Britische Marktforscher sehen gute Chancen für mobile Datendienste
UMTS-Milliarden werden Aufbau neuer Netze nicht verzögern

Vom Internet via Handy werden auch Anbieter ohne eigenes Netz und IT-Dienstleister profitieren. Netzbetreiber wie T-Mobil und Vodafone müssen sich dafür nur öffnen, sagen Experten.

dri/HB BERLIN. Trotz der gegenwärtigen Skepsis der Finanzmärkte werden mobile Datendienste ein gutes Geschäft. Der Markt wachse von heute 6 Mrd. Euro auf 76 Mrd. Euro im Jahr 2005, sagt das das Londoner Marktforschungs- und Investitionsberatungshaus Durlacher Corp. voraus - veröffentlicht im neuen UMTS-Report über die europäischen Mobilfunkmärkte, der sich an Investoren richtet.

Der Research-Spezialist für Technologie-, Medien- und Telekommunikationsmärkte (TMT) kommt zu dem Schluss, dass auch die hohen Kosten für UMTS-Lizenzen in Großbritannien, Deutschland und Italien die Entwicklung nicht behindern werden. Bis 2005 würden die Ausgaben längst in Geschäftspläne integriert und an den Börsen vergessen sein, meint Durlacher-Mobilfunk-Experte Falk Müller-Veerse

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Schlecht stünden allerdings die Chancen kleinerer Anbieter, wenn sie auf weniger als 25 % Marktanteil kämen; es sei denn, sie würden von anderen Sparten eines Telekomunternehmens quersubventioniert.

Gute Chancen für "Multimedia-Commerce"

Nach umfangreichen Markterhebungen in den EU-Staaten, der Schweiz, Slowenien und den baltischen Staaten erwartet Müller-Veerse, dass sich der sogenannte M-Commerce zu einem wichtigen Bestandteil der künftigen digitalen Medien- und Internetwelt entwickelt. Die besten Chancen räumt er Angeboten ein, die Kunden gleichsam über PC, Digital-TV und auch mobil abrufen können.

Vom mobilen Internet profitieren allerdings nicht länger die Mobilfunknetzbetreiber alleine: Bis zum Jahr 2005 wird sich die Wertschöpfungskette im Mobilfunkmarkt erweitern. Neben Mobilfunknetzbetreibern wie Vodafone oder T-Mobil werden Service-Provider wie Debitel eine Renaissance erleben. Viele Start-ups können mit neuen Inhalten neue Geschäftsfelder erschließen.

Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Netzbetreiber neben ihrer Ausrichtung auf Endkunden auch als Großhändler für Service Provider positionieren. Möglichst schnell sollten Netzbetreiber daher Angebote für Großhändler ausbauen, empfiehlt der Durlacher-Report.

Netzbetreiber müssen Partnerschaften eingehen

Partnerschaften, auch mit kleineren Diensteanbietern, seien für die Netzbetreiber wichtig. Hauptgrund: Es werde keine "Killer-Application" geben, wegen der jeder UMTS haben will, meinen die Durlacher-Experten. Daher müssten Netzbetreiber ein möglichst breites Service-Spektrum abdecken, was sie ohne Partnerschaften meist überfordere.

Diese Sicht wird von Netzbetreibern bestätigt. T-Mobil-Chef René Obermann etwa sagt, dass der Kunde keineswegs allein dem Netzbetreibe gehöre. D2-Vodafone hat schon jetzt seinen Service-Provider-Vertrag mit Debitel auf UMTS erweitert.

Ein wichtiges gewinnträchtiges Geschäftsfeld sind laut Durlacher Angebote rund um das mobile Büro oder für das Lkw-Flottenmanagement großer Unternehmen.

Technik bei Kunden nicht mehr im Vordergrund

Generell erwarten die Experten, dass die Technik für die Kunden nicht mehr so stark wie bisher im Vordergrund stehen wird. Der Erfolg hänge künftig vor allem davon ab, Dienste zu entwickeln, sie in den Markt zu bringen und sich selbst gegenüber den Kunden als Marke zu positionieren. Bisher habe sich kein Mobilfunkunternehmen so stark als Marke etabliert, wie dies im UMTS-Zeitalter mit ausdifferenzierten Produkten nötig sei.

Durlacher erwartet mindestens 3 000 unterschiedliche Dienste im Jahr 2005. Er sieht dabei gute Chancen für sogenannte Application Service Provider, die solche Dienste entwickeln und vermarkten. Bisher gebe es allerdings keine Möglichkeiten, mobile Online-Geschäfte abzurechnen: Investitionen in Anbieter von Abrechnungssystemen hält Durlacher daher ebenfalls für lohnend.

Schlechte Aussichten für reine Mobilfunk-Portale

Die Experten sind überzeugt, dass die mobilen Datendienste nicht nur über Handys, sondern auch über PCs angeboten werden müssen: Reine Mobilfunk-Portale hätten nur geringe Erfolgsaussichten, weil die Kunden Portale bevorzugten, die sie über verschiedene Kanäle erreichen können. Nicht nur Mobilportale wie T-Motion und Vizzavi sollten sich hin zu PCs oder tragbaren Kleinstcomputern (Palm-Tops) öffnen. Auch heutige Internet-Portale müssten sich in Richtung Mobilfunk bewegen. Beides umzusetzen bezeichnet Durlacher als "komplexe Aufgabe".

Die großen Veränderungen in den Wertschöpfungsketten durch neue Dienste erwartet Durlacher bereits in den kommenden 2 Jahren mit der Einführung der GPRS-Technik in den heutigen Mobilfunknetzen. Die Einführung von UMTS sei dann nur noch eine Qualitätsverbesserung.

Den nächsten Technologie-Sprung erwarten die Durlacher-Experten erst mit der Einführung der vierten Mobilfunk-Generation, die UMTS irgendwann nach 2010 ablösen soll.

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