Britische Unterhauswahlen
Blair gewinnt haushoch

Premierminister Tony Blair kann vier weitere Jahre regieren. Seine Labour-Partei konnte nach Prognosen den großen Vorsprung verteidigen. Die oppositionellen Tories gewannen nur leicht hinzu.

dpa LONDON. Die britische Labour-Partei von Premierminister Tony Blair (48) hat nach Prognosen die Unterhauswahl am Donnerstag mit klarer Mehrheit gewonnen und kann auch in den nächsten fünf Jahren das Land regieren. Die oppositionellen Konservativen schnitten laut Wählerbefragungen etwas besser ab als von den Meinungsforschern vorhergesagt. Labour büßte jedoch nur wenige der Mandate ein, die die Partei bei ihrem spektakulären Sieg vom Mai 1997 errungen hatte.

Blairs Labour-Partei konnte nach einer Prognose des britischen Fernsehens BBC, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am späten Donnerstagabend veröffentlicht wurde, rund 44 % der Stimmen und damit vermutlich etwa 408 der 659 Sitze im Unterhaus erringen. Das sind zehn Sitze weniger als vor vier Jahren.

Die Konservativen von William Hague (40), denen die Demoskopen das schlechteste Wahlergebnis seit der Parteigründung vor knapp 170 Jahren vorausgesagt hatten, waren trotz leichter Zugewinne die eindeutigen Verlierer. Mit 32 % und etwa 177 Sitzen schnitten sie besser ab als 1997, als sie auf 30,7 % und 165 Sitze gekommen waren. Die Liberaldemokraten konnten von der Unzufriedenheit mit den beiden großen Parteien nicht wie erhofft profitieren. Die von Charles Kennedy geführte Partei blieb mit 17 % und 44 (46) Sitzen praktisch auf dem Niveau von 1997.

Das britische Mehrheitswahlsystem, bei dem prozentuale Stimmenanteile nur von beschränkter Aussagekraft sind, macht allerdings alle frühen Hochrechnungen wesentlich unzuverlässiger als in Deutschland.

Der erneute Sieg von Tony Blair gibt der 100 Jahre alten Labour - Partei erstmals die Chance, zwei volle Amtszeiten in Folge zu regieren. Zugleich droht den Konservativen die bisher längste Zeit auf den Oppositionsbänken. Allerdings dürfte die Position von Hague an der Spitze der Partei trotz der Niederlage eher gestärkt worden sein, weil die Tories nicht noch mehr Mandate verloren.

Die Konservativen konnten möglicherweise auch von der schwachen Wahlbeteiligung profitieren. Labour hatte befürchtet, dass der als sicher geltende Sieg eigene Anhänger vom Urnengang abhalten könnte. Schon 1997 hatte die Wahlbeteiligung mit 71,4 % so niedrig wie noch nie seit 1935 gelegen. Bei der jetzigen Wahl wurde sogar ein Absinken auf bis zu 60 % vorhergesagt: Sollte sich dies bei der Auszählung bestätigen, so wäre das die niedrigste Wahlbeteiligung seit 1918, als viele Soldaten noch nicht aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt waren.

Im Wahlkampf versuchte die konservative Opposition vor allem einen angeblich geplanten, aber von den meisten Briten abgelehnten Beitritt Großbritanniens zur Eurozone zum Hauptthema zu machen. Die Regierung wich dieser Frage aus und stellte künftige Verbesserungen im öffentlichen Dienst und Gesundheitssystem in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes. Labour musste sich vor allem von eigenen Mitgliedern und Sympathisanten vorhalten lassen, die 1997 errungene große Mehrheit nicht für radikalere soziale Reformen genutzt zu haben.



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