen wird die ehemalige Sparte von British Telecom (BT) diese Pläne in London bekannt geben.

and/mab LONDON. Die Aktienausgabe dürfte Yell auf umgerechnet 3 bis 4,5 Mrd. Euro bewerten. Dies wäre in diesem Jahr der größte Börsengang in Europa. Zudem ist Yell ein Platz unter den 100 größten Notierungen am Finanzplatz London sicher.

Schon seit Wochen wird über einen Gang von Yell aufs Parkett spekuliert. Die Gruppe hatte im vorigen Jahr den Börsengang in letzter Sekunde wegen der dramatischen Aktienflaute abgeblasen. Frischen Wind bekam der Plan durch die Hoffnung auf einen sich bessernden Markt für Börsengänge, aber auch durch den Verkauf der italienischen Adress- buch-Gruppe Seat Pagine Gialle. Das Poker um die Tochter von Telecom Italia brachte Bewegung in das europaweite Geschäft mit Gelben Seiten. Auch Yell bot um Seat, am Ende gingen 61 % der Anteile für 3 Mrd. Euro aber an institutionelle Anleger. Der komplette Seat-Konzern wird danach mit 5,7 Mrd. Euro bewertet.

Ohne diesen Kauf könne Yell einen neuen Anlauf als aktiennotiertes Unternehmen wagen, heißt es in Londoner Finanzkreisen. Mit der Aktienausgabe werde Yell seine Schulden in Höhe von 2,4 Mrd. £ abbauen.

In den vergangenen Jahren haben viele Telekom-Riesen in Europa unter Finanzdruck ihre Gelben Seiten versilbert. Neben Großbritannien und Italien wechselte auch in den Niederlanden der Besitzer. In Deutschland erwägt die Deutsche Telekom, die Sparte zum Verkauf anzubieten.

Vorreiter waren aber wieder einmal die Briten: Der BT-Konzern veräußerte die Sparte bereits im Jahr 2001 für 2,2 Mrd. £ (3,3 Mrd. Euro) an zwei Private-Equity-Firmen: Apax Partners und Hicks, Muse, Tate & Furst halten je 47,5 %, die übrigen 5 % gehören dem Management.

Vor zwei Wochen rieben sich nun in Italien viele Beobachter ungläubig die Augen. Eine Bewertung von 5,7 Mrd. Euro für ein Unternehmen wie Seat, das nichts anderes tut, als Branchenverzeichnisse zu verlegen?

Doch das Geschäft mit den Adressbuch-Wälzern ist profitabel und krisensicher. Kleine Firmen können gerade in der Flaute auf einen Eintrag in den Gelben Seiten nicht verzichten. Yell zum Beispiel hat das Ziel von 100 000 Neukunden im vergangenen Jahr erreicht.

Kein Wunder, dass internationale Investorengruppen schon lange ein Auge auf die zum Verkauf angebotene Branche geworfen haben. Die Adressbücher versprechen einen stabilen Cash-flow. Und während fast alle Werbeträger herbe Einbußen hinnehmen mussten, haben die Branchenverzeichnisse zugelegt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende März) legte sowohl der Umsatz als auch der Ebitda-Gewinn bei Yell um fast ein Drittel auf 1,1 Mrd. £ bzw. 323 Mill. £ zu. Yell-Chef John Condron brachte sein Unternehmen aber vor allem mit der Expansion in den USA auf Börsenkurs. Dort haben die Briten die US-Firmen McLeod und National Directory Company (Kalifornien) gekauft. Inzwischen erreicht der US-Umsatz von Yell mit knapp 500 Mill. £ fast den Anteil des britischen Geschäftes. Im Heimatmarkt legte der Umsatz nur um 5,8 % zu und war im Bereich Business Pages rückläufig.

Auch in Italien machen die Gelben Seiten schwarze Zahlen. Seat Pagine Gialle erzielte im vorigen Jahr bei einem Umsatz von 1,18 Mrd. Euro einen operativen Gewinn von 441 Mill. Euro. Im Vergleich zu Konkurrenten in Europa profitiert der Anbieter von der Wirtschaftsstruktur in Italien. Mit einer Selbstständigenquote von 26 % gibt es in keinem Land der EU prozentual so viele Unternehmer. Sie alle sind faktische oder potenzielle Kunden von Seat Pagine Gialle. Das Unternehmen, dem in Deutschland Telegate und in Großbritannien Thomson Directories gehört, schätzt das jährliche Wachstumspotenzial auf 4 % bis 7 %.

In allen Ländern ist der Markt mit den Gelben Seiten sehr konzentriert. Seat kontrolliert rund 85 % aller italienischen Branchenbuch-Einnahmen. Bis 1997 war der Anbieter im ganzen Lande Monopolist. Zu keinem Zeitpunkt konnte der zweite Anbieter, Pagine Utili, Fuß fassen. In Großbritannien ist die Situation ähnlich: Yell hat einen Marktanteil von 87 %, der einzige Rivale Thomson ist weit abgeschlagen.

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