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Britische Königin fordert Blick nach vorn

Die britische Königin Elizabeth II. hat sich bei ihrem vierten Staatsbesuch in Deutschland gegen „allzu vereinfachende stereotype Vorstellungen“ im Verhältnis von Briten und Deutschen gewandt.

dpa BERLIN. Die britische Königin Elizabeth II. hat sich bei ihrem vierten Staatsbesuch in Deutschland gegen "allzu vereinfachende stereotype Vorstellungen" im Verhältnis von Briten und Deutschen gewandt.

Bei einem Staatsbankett im Berliner Zeughaus, zu dem Bundespräsident Horst Köhler geladen hatte, sprach sie am Dienstagabend von einer "reifen und dauerhaften Freundschaft" beider Staaten im 21. Jahrhundert. Die Herausforderung sei: "Aus der Vergangenheit zu lernen und sich nicht von ihr beherrschen zu lassen. Über allzu vereinfachende stereotype Vorstellungen hinauszublicken und zu erkennen, wie oft wir doch die gleichen Anschauungen haben."

Die Königin sagte vor prominenten Gästen wie Prinzessin Caroline und Prinz Ernst August von Hannover sowie den Bundesministern Joschka Fischer und Wolfgang Clement: "Stereotype Vorstellungen schwinden, wenn die Kontakte zwischen den Menschen gedeihen. Wir sollten unsere jungen Menschen weiter ermutigen, das Land des anderen noch besser kennen zu lernen." Auf die von britischen Boulevardmedien geführte Debatte um angebliche deutsche Wünsche nach einer Entschuldigung für die britischen Bombenangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg ging Elizabeth II. nicht ein. Von beiden Seiten waren die Berichte dementiert worden.

Köhler sagte, das moderne Deutschland habe mehr zu bieten als alte Klischees. Er würdigte den Einsatz der britischen Königin für die Versöhnung beider Länder: "Keinem anderen Land haben Sie mehr Staatsbesuche abgestattet. Sie haben immer ein Interesse an uns Deutschen gezeigt." Köhler: "Unsere Völker verbindet ein sehr enges Verhältnis."

Zuvor hatte schon Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Gespräch mit der Königin die "absurde Debatte zum Thema Entschuldigung" bedauert. Nach einem Treffen mit der Monarchin im Kanzleramt verlautete, der Kanzler habe die großen Anstrengungen Großbritanniens zur Aussöhnung beider Völker hervorgehoben: "Großbritannien hat eine versöhnende Rolle gespielt."

"Wenn wir des entsetzlichen Leids des Krieges auf beiden Seiten gedenken, erkennen wir gleichzeitig, wie kostbar der Frieden ist, den wir seit 1945 in Europa geschaffen haben. Jemand meiner Generation kann dies kaum genug betonen", sagte die Königin beim Staatsbankett. Es sei wichtig, die bilateralen Beziehungen in Europa nun "auf die Zukunft zu richten, indem wir uns den globalen Herausforderungen stellen".

Sie schloss mit den Worten: "Und wenn ich für mich selbst sprechen darf, die ich in meinem eigenen Leben erfahren habe, wie wir von Krieg zu Frieden, von Partnerschaft zu enger Freundschaft vorangeschritten sind, dann glaube ich, sollten wir das auch gebührend feiern."

Mit "God Save The Queen" und militärischen Ehren war die Königin (78) und deren Mann Prinz Philip (83) nach der Ankunft auf dem Berliner Flughafen Tegel vor dem Berliner Schloss Charlottenburg begrüßt worden. Danach legte sie in der "Neuen Wache" einen Kranz nieder und zog sich dann ins Hotel "Adlon" zurück.

Der Bundeskanzler und die Königin waren im Bundeskanzleramt mit einer Gruppe von jeweils zwölf jungen Briten und Deutschen zusammengetroffen, die gemeinsam die Folgen des Klimawandels untersuchen. Sie präsentierten eine Arbeit über die Auswirkungen des Klimawandels in Großbritannien und Deutschland. Die jungen Leute sind Teilnehmer einer Konferenz zum Klimaschutz, die die Königin an diesem Mittwoch in Berlin besuchen wird. Nach einer Visite auf der Berliner Museumsinsel wird sie unter anderem Schloss Cecilienhof in Potsdam und einen Soldatenfriedhof des Commonwealth in Stahnsdorf besuchen. Am Abend ist sie Gastgeberin eines Galakonzerts in der Berliner Philharmonie zu Gunsten des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche.

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