Britische Prudential kauft American General für 56 Milliarden D-Mark
Megafusion in der Versicherungsbranche

Prudential stellt sich auf breitere Füße. Nachdem Großbritanniens zweitgrößter Versicherungskonzern in den vergangenen Jahren vor allem in Asien gewachsen ist, kauft man nun in den USA groß ein. Damit eröffnet sich für die Briten der größte Markt für Lebensversicherungen in der Welt.

stk/abo/nw/mbw LONDON. In der Versicherungsbranche bahnt sich die größte Übernahme aller Zeiten an. Die britische Prudential Plc. will für umgerechnet 56 Mrd. DM die US American General Corp. -Gesellschaft kaufen. Einen entsprechenden Bericht des Wall Street Journal bestätigten beide Versicherungen am Montagmorgen.

Durch die Übernahme würde Prudential mit einer Marktkapitalisierung von gut 90 Mrd. DM zum weltweit sechsgrößten Versicherungskonzern mit starker Position in den USA, Großbritannien, und Asien aufsteigen. In Amerika ist AIG Marktführer. In Europa belegen die ersten drei Plätze die französische Axa, die deutsche Allianz und die italienische Generali. Prudentials Hauptgeschäft sind Lebensversicherungen und Vermögensverwaltung. In den vergangenen Jahren expandierte der Versicherer vor allem in Asien. Mit der Übernahme würde das Standbein in den USA gestärkt, dem größten Markt für Lebensversicherungen.

Die Kostensynergien vor Steuern bezifferte der jetzige und künftige Prudential-Chief Executive Jonathan Bloomer (45) auf 270 Mill. DM jährlich ab Ende 2002. Es entstünden einmalige Kosten in Höhe von 270 Mill. DM. Im nächsten Jahr werde der Gewinn je Aktie auf Grund der Übernahme um 12 % steigen. Das verwaltete Vermögen belaufe sich in der Summe auf gut 700 Mrd. DM, womit das fusionierte Unternehmen auch hier zu den ersten zehn Adressen zählen würde.

Bloomer erklärte, dass es sich um eine wachstumsgetriebene Fusion handele, die im dritten Quartal 2001 abgeschlossen sein soll. Den Briten gehören die beiden US-Firmen Jackson National Life und PPM America, die in America General integriert werden sollen.

"Unsere beiden Unternehmen passen sehr gut zusammen", erklärte Bloomer. Das neue Unternehmen würde bis zu 75 % der Einkünfte in Übersee generieren. Neben Axa und Allianz hatte sich die niederländische Aegon in Nordamerika durch Zukäufe gestärkt.

Fusion unter Gleichen

Angedacht sei eine Fusion unter Gleichen, erklärte America-Chef Robert M. Devlin. Jedoch wird nach den jetzigen Plänen Prudential 50,5 % der Aktien des fusionierten Unternehmens halten. Neben dem Chief Executive stellt Prudential mit Sir Roger Hurn auch den künftigen Chairman. Devlin wurde im künftigen 18-köpfigen Board der Sitz des stellvertretenden Chairmans angeboten, wie es heißt.

Von der Börse bekam Prudential am Montag Gegenwind. Die Aktie fiel auf ein Zweijahrestief. Erste Kommentare der Analysten und Fondsmanager waren eher negativ. Vor allem wird der Preis für American General kritisiert. Dieser sei viel zu hoch, liege er doch dreimal höher als der gegenwärtige Buchwert. Auch bei einer Eigenkapitalrendite bis zu 20 % bleibe der Preis "generös". Auch wird auf die Rezession in den USA hingewiesen.

"Die Übernahme bringt beiden Unternehmen strategische Vorteile", sagte dagegen Robin Savage, Analyst bei WestLB Panmure in London. Prudential setze sich an die Spitze des US-Marktes für Altersvorsorgeprodukte, einer der weltweit größten und attraktivsten Märkte. American General könne von den sehr guten Wachstumsperspektiven der Prudential in Asien profitieren.

Beim französischen Konkurrenten Axa S.A. gab man sich angesichts der britisch-amerikanischen Finanzfusion gelassen. Prudential sei ein wichtiger Wettbewerber in Großbritannien, und mit American General spiele man in Amerika nicht in der gleichen Liga, verlautete hinter vorgehaltener Hand aus dem Konzernsitz. Allerdings hat sich der Konzern mit gegenwärtig 55 Mrd. Euro Marktwert offiziell noch keine abschließende Meinung über die Fusion gebildet. Axa hat sich durch den Verkauf der Investmentbank Donaldson Lufkin & Jenrette auf Assekuranz- und Vermögensverwaltung konzentriert. Die Gruppe gilt in Europa als härtester Wettbewerber der Allianz-Gruppe, die sich nicht offiziell äußern wollte. Das US-Geschäft will der Konzern aber ausbauen. Interesse dürfte die Allianz im Bereich Lebensversicherung haben, wo die Position mit 1,5 Mrd. Euro Prämienvolumen und einem Marktanteil von 1 % in den USA noch sehr schwach ist.

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