Britische Studie prognostiziert deutlichen Anstieg
Zahl der Firmenehen in Deutschland steigt

Deutsche Unternehmen werden in Zukunft öfter fusionieren als bislang. Einer britischen Studie zufolge werden vor allem Firmen aus dem Internet-, Medien- und Computerbereich durch Zusammenschlüsse wachsen.

DÜSSELDORF. Der bislang im internationalen Bereich schwache deutsche Markt für Fusionen und Übernahmen wird in den kommenden Jahren deutlich an Fahrt gewinnen. Davon gehen die Analysten des Londoner Finanzdienstes Mergermarket.com in einer Studie aus, die dem Handelsblatt vorliegt. Die Finanzexperten haben das Volumen von Fusionen und Übernahmen in mehreren europäischen Ländern für den Zeitraum 2000 bis 2002 verglichen. Demnach wird bei den Aktivitäten deutscher Firmen ein wesentlich stärkeres Wachstum erwartet als bei Käufen, Verkäufen und Zusammenschlüssen mit der Beteiligung französischer oder britischer Unternehmen. Für Großbritannien rechnen die Analysten mit einem deutlich schwächeren Zuwachs.

In Deutschland werden die Automobilbranche, die Chemie- und die Pharmaindustrie zu den aktivsten Branchen bei Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) gehören, schreibt der Dienst. Veränderungsfreudige Branchen seien hier zu Lande auch die Biotechnologie sowie die Soft- und Hardwarehersteller.

Die Analysten von Mergermarket sehen zwei wichtige Gründe für den Trend der Zunahme bei Fusionen und Übernahmen mit deutscher Beteiligung: Zum einen beschleunige die Steuerreform den Umbau der Konzerne, da vom Jahr 2002 an Einnahmen aus Verkäufen von Unternehmensbeteiligungen in Deutschland steuerfrei sein werden. Zum anderen nennt der Dienst die gewachsene Rolle des Finanzplatzes Frankfurt als Grund. "Frankfurt hat sich als paneuropäisches Aktienzentrum etabliert, im Gegensatz zu Paris", heißt es in der Studie. Die Qualität der Börse spiele eine entscheidende Rolle bei Fusionen und Übernahmen, weil sie die Unternehmen mit dem nötigen Kapital für die Expansion versorge. Zudem sei der Druck auf das Management, deren Firmen an bedeutenderen Finanzplätzen notiert sind, größer. "Die Börse zwingt viele Unternehmen zur Fokussierung auf das Kerngeschäft und zum Verkauf von Randaktivitäten", heißt es.

Fortdauer des Booms

Die Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers geht im kommenden Jahr ebenfalls von einer Fortdauer des Booms bei den M&A-Aktivitäten aus, doch würden die Konzerne wesentlich wählerischer und vorsichtiger bei der Suche nach Partnern sein. Das liege etwa an der Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Den Berechnungen von Mergermarket zufolge gibt es im Zeitraum 2000 bis 2002 mit deutscher Beteiligung 1 382 Übernahmen, Fusionen und Teilverkäufe. Aus dem vergangenen Jahr listen sie 421 Transaktionen mit einem Wert von je mindestens 10 Mill. Pfund Sterling auf. Im Vergleich dazu rechnen die Analysten bei britischen Firmen mit 1 542 Fusionen und Übernahmen nach 1 365 im vorigen Jahr. Frankreich werde in dem Zeitraum mit 790 Transaktionen weiter hinter Deutschland zurückfallen, zuletzt lag die Zahl den Angaben zufolge bei 369.

In diese Vorausberechnung haben die Analysten diejenigen Unternehmen einbezogen, die nach eigenen Angaben durch Zukäufe wachsen wollen, Firmenbereiche verkaufen wollen oder bei denen entsprechende Schritte nach Aussage von Investmentbankern sehr wahrscheinlich sind. Zudem sind in den Zahlen auch die Konzerne und Gesellschaften enthalten, die im Finanzmarkt als wahrscheinliche Übernahmekandidaten gelten. Zu den deutschen Firmen mit bevorstehenden M&A-Aktivitäten rechnet Mergermarket beispielsweise Consors, die Hypo-Vereinsbank, T-Online, Pixelpark, Thiel Logistics, Eon, Jungheinrich, Bertelsmann, Bayer und BASF.

In den zurückliegenden zwölf Monaten war das Volumen der Fusionen und Übernahmen auf eine Rekordhöhe gestiegen. Bei den bereits angekündigten Transaktionen mit deutscher Beteiligung liegen die Finanzdienstleister, die Computerbranche, die Chemieindustrie sowie der Bereich Telekommunikation vorn.

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