Britischer Autovermieter vor Start in Deutschland – Juristischer Streit um orangen Markenauftritt
Easycar fordert Sixt heraus

In der Autovermietung herrscht Verdrängungswettbewerb. Dennoch will sich der Newcomer Easycar mit Billigtarifen und neuer Flotte von 2003 an in Deutschland festsetzen. Die etablierte Konkurrenz ist alarmiert, Marktführer Sixt hat wegen Verwechslungsgefahr bereits die Gerichte eingeschaltet - bisher vergeblich.

LONDON. Der Kampf der deutschen Autovermieter dürfte bald noch härter werden. Denn der Chef der britischen Easygroup, Stelios Haji-Ioannou, will mit seiner Easycar schnell nach Deutschland. Der Billig-Anbieter werde "vielleicht schon in 2003" starten, kündigte der Unternehmer in einem Gespräch mit dem Handelsblatt in London an. Bis Ende 2002 solle das in Spanien, Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien aktive Unternehmen kräftig wachsen. Easycar werde 10 000 Autos bestellen, kündigte Haji-Ioannou an. Bislang unterhält Easycar eine Flotte von etwa 5 000 Autos, die ab 8 Euro pro Tag (plus Gebühren) vermietet werden.

Die Expansionspläne von Easycar haben bereits ein juristisches Vorspiel provoziert. Denn Markenfarbe der gesamten Firmengruppe Easygroup ist Orange - weshalb der deutsche Marktführer Sixt die Gerichte bemüht hat: Sixt wollte Easycar die Verwendung der Farbe Orange in allen Medien verbieten lassen. Schließlich tritt der Anbieter aus München ebenfalls in orange auf. Das Landgericht München hat jedoch entschieden, dass keine Verwechslungsgefahr vorliege, "auch wenn beide Parteien ein orange in einem gleichen oder ähnlichen Farbton verwenden."

Dennoch gibt sich die Sixt AG nicht geschlagen. Sollte Haji-Ioannou den Schritt auf den deutschen Markt wagen, dann "wäre die Verwechslungsgefahr wegen nahezu identischer Übernahme der Farben von Sixt neu zu überprüfen und bewerten", teilt der Konzern schriftlich mit. Ansonsten hüllt sich Sixt, sonst um freche Werbesprüche nie verlegen, beim Thema Easycar in Schweigen.

Die deutschen Autovermieter leiden seit Jahren unter einem enormen Preiskampf. Die Zahl der Anbieter ist nach Angaben des Bundesverbandes der Autovermieter Deutschlands (BAV) seit 1990 von 1 300 auf unter 800 geschrumpft. Der Umsatz wuchs zwar auf 2,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr, doch teilen sich den Kuchen vor allem vier großen Namen: Sixt (24% Marktanteil), Europcar (15%), Avis (12%) und Hertz (9%).

Easycar aber lässt sich nicht einschüchtern. Der erst vor zwei Jahren gegründete Online-Autovermieter will im Oktober (Ende Geschäftsjahr) aus den roten Zahlen fahren. "Im Finanzjahr 2003 werden wir Gewinn machen", sagt der Wahlbrite Haji-Ioannou. Danach sei ein Börsengang denkbar. Im vergangenen Jahr hat der gebürtige Grieche und Milliardär bereits seine Low-Cost-Airline Easyjet erfolgreich an die Börse gebracht.

Für den Ausbau der Flotte verhandelt Easycar mit mehreren Autoherstellern über Großbestellungen. "Wir hoffen, dass wir bald mit Renault zu einem Abschluss kommen", sagt Haji-Ioannou. Mit dem Kauf des Kleinwagens "Clio" wäre die vor zwei Jahren geschlossene Exklusivbindung an Daimler-Chrysler beendet. Im März 2000 hatte Easycar 4 000 Wagen der A-Klasse von Mercedes gekauft. Der als Preisdrücker gefürchtete Haji-Ioannou argumentiert nun, der Clio koste 3,20 Euro weniger am Tag als die A-Klasse. "Der Kunde soll entscheiden, ob er den Aufpreis für den Mercedes-Stern zahlen will oder nicht."

Easycar-Wagen sind nur über Internet oder Telefon buchbar, das Unternehmen hat lediglich 17 Filialen in Europa. Die Autovermietung gehört zur Easygroup Ltd, die auf dem britischen Steuerparadies Jersey gemeldet ist. Begonnen hat der 35jährige Haji-Ioannou 1992 mit einer Tanker-Reederei, die heute 22 Schiffe betreibt.

In Deutschland ist die Easygroup noch wenig bekannt und nur mit Internet-Cafés in München und Berlin vertreten. "Unser Markenname ist hier noch nicht sehr gut eingeführt", sagt der Macher aus London. Ob die Flieger von Easyjet einmal in Deutschland landen werden, lässt er mit Blick auf den Kampf von Ryanair und Lufthansa lieber offen. Haji-Ioannou sieht seine Chance eher am Boden - bei der Autovermietung.

In ganz Europa soll der Markt der Autovermieter bis zum Jahr 2004 auf 10 Mrd. Euro wachsen. Banken in London wie NBGI Private Equity sehen darum ein "sehr gutes Wachstumspotenzial" für Easycar. Doch die Flotte des Billig-Briten ist für den Kampf mit den deutschen Größen eigentlich zu klein. Darum hat sich Haji-Ioannou für die geplante Expansion in Europa bereits 26 Mill. GBP von einem Bankenkonsortium gesichert. Zwei Institute, die Bank of Scotland und NBGI haben sogar die Hälfte der Finanzierung (13 Mill. GBP) direkt investiert. Nach einem späteren Börsengang werden sie rund ein Drittel von Easycar besitzen.

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