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Britische Truppen gehen in den Zentralirak

Zur Unterstützung von US-Truppen werden erstmals seit Beginn des Irakkriegs britische Soldaten aus dem Süden in das Zentrum des Landes verlegt. Der Einsatz der 850 Soldaten werde „eher Wochen als Monate“ dauern, kündigte der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon an.

dpa BAGDAD. Zur Unterstützung von US-Truppen werden erstmals seit Beginn des Irakkriegs britische Soldaten aus dem Süden in das Zentrum des Landes verlegt. Der Einsatz der 850 Soldaten werde "eher Wochen als Monate" dauern, kündigte der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon an.

Hoon betonte, dass die Truppenverlegung rein militärisch und nicht politisch begründet sei. Sie erfolge auf Wunsch der USA. Die Soldaten sollen dazu beitragen, dass die für Januar im Irak geplanten Wahlen stattfinden können, sagte Hoon weiter. Nach Presseberichten sollen sie etwa 40 Kilometer südlich von Bagdad eingesetzt werden. Die so entlasteten US-Truppen könnten sich dann an einer Offensive gegen die Rebellenhochburg Falludscha beteiligen.

Die Entscheidung ist in Großbritannien umstritten, weil der Süden bisher als sicherer galt. Auch in der Labour-Fraktion von Premierminister Tony Blair gibt es erheblichen Widerstand gegen die Truppenverlegung. Einzelne Abgeordnete haben Blair vorgeworfen, er wolle US-Präsident George W. Bush damit Wahlkampfhilfe leisten.

Wegen Misshandlung irakischer Gefangener im US-geführten Gefängnis Abu Ghoreib verurteilte ein US-Militärgericht in Bagdad unterdessen den Feldwebel Ivan Frederick zu acht Jahren Gefängnis. Frederick hatte sich am Vortag in den wesentlichen Anklagepunkten, darunter Gefangenenmisshandlung und Dienstverfehlung, schuldig bekannt. Der Richter Oberst James Pohl verurteilte ihn außerdem zur unehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst.

Die irakische Regierung appellierte nach der Entführung der Chefin von Care International in Bagdad, Margaret Hassan, an Hilfsorganisationen im Land, ihre Arbeit fortzusetzen. Der nationale Sicherheitsberater Muffawak al-Rubaije sagte am Mittwochabend nach Angaben der britischen BBC, ein Abzug der Hilfsorganisationen würde ein Zugeständnis an die Terroristen bedeuten. Care International hat wegen der Entführung Hassans seine Arbeit im Irak vorerst eingestellt.

Auch mehr als zwei Tage nachdem Hassan auf dem Weg zur Arbeit verschleppt worden war, blieb am Donnerstag unklar, wer hinter der Geiselnahme steckt oder was die Kidnapper fordern. Ihr irakischer Ehemann, Tahsin Ali Hassan, rief die Entführer auf, seine Frau freizulassen. "Meine Frau hat mit Politik nichts zu tun", sagte Hassans Mann in seinem Appell an die Entführer, den der arabische Fernsehsender El Arabija am Mittwochabend ausstrahlte. Seine Frau hat die britische und irakische Staatsbürgerschaft.

Der geistige Führer der schiitischen Mehrheit im Irak, Großajatollah Ali al-Sistani, deutete an, er wolle keine konkrete Empfehlung für die Wahlen im Januar abgeben. Frankreich rückte indirekt von seiner Forderung ab, zur Irak-Konferenz in Ägypten am 22. und 23. November alle irakischen politischen Kräfte, einschließlich bewaffneter Widerstandsgruppen, einzuladen. Der ägyptische Vorschlag einer parallelen Konferenz von Vertretern der irakischen Zivilgesellschaft sei interessant, sagte Außenamtssprecher in Paris.

Unterdessen hielt die Gewalt im Irak an. Unbekannte schossen auf dem Flughafenzubringer in Bagdad auf einen Bus, der irakische Flughafenangestellte beförderte. Nach Angaben von Ärzten starb dabei eine Frau, sechs Menschen wurden verletzt. Der Zubringer gilt als eine der riskantesten Verkehrsadern der irakischen Hauptstadt.

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