Britische Journalistin freigelassen
USA erwägen weitere Angriffe gegen andere Länder

Nach den ersten Angriffen in Afghanistan erwägen die USA "weitere Aktionen" gegen andere Länder. Dies teilten Diplomaten der Vereinten Nationen am Montag in New York mit. Nach den Worten des britischen Außenministers Jack Straw vom Montag werden die Angriffe gegen "militärische und terroristische Ziele" noch über Wochen anhalten.

afp ISLAMABAD/KABUL/LONDON. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon schloss den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Das Taliban-Regime drohte seinerseits mit einem "langwierigen Guerilla-Krieg" gegen die USA und ihre Verbündeten. Sie haben nach eigenen Angaben während der amerikanisch-britischen Angriffe mindestens ein Flugzeug abgeschossen.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bezeichnete die ersten Angriffe als "sehr erfolgreich". Alle Flugzeuge seien sicher auf ihre Ausgangsbasen zurückgekehrt. Gleichzeitig seien erste Lebensmittelhilfen für die notleidende Bevölkerung abgeworfen worden. Angaben der Taliban, wonach zahlreiche Frauen und Kinder bei den Bombardierungen getötet wurden, wies er gegenüber CNN als "schlichtweg nicht wahr" zurück. Laut Taliban wurden mindestens 25 Menschen, meist Zivilisten, getötet. Auch Rumsfeld vermutete, dass sich bin Laden noch im Land aufhält. Doch sei es nicht Ziel der Aktion gewesen, den mutmaßlichen Terroristenführer auszuschalten: "Wenn er weg ist, werden seine Vertrauten das Netzwerk in 50 oder 60 Ländern weiterführen".


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Mittlerweile soll die von den Taliban in Afghanistan festgehaltene britische Journalistin Yvonne Ridley nach pakistanischen Angaben frei sein. Sie sei am Montag freigekommen, erklärte ein pakistanischer Regierungsvertreter in Islamabad. Die 43-Jährige war vor mehr als einer Woche unter dem Vorwurf der illegalen Einreise in Afghanistan festgenommen worden.

Straw betonte, ziviler Schaden sei auf ein Minimum begrenzt worden. Nähere Angaben machte er nicht. Dagegen sprach der Taliban-Vertreter in Pakistan, Abdul Salam Saif, von zwanzig Toten in der Hauptstadt Kabul, "darunter Frauen, Kinder und Alte". Die afghanische Opposition hatte zuvor erklärt, bei den "zielgenauen" Angriffen habe es keine zivilen Opfer gegeben. Demnach wurden Taliban-Einrichtungen in Dschalalabad im Osten, in Farah im Westen und in Kundus im Norden des Landes getroffen. In Kabul seien der Flughafen, der Präsidentenpalast und das Gebäude des Taliban-Rundfunks angegriffen worden. Augenzeugenberichten zufolge wurden in der nördlichen Stadt Masar-e-Scharif zwei Taliban-Kommandeure getötet.

Nach den Worten von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wollten sich die USA zunächst die Lufthoheit über Afghanistan sichern, indem sie die Luftabwehr der Taliban zerstörten. Dieses Ziel wurde nach Einschätzung des französischen Verteidigungsministers Alain Richard "wahrscheinlich" erreicht. Rumsfeld zufolge wurden parallel zu den Angriffen 37 500 Lebensmittelrationen abgeworfen. Großbritannien war laut Premierminister Tony Blair mit Raketenangriffen von U-Booten aus an dem Einsatz beteiligt.

Taliban: Omar und bin Laden am Leben

Die radikalislamische Taliban-Miliz kündigte Angriffe entlang der Nordgrenze zu Usbekistan an. In der ehemaligen Sowjetrepublik, wo US-Soldaten stationiert sind, blieb es am Montagmorgen zunächst ruhig. Ein Sprecher der Hilfsorganisation "Shelter Now" befürchtete, dass die Gefahr für die acht festgenommenen ausländischen Mitarbeiter, unter ihnen vier Deutsche, in Kabul zunehme.

Im pakistanischen Quetta demonstrierten mehr als 10 000 Menschen gegen die US-Angriffe. Mehrere islamische Geistliche hatten dort zum Heiligen Krieg aufgerufen. Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas bezeichnete die US-Angriffe als Ausdruck "terroristischer Politik". Der iranische Außenminister Kamal Charazi warf Washington vor, nicht auf die "Ratschläge der islamischen Welt" gehört zu haben; der Terrorismus könne nicht militärisch ausgerottet werden. Auch in Chicago und in weiteren US-Städten demonstrierten mehrere hundert Anhänger der Friedensbewegung gegen die Militärangriffe.

Presse: Islamische Staaten fordern Tötung bin Ladens

Mehrere islamische Staaten haben einem Pressebericht zufolge von den USA gefordert, dem Islamistenführer Osama bin Laden und seiner Organisation El Kaida das Handwerk zu legen. Dies berichtete die Zeitung "Miami Herald" am Montag unter Berufung auf zwei US-Regierungsbeamte. Pakistan, Saudi-Arabien, Usbekistan und andere islamische Staaten hätten vor Beginn der US-Angriffe wissen wollen, ob dieses Mal wirklich Schluss mit Bin Laden gemacht werde. Laut der Zeitung fürchteten die Länder, die USA könnten ihren "Job" wieder nur zur Hälfte erledigen wie vor zehn Jahren im Golfkrieg - mit der Folge, dass der irakische Staatschef Saddam Hussein bis heute im Amt blieb.

Öffentlich hätten sich die arabischen und moslemischen Führer über die Angriffe des Westens gegen die Moslems beklagten, doch im Geheimen hätten sie gefordert "ganze Arbeit" zu leisten, zitierte das Blatt einen ihrer namentlich nicht genannten Informanten. "Sie wollten nicht mit uns zusammenarbeiten und dann von Bin Laden gejagt werden. Im Grunde genommen sagten sie uns, dass sie Bin Laden tot wollten." Der Zeitung zufolge gehörte es deshalb in der vergangenen Woche zu den Aufgaben von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, seinen Gesprächspartnern in Ägypten, Saudi-Arabien, Oman und Usbekistan zu versichern, dass anders als im Golfkrieg Washington dieses Mal nicht vorzeitig den Kampf abbrechen werde.

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