Britische Großbank übernimmt Banco Zaragozano – Gerüchte um Gegenofferte
Barclays geht in Spanien auf Einkaufstour

Mit dem Kauf der spanischen Filialbank Zaragozano engagiert sich das britische Institut Barclays stärker im Ausland. Die Übernahme könnte der Auftakt zu einer weiteren Welle von Zukäufen sein. Anleger ärgerten sich gestern nur über den hohen Kaufpreis von 1,14 Mrd. Euro.

fs/sk LONDON/MADRID. Mit Skepsis reagierten am Donnerstag Barclays-Investoren auf die Absicht der viertgrößten britischen Bank, die spanische Banco Zaragozano zu kaufen. Barclays hatte am Morgen wochenlange Spekulationen im Markt beendet und ein Angebot im Wert von 1,143 Mrd. Euro oder 12,7 Euro je Titel vorgelegt. Das Barclays-Papier verlor daraufhin im Tagesverlauf mehr als 4,5 %, weil der Preis für die Übernahme am Markt als eher teuer eingeschätzt wurde.

Zwar schwärmten die Briten von Synergieeffekten von rund 100 Mill. Euro und erwarten einen Gewinn ab 2007. Doch die Analysten zeigten sich nicht ganz so euphorisch. Barclays zahlt einen 24-fachen Aufschlag auf den letzten Jahresgewinn von 48 Mill. Euro für die Spanier. "Die Akquisition ist sicherlich nicht billig", sagt James Eden von der Commerzbank, auch wenn er sie als einen "guten strategischen Zug" bezeichnet.

Für die Zaragozano-Aktionäre lohnt sich der Verkauf umso mehr. Die Aktie stieg im Laufe der Übernahmegerüchte um mehr als ein Drittel auf gut 11 Euro. Der Verkaufspreis liegt 13 % über dem Schlusskurs vom Mittwoch. Spekulationen über den Kauf der spanischen Bankenadresse geisterten schon seit Wochen durch die Medien. Die Transaktion bekam eine besondere Note, als die früheren ZaragozanoAufsichtsräte und wichtigsten Aktionäre Alberto Cortina und Alberto Alcocer wegen Betrugs verurteilt wurden. Bei ihrem Vergehen handelt es sich um Grundstücksgeschäfte, die aber offenbar nicht mit Zaragozano in Verbindung standen. Das Banker-Duo hält zusammen 40 % der Kapitalanteile.

Zaragozano ist in ganz Spanien mit 359 Geschäftsstellen vertreten, zum Teil in ländlichen Gebieten. Der Nettogewinn erreichte im ersten Quartal dieses Jahres 15,7 Mill. Euro. Die AufwandErtrag-Relation liegt bei 63,7 % (2002). Barclays hat 172 Filialen, vor allem in großen Städten. Die Transaktion würde zum sechstgrößten Bankenkonzern in Spanien führen. Der spanische Vorstand hat der Übernahme bereits zugestimmt. Bislang haben die Briten Zusagen von rund 54 % der Aktionäre. Der spanische Regulierer muss der Transaktion ebenso zustimmen wie eine Mehrheit von mindestens 75,01 % der Aktionäre.

Analysten in Madrid bewerteten den Deal grundsätzlich positiv und empfehlen den Aktionären von Zaragozano, den Preis anzunehmen. Auch Frank Pauls vom Brokerhaus Legg Mason in Madrid hält die Prämie für "extrem gut" für die Zaragozano-Aktionäre. Für Barclays mache es aber Sinn, sich "in ein existierendes Geschäft einzukaufen".

Dass der Deal noch platzen könnte, halten Analysten für unwahrscheinlich. Dennoch kamen am Nachmittag in Spanien Gerüchte auf, dass die vier südspanischen Sparkassen El Monte, Unicaja, Caja De Ahorros San Fernando und La General ein Gegenangebot auf den Tisch legen könnten. Offizielle Bestätigungen dafür waren gestern zunächst nicht zu bekommen. Selbst wenn ein Gegenangebot kommen würde, "dürfte an dem Barclays-Kauf kaum etwas zu rütteln sein", sagte Analyst Philip Richards von der Citigroup.

Analysten in London schätzen, dass die Transaktion nur der Anfang einer Welle von Geschäften sein könnte. Das vor allem im Vereinigten Königreich starke Institut Barclays vermeldete im Jahr 2002 einen Gewinnrückgang von 1,4 % auf 5,59 Mrd. Pfund (7,88 Mrd. Euro). Und CEO Matthew Barrett hat mehr als einmal angekündigt, Wachstumsmärkte im Ausland zu suchen. Bis 2010, so die aktuelle Vorgabe, soll die Hälfte des Konzerngewinns aus dem Ausland kommen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg - bislang ist es gerade ein Fünftel.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%